Historie

Vom Handsatz bis zu moderner Computertechnik: 150 Jahre Rhön- u. Saalepost
 
Bad Neustadt. Die Rhön- u. Saalepost kann auf eine 150-jährige Geschichte zurückblicken. In dieser Zeit vollzog sich ein kaum vorstellbarer technischer Wandel. Der Mann der ersten Stunde, Max Josef Mayer, arbeitete noch in mühsamer Kleinarbeit mit Handsatz. Heute hat die hochmoderne Computertechnik in das Unternehmen Einzug gehalten.

Max Josef Mayer wurde 1828 in Regensburg geboren und kam im Jahr 1858 nach Neustadt. Hier gründete er in der heutigen Schuhmarktstraße eine Druckerei und 1862 die „Rhön- & Saalpost“. Er wurde allerorts „Der Buchdrucker“ genannt. Ein kleiner Schrank mit wenig Handsatz war seine ganze „Werkstatt“. Als am 1. Juli1862 die erste Ausgabe der „Rhön- & Saalpost“ erschien, hielt er folgende Nachricht für eine Meldung wert: „Nach direkten Berichten aus der Pfalz über das Befinden des Königs Ludwig ist Se. Majestät rüstig und vom besten Humor, und besteigt Berge ohne alle Beschwerde.“

Neustadts erste Tageszeitung war geboren. Die Ausgabe war 18 mal 24 Zentimeter groß, erschien nur an drei Wochentagen – Dienstag, Donnerstag und Samstag und umfasste vier Seiten Handsatz-Druck. Schon im September1862 trug das Blatt den Untertitel: „Alleiniges Amts-Organ der Bezirksämter Bad Neustadt, Mellrichstadt und Gersfeld“. Die Kurlisten von Bad Neuhaus wurden ebenfalls bei Max Josef Mayer gedruckt. Damit war dieser vieler existenzieller Sorgen um seinen Betrieb enthoben, nicht zuletzt dank der Hilfe des ersten Bezirksamtmannes von Neustadt, Leonhard Geigel, der die Gemeinden aufforderte, die „Rhön- & Saalpost“ zu beziehen und deren Inhalt zu verbreiten. Meldungen der Forstämter, freiherrlichen Gutsverwaltungen, Schützenvereine und der Städte, vor allem Berichte von Gerichtsverhandlungen bestimmten den Inhalt. Das Verbreitungsgebiet der Zeitung war damals größer als heute. Von Römhild und Geisa über Gersfeld bis Schweinfurt – überall war die „Rhön- & Saalpost“ zu Hause. Und zwar stramm bayerisch und gegen Preußen.

Mit dem Steigen der Auflage wurde die Druckerei von Max Josef Mayer zu klein, so dass am 28. April 1864 der Umzug in die heutige Roßmarktstraße 12 erfolgte. Die kleine Häfnergasse erhielt ihm zu Ehren den Namen „Buchdrucker-Gässle“ (heute wieder Häfnergasse).

Am 1. Januar 1869 wurde die „Rhön- & Saalpost“ Tageszeitung. Das Blatt bezeichnete sich zwei Jahre später offiziell als „Amtsblatt der beiden königlichen Bezirksämter Neustadt und Mellrichstadt“.
Schulrat Alfons M. Borst schrieb zum 100. Jubiläum der Rhön- u. Saalepost: „1866 wird die RS echtes Sprachrohr des kleinen Mannes und des Landvolks in unserer nördlichen bayerischen Heimat. Sie bezieht herzerfrischend offen strammgegnerische Haltung gegen Bismarck und seine Politik unter Wahrung der bayerischen Belange, die in unserer Heimat zu gleich in der Gefährdung der geschäftlichen Beziehungen hinter der Rhön gesehen wurden. Die Kriegsberichte 1866 sind durch dicke bayerische Brillen gesehen.“

Zu dieser Zeit tauchte erstmals der Name Rötter auf. Gallus Rötter, Stiefsohn von Mayer, arbeitete als Lithograf. Er war damals 25 Jahre alt und kam als Buchdruckerlehrling mit seinem Vater nach Neustadt. Im März 1892 starb Max Josef Mayer im Alter von 64 Jahren nach längerer Krankheit. Ein Jahr später übernahm Gallus Rötter die Geschäftsführung. Als dieser mit nur 49 Jahren einen Herzanfall erlitt, übernahm dessen Sohn Max Josef Rötter den Betrieb. Max Josef Rötter wurde 1868 in Neustadt geboren und erlernte ebenfalls den Beruf des Buchdruckers. Seine Hobbys glichen denen des Vaters und Großvaters: Er war ein begeisterter Schütze und darüber hinaus Jäger und Heger.

Um 1900 nahm die Vielfalt der politischen und allgemeinen Meldungen und Berichte in der „Rhön- & Saalpost“ zu. Die Kleinanzeigen häuften sich. Die mittlerweile acht Seiten der Tagesausgabe wurden fünfspaltig umbrochen.
Der Erste Weltkrieg wirkte sich auch auf den Betrieb Rötter aus. Nicht nur die Materndienste, also der überregionale Teil der „Rhön- & Saalpost“, sondern auch die örtlichen Berichte waren der Zensur unterworfen. Die Pressefreiheit wurde eingeschränkt. Immer häufiger gab es Lücken im Text, so dass oft der Sinn eines Satzes verloren ging. Die Zeit zwischen 1918 und 1923 war gekennzeichnet durch Kriegsfolgen, wobei die Geldentwertung immer mehr im Berichts- und Anzeigenteil deutlich wurde. Während der Inflation kostete die „Rhön- & Saalpost“ jeweils monatlich: 1918 1,80 RM, 1920 3,60 RM, 1921 7,50 RM, 1922 40.300 RM und im Dezember1923 0,7 Billionen Mark. Erst ab 1. Januar herrschten wieder zivile Verhältnisse. Die industrielle Entwicklung, die in Neustadt bereits vor dem Ersten Weltkrieg begonnen hatte, machte jetzt gewaltige Fortschritte.

Am 10. Oktober 1927 starb – am Todestag seines Vaters Gallus – der fast 60-jährige Max Rötter. Seine Witwe, Maria Rötter, führte mit ihren Kindern die Druckerei und die Zeitung weiter. Der Schulrat Alfons Borst betreute als Beilage die„Neustädter Heimatblätter“, die allerdings nur fünf Jahre erscheinen konnten; dann hatten die Nationalsozialisten alles im Griff. Statt dessen gab es eine Jugendzeitung als Ergänzung unter der Leitung regionaler HJ-Führer.„Im Dritten Reich hatten die örtlichen Zeitungen ihre schwerste Zeit“, führte Alfons Borst in seiner Chronik zum 100. Jubiläum aus. Die „parteiamtlichen Mitteilungen“ mussten kostenlos und mit Vorrang ins Blatt gebracht werden. Dafür gab es sogar technische Unterstützung – allerdings nur, um die Arbeitsleistung im Sinne der Partei zu steigern. Vorher, von 1862 bis 1936, musste der Großteil des Gedruckten im kostspieligen und zeitraubenden Handsatz gefertigt werden. Jetzt gestattete man die Aufstellung einer modernen Setzmaschine, wodurch die „Rhön- &Saalpost“ sowie sämtliche Drucksachen an wesentlicher Qualität gewannen. Die „Rhön- & Saalpost“ stand nun unter der Zensur der Militär- und Parteizentrale, von wo täglich „Sprachregelungen“ herausgegeben wurden. Hinzu kam die immer weiter steigende Papierknappheit mit behördlich vorgeschriebenem Höchstverbrauch. Im Februar 1945 erschien täglich nur noch ein einziges Blatt mit magerem Inhalt. Am 28. März stellte die „Rhön- & Saalpost“ ihr Erscheinen ein.

In der Nachkriegszeit versuchte man, Druckerei und Zeitung langsam wieder aufzurichten. Vom 25. Juni 1945 an produzierte die Druckerei das „Mitteilungsblatt des Landrates Bad Neustadt“ unter der Treuhänderschaft von Carl Goldammer. Im August 1948 ging die Druckerei wieder in den Besitz der Familie Rötter über. Zunächst wurde das „Amtliche Mitteilungs- und Werbeblatt“ herausgegeben. Erst ein Jahr später, im August 1949, tritt die „neue“ Rhön- u. Saalepost an dessen Stelle und unternimmt erste Gehversuche, anfangs mit drei Ausgaben in der Woche. In der Nachkriegszeit setzten sich neue Techniken, wie der Vier-Farb-Druck, durch, so dass bald ein Umbau des Geschäftsgebäudes in der Roßmarktstraße erforderlich wurde,  der im Herbst 1955 erfolgte. So konnte man 1960 bequem eine neue Rotationsmaschine zusammen mit einer hydraulischen Presse aufstellen. 1962 feierte die Rhön- u. Saalepost als gesundes und zukunftsträchtiges Unternehmen ihren 100. Geburtstag. Aufgrund des technischen Fortschritts erhielt sie mehr Seiten, was vor allem dem lokalen Teil zugute kam. Verstärkt wurde über Stadtrats- und Gemeinderatssitzungen berichtet sowie wichtige Ereignisse mit einem Kommentar versehen. Der Anzeigenteil wuchs und als 1969 Gerhard Rötter mit 32 Jahren das Unternehmen zusammen mit seiner Frau Gisela übernahm, begann für die Rhön- u. Saalepost eine neue Zeit.

Gerhard Rötter hatte auf Wunsch seines Vaters den Beruf des Schriftsetzers in Schweinfurt von der Pike auf gelernt. Unter ihm wurden beachtliche Investitionen getätigt. 1978 wurde von Blei auf Fotosatz umgestellt, was neue Setz- und Druckmaschinen erforderte. Als die Räume in der Roßmarktstraße zu klein wurden, beschloss Rötter in einem mutigen Schritt, das wachsende Unternehmen in das Industriegebiet von Bad Neustadt auszusiedeln. 1982 wurde das 3.300 Quadratmeter große Gelände in der Industriestraße bezogen.
Währenddessen stieg die Auflage der Rhön- u. Saalepost, die bereits seit 1964 außerhalb gedruckt wird, stetig. Unter Gerhard Rötter konnte diese von 2.500 Exemplaren im Jahr1969 auf nunmehr rund 5.100 Stück vergrößert werden.1975 wurde der Lokalteil nach vorne gezogen. Der Mantel mit den überregionalen Nachrichten bildet seitdem den zweiten Teil.

2008 übergaben Gerhard und Gisela Rötter einen gesunden Betrieb. Seitdem gehört das Unternehmen zu einer Finanzgesellschaft mit Sitz in Berlin. Die Geschäftsführung übernahm Wolfgang Markert. Im Jahre 2011 wurde die Akzidenzdruckerei in ein eigenständiges Unternehmen ausgegründet.

2012 feierte die Rhön- und Saalepost ihren 150. Geburtstag als auflagenstärkste Heimatzeitung im Rhön-Grabfeld-Kreis. Im Frühjahr 2013 beginnt schließlich ein neues Zeitalter – zumindest für die Rhön- u. Saalepost und ihre Leser. Als die die Heimatzeitung 1862 das erste Mal erschien, da war das eine Revolution für die Einwohner von Neustadt und Umgebung, jetzt steht für die Rhön- u. Saalepost selber eine Revolution an. Nachdem sie über 150 Jahre lang Nachrichten aus Stadt, Land und Welt ihren Lesern ausschließlich auf bedrucktem Papier nahe brachte, ist die Rhön- u. Saalepost ab 3. Juni 2013 unter der Adresse www.rhoenundsaalepost.de auch im Internet vertreten.