Tischtennis: Bundesliga

Steger und Ort lassen die Halle in Bad Königshofen beben

Kilian Ort (rechts) und Bastian Steger sicherten mit ihrem Sieg im Doppel den Heimerfolg des TSV Bad Königshofen gegen Werder Bremen. Foto: Rudi Dümpert

Der TSV Bad Königshofen hat seine Anwartschaft auf eine sechste Saison in der Tischtennis-Bundesliga mit einem Sieg gegen den SV Werder Bremen eindrucksvoll bestätigt. Verdient oder glücklich liegen bei einem 3:2 immer sehr nahe beieinander. Auf jeden Fall hat die ausgeglichener besetzte Mannschaft gewonnen, in der alle drei eingesetzten Spieler an Punktgewinnen beteiligt waren. Auch diesmal, wie viermal zuvor, gewann der schwedische Vize-Weltmeister Mattias Falck seine zwei Einzel gegen die Bad Königshöfer. Dahinter konnte aber keiner seiner Kollegen entscheidendes beitragen.

Beim Verkünden der Aufstellung der Gastgeber blieb viel Rätselraten, was sich Koji Itagaki und sein Team dabei ausgedacht hatten. Bastian Steger an Position 3, Kilian Ort an 2 und Filip Zeljko an 1 ließ, inklusive der Möglichkeit einer Auswechslung nach der ersten Runde, mehrere taktische Varianten im Einzel und im Doppel und einige Fragen offen.

Grebnev diesmal nur Ersatz

Würde Zeljko an seine Topform von Tunis herankommen, wo er Halbfinalist bei einem WTT-Contender-Turnier wurde und im Viertelfinale Patrick Franziska bezwang? So eine Form kann in dieser Sportart in zwei Tagen weg sein, die Reisestrapazen nicht einmal berücksichtigt. Und wurde Maksim Grebnev nach seinem Achtelfinal-Aus in Tunis über Istanbul, Moskau und Frankfurt eingeflogen, um Ersatzmann zu sein? Doch das ist nun mal Leistungssport und hinterher war ja alles richtig gemacht.

Zeljko spielte sein erstes Einzel gegen Bremens Zweier, Marcelo Aguirre aus Paraguay, wie im Rauschzustand, als wäre es das nachgeholte Finale von Tunis. Er war der Taktgeber, bestimmte das Tempo mit seiner Emotionalität, seiner Wucht und gnadenlosen Effizienz, kam nie in Bedrängnis und demontierte Aguirre klar mit 3:0.

Ort liefert Falck einen großen Kampf 

Dem Vizeweltmeister Falck stellte man den Lokalmatador Kilian Ort entgegen. Und er rüttelte so sehr am Denkmal Falck, dass es einzustürzen drohte. Ort verlor Satz eins, gewann den zweiten und hatte im dritten zwei Satzbälle, verlor ihn aber mit 11:13. Um sich den vierten mit einem klaren 11:6 zu holen. Im fünften Durchgang führte Kilian Ort 8:7. Doch Falck nahm eine Auszeit und drehte das Match mit drei glücklichen Netzkantenbällen zum 8:10 und einem Rückschlagfehler von Ort zum 8:11.

Jetzt stand Bastian Steger vor 350 Zuschauerinnen und Zuschauern vor der Pflichtaufgabe, den Kasachen Kirill Gerassimenko zu schlagen und sein Team in Führung zu bringen. Es wurde, trotz des scheinbar klaren 3:0, ein knackiger Fight, zumindest in den ersten zwei Sätzen (12:10, 11:9). Im dritten ein Schaulaufen: 11:2.

Nun sah das Publikum einen anderen Filip Zeljko, der gegen Mattias Falck im Einser-Duell kein Gegner auf Augenhöhe war. Nur bei 1:1-Satzstand schürte er Hoffnungen. Dann fiel sein System gegen die brachiale Gewalt und das fast fehlerlose Spiel des Skandinaviers in sich zusammen. Vielleicht war das aber auch in Itagakis Taktik mit berücksichtigt. 2:2 und wieder die Entscheidung im Schlussdoppel.

Viel Redebedarf beim Königshöfer Doppel

Bei dem der Doppel-Europameister Grebnev auf der Bank blieb und die Routiniers Steger/Ort in die Nervenschlacht geschickt wurden: Die bedenklich wenig Matchpraxis mitbrachten im Vergleich zum Bremer Stammdoppel Gerassimenko/Aguirre. Wozu ungewöhnlich viel miteinander geredet wurde und die 15-Sekunden-Regel doch nie verletzt wurde.

Der erste Satz war irgendwie ein Test-Satz, hätte nicht einmal (9:11) verloren werden müssen. Im zweiten schienen Steger/Ort zusammen und ihre Taktik gefunden zu haben – Satzausgleich mit 11:9. Am klarsten endete der dritte: 11:7 für die Bad Königshöfer.

"Nur noch" ein Satz zum ersehnten Sieg gegen Bremen nach vier Niederlagen, aber Rückstände mit bis zu drei Punkten. Die Aufholjagd war erst bei 9:9 gelungen. Jetzt "nur noch" zwei Bälle. Es waren aber noch vier nötig bis zum finalen Jubel. Gefühlte zwei davon schrie das nur noch stehende Publikum herbei, wobei beim 10:11 sogar ein Satzball abzuwehren war. Beim 13:11 aber erbebte die Shakehands-Arena mit hohen Werten auf der nach oben offenen Richter-Skala.

Ergebnisse

Filip Zeljko – Marcelo Aguirre 3:0 (11:8, 11:8, 11:5)

Kilian Ort – Mattias Falck 2:3 (8:11, 11:7, 11:13, 11:6, 8:11)

Bastian Steger – Kirill Gerassimenko 3:0 (12:10, 11:9, 11:2)

Zeljko – Falck 1:3 (6:11, 11:6, 3:11, 3:11)

Steger/Ort – Gerassimenko/Aguirre 3:1 (9:11, 11:9, 11:7, 13:11)