HANDBALL

Wie Léon Rastner wieder Spaß beim Handball haben möchte

Léon Rastner kehrt nach Jahren in Magdeburg und Bad Neustadt zurück zu seinen sportlichen Wurzeln: Künftig spielt der 23-Jährige wieder für den MHV Schweinfurt in der Bezirksoberliga. Foto: Steffen Krapf

Für Léon Rastner schießt sich der Kreis. „Wie bei einem 35-Jährigen“, fügt er selbst an mit einer bemerkenswerten Prise Selbstironie. Der Handballer ist erst 23 Jahre alt und nun wieder dort gelandet, wo für ihn sportlich alles anfing.

Nach den Minis beim MHV Schweinfurt spielte er für fünf Jahre in der Jugend des HSC Bad Neustadt, bevor er mit 16 Jahren ins Handballinternat des ruhmreichen SC Magdeburg wechselte. Größer geht es im deutschen Handball kaum. Aus der großen Karriere auf der Platte wurde für den Schweinfurter aber nichts.

Eine fast beispiellose Leidensgeschichte, mit einer Krankenakte, die normal für eine ganze Karriere reicht, musste der begabte Rückraumspieler, unter anderem nach einem Wirbelanbruch und einer Schulterverletzung, zwischenzeitlich sogar ganz mit dem Handball aufhören.

Die Magdeburger Zeit sei trotzdem für seine Entwicklung gut gewesen, findet er. Er pflege noch innige Freundschaften zu damaligen Weggefährten. Beim MHV laufe er mit der 23 auf, als Hommage an seinen besten Freund und Mitspieler damals in Magdeburg, Niklas Danowski.

2019 entschloss sich Rastner nach fast zweijähriger Pause zum Comeback in der Heimat beim HSC Bad Neustadt. Dort spielte er in der Dritten Liga, wie zuvor auch für die SC Magdeburg Youngsters. Zwei Jahre später stellt ihn der MHV Schweinfurt als Neuzugang für die Saison 2021/22 vor. Die „mediale Welle“ habe alle im Verein etwas überrascht, gesteht sein Trainer Marcus Thalhäuser: „Für uns ist es die Rückkehr vom Léon, den eigentlich jeder bei uns als Teil der MHV-Familie kennt.“

Der Kontakt zum Heimatverein sei nie abgebrochen gewesen. In der Mannschaft wird er auf mehrere Weggefährten aus Jugendzeiten treffen. „Der Hype ist nur für Außenstehende da“, sagt Thalhäuser, der beim MHV noch mit Léons Stiefvater und erstem Handballtrainer Ronny Lubas zusammen gespielt hat.

Als Liganeuling, der man nach der annullierten Saison 2020/21 ja noch sei, müsse man sich in der Bezirksoberliga erst beweisen. „Viele werden uns hochschwatzen wollen“, ahnt der Trainer: „In Schweinfurt tut man gut daran, erst mal kleine Brötchen zu backen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass alles andere auch schnell nach hinten losgehen kann.“

Das Ex-Talent hat mit dem Leistungssport abgeschlossen

Natürlich entgeht aber auch ihm nicht, welch handballerisches Großkaliber sein Team verstärkt: „Natürlich ist es schön, einen Spieler mit so einer Qualität zu bekommen. Wir erhoffen uns sportlich schon ein bisschen was von ihm, so ist es ja nicht. Aber wir werden von ihm nicht irgendwelche Wunder erwarten.“ Der Linkshänder für den rechten Rückraum soll wie jeder andere Spieler ein Baustein des Teams werden.

„Dass auf Léons Schulter die ganze Verantwortung lastet und der Rest steht außen herum und schaut zu, wird es auf keinen Fall geben“, kündigt der MHV-Coach an. Ohnehin sei der Spieler einer, der lieber die Mitspieler mit Pässen versorgt, als Tore zu werfen. Viele Trainerkollegen haben Thalhäuser zum „Transfercoup“ beglückwünscht. Es sei keiner, entgegnet er: „Sondern pure Freude, dass Léon Bock darauf hat, wieder bei uns Handball zu spielen.“

Die Vorfreude auf die Rückkehr zu den Wurzeln kann Rastner auch nicht verbergen. Er strahlt: „Ich freue mich einfach darauf, dass ich einfach wieder Handball spielen kann.“ Die Liga sei ihm egal, betont er. Mit dem Leistungssport habe er abgeschlossen. Dem Eindruck nach ohne jegliche Wehmut.

Große Emotionen nach dem ersten Tor nach langer Pause

Er ist angekommen in einem neuen Lebensabschnitt. Aktuell schließt er seine Ausbildung zum Bankkaufmann in Schweinfurt ab und schwärmt von seinen Kollegen: „Wir sind ein richtig geiles Team. Das ist wie im Sport.“ Nach der Ausbildung starte er in Würzburg ein Trainee-Programm. Nur Wenige in ganz Deutschland bekämen diese Chance, erklärt er: „Das wird richtig gut.“

Privatleben, Arbeit und Gesundheit stünden mittlerweile über dem Handball, das hört man recht schnell heraus. Alles auch Gründe, warum es in Bad Neustadt für ihn nicht mehr weiterging und warum Anfragen anderer Vereine für ihn „nie eine ernsthafte Option“ waren.

„In Bad Neustadt wurde ich super aufgenommen und mir wurde geholfen, dass ich wieder fit werde“, kommentiert er seine zwischenzeitliche Rückkehr zum HSC. Fünfmal Training pro Woche neben der Ausbildung sei aber auch belastend gewesen. Zudem habe er für seinen Geschmack zu wenig Spielzeit bekommen. „Das fand ich sehr schade. Dann ist auch etwas die Lust verloren gegangen.“ Im Guten ging es dennoch auseinander: „Es war eine Entscheidung für den Job und nicht gegen den HSC Bad Neustadt.“

Die Frage, ob er schmerzfrei spielen könne, sei nach seiner Verletzungsmisere fast etwas unredlich. „Ich habe immer Probleme“, klärt der 1,91 Meter große Teamplayer offen auf. „Wenn das nicht so wäre, würde ich vielleicht irgendwo in der Zweiten oder Dritten Liga Handball spielen.“ Er habe sich gut arrangiert mit seinem persönlichen Status quo.

„Der Handball wird immer ein Teil von mir bleiben.“ Die große Last sei von ihm schon 2019 in Bad Neustadt abgefallen, erzählt er. Damals, als er nach der langen Pause sein erstes Tor erzielte, und spürte: „Ich kann anscheinend doch noch Handball spielen.“ Nach dem Spiel ging er zu seiner Mutter auf die Tribüne: „Ein schöner Moment“, schwärmt er.

Tränen flossen. Einen „besonderen Moment“ erwarte er auch, wenn er erstmals wieder für den MHV spielen wird. Freudentränen seien vorprogrammiert, wenn sich der Kreis endgültig wieder schließe – mit der puren Freude am Handball.