Handball

Was HSC-Neuzugang Filip Susnjara mit Ivano Balic verbindet

Handball-Drittligist HSC Bad Neustadt hat den Kroaten Filip Susnjara verpflichtet. Foto: Daniel Rathgeber

Aufmerksamen Beobachtern des Facebook-Kanals des Klubs mag er schon aufgefallen sein. Als die Rotmilane dort kürzlich ein Video posteten, wie einige Spieler anlässlich des Corza Medical Organspendelaufs über den Marktplatz trabten, lief er in der zweiten Reihe. Filip Susnjara spielt in der kommenden Saison für den HSC Bad Neustadt Handball, wie der Drittligist am Donnerstag bestätigte. Der 23-Jährige hat in Bad Neustadt einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben.

Der frühere Juniorennationalspieler Kroatiens stammt aus Sinj, einer Kleinstadt in der Nähe von Split. Im Kroatischen wird sein Name Šušnjara geschrieben, ausgesprochen wird er Schuschnjara. Der HSC ist die dritte Auslandsstation des angehenden Physiotherapeuten, der gerade das dritte Jahr seines Bachelor-Studiengangs abschließt und der in Bad Neustadt bereits einen Job angetreten hat.

In Dobova spielte einst auch Mile Mijacinovic

Zuvor spielte er beim slowenischen Erstligisten Dobova – von dort kam einst Mile Mijacinovic zum HSC – und seit Oktober 2019 beim österreichischen Klub HC Hohenems. Der Klub aus Vorarlberg spielt unter dem Dach des Handballverbands Württemberg (HVW), ist dort in der sechstklassigen Landesliga beheimatet. Einer der Staffel-Konkurrenten ist die TG Biberach/Riß, der Heimatverein von HSC-Spielmacher Benjamin Herth. Beim 25:22-Sieg im vorarlberger Derby bei BW Feldkirch, dem einzigen Ligaspiel, das in dieser Saison vor dem Abbruch ausgetragen werden konnte, war Susnjara mit fünf Treffern drittbester Werfer seines Teams.

Wieso wechselt ein ehemaliger Auswahlspieler von der ersten slowenischen in die sechste deutsche Liga? In seiner zweiten Saison in Dobova erhielt Susnjara immer weniger Spielanteile, war nur noch der dritte Mann auf Rückraum links. Eine schwierige Situation für einen, der über sich sagt: "Ich will immer 60 Minuten spielen." Weil obendrein kein Geld floss, verließ er den Verein, kehrte nach Kroatien zurück und wartete auf neue Angebote. Der erste Klub, der anrief, war der HC Hohenems, dessen Offerte Susnjara annahm.

Filip Susnjaras Ehrgeiz imponiert Trainer Frank Ihl

Susnjara bezeichnet sich selbst als ruhigen Menschen. Aber auch als einen, der, sobald der Pfiff ertönt ist, auf dem Handballfeld sein Wettkampf-Gesicht zeigt: "Dann gibt es nur Vollgas für mich. Ich liebe es, 100 Prozent zu geben und zu gewinnen." Beim HSC ist Susnjara sowohl in der Abwehr vor Torwart Stanislaw Gorobtschuk als auch im Rückraum in erster Linie als Nachfolger von Jure Fistonic vorgesehen, dessen Vertrag nicht verlängert worden ist. "Filip Susnjara ist ein sehr ehrgeiziger Spieler, der absoluten Biss und Willen zeigt", bestätigt HSC-Trainer Frank Ihl die Selbsteinschätzung des Neuzugangs.

"Er bringt alle Voraussetzung mit und wird sich noch weiterentwickeln", ist Ihl überzeugt. Im linken Rückraum gebe Susnjara ein gutes Pärchen mit Vilim Leskovec ab. Einsetzbar im Angriff sei er darüber hinaus auf der rechten Rückraumseite und am Kreis. Was damit zusammenhängt, sagt der HSC-Trainer, dass Susnjara "eine sehr gute Schule durchlaufen hat."

In Split bekam Susnjara zu Juniorenzeiten das handballerische Rüstzeug vermittelt. In einem Verein, dessen Name Handballkennern leicht über die Lippen geht: dem RK Balic & Metlicic. Ivano Balic und Petar Metlicic zählen zu den herausragendsten Sportlern Kroatiens. Sie triumphierten nicht nur mit der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2003 und den Olympischen Spielen 2004. In ihrer Heimatstadt Split gründeten sie 2007 auch jenen nach ihnen benannten Klub, der aktuell in der zweiten kroatischen Liga spielt.

Häufig im Gespräch mit Welthandballer Ivano Balic

In der eigenen Handballakademie bilden Sportdirektor Balic und Trainer Metlicic Talente aus der Region rund um Split aus und feiern dabei immer wieder Erfolge auf nationaler Ebene. Zum Beispiel 2014, als die Mannschaft um Filip Susnjara unter Trainer Petar Metlicic Dritter bei der kroatischen Meisterschaft wurde. In Susnjaras letzten Jahr beim Verein in Split tauchte der frühere Welthandballer Balic häufig im Training auf, informierte sich über die Stärken und Schwächen seiner Schützlinge. "Wir haben oft miteinander gesprochen", sagt Susnjara und fährt mit glänzenden Augen fort: "Es war jedes Mal super, ihn zu sehen. Er ist einfach Ivano Balic." 

"Das war eine tolle Zeit in meinem Leben", sagt Filip Susnjara über die Jahre bei RK Balic & Metlicic. Aber sie ist Vergangenheit, die Zukunft liegt in Bad Neustadt. Bei der Eingewöhnung beim HSC hat ihm Vilim Leskovec geholfen, der selbst als junger Spieler aus Kroatien nach Deutschland gekommen war. Inzwischen ist Leskovec an der Saale heimisch geworden, ist seit Anfang des Jahres auch Deutscher. "Ich mag es hier", fasst Filip Susnjara seine ersten Tage in Bad Neustadt zusammen.