Lokalsport

Sport im Lockdown: Vielen fehlt das gemeinsame Training

"Uns wird nicht langweilig", sagen Marcus (links) und Ellen Enders. Ihr jüngster Sohn Franz sitzt in einem für den Winter umgebauten Fahrradanhänger. Foto: Enders

"Ein Gutes hat die Pandemie: Ich kann mich voll aufs Lernen für meine Prüfungen konzentrieren", sagt Sebastian Schneyer. Der Fußballer des SV Rödelmaier schließt in den kommenden Wochen sein duales Studium im Finanzwesen ab. Aufgrund des Lockdowns muss er die Vorbereitungen alleine und zu Hause durchziehen. Eine willkommene Abwechslung zum vielen Sitzen bieten ihm die zahlreichen Trainingseinheiten, die sich der Wollbacher zum Teil selbst auferlegt hat. Mehrmals in der Woche geht der 21-jährige zum Laufen. Dabei stehen lange Dauerläufe, aber auch Bergsprints und Steigerungsläufe auf dem Programm.

Sebastian Schneyer nutzt das frühere Zimmer der Schwester

Nachdem eine seiner Schwestern von daheim ausgezogen war, hat er sich in ihrem früheren Zimmer einen Fitnessraum eingerichtet. Hier - oder auf der Terrasse - finden die Athletikeinheiten statt, die längst eine Selbstverständlichkeit für Fußballer sind. Ab und zu verabredet sich der Mittelfeldakteur mit einem Mitspieler. Zu zweit könne man sich besser pushen und die eine oder andere ungeliebte Übung falle leichter. "Da ich seit meiner frühesten Kindheit viel Sport getrieben habe, habe ich kein Problem, mich zu motivieren. Klar fehlt mir das gemeinsame Training", sagt Schneyer. "Aber während der Saison wurden vom Trainerstab mehrere Spiele aufgezeichnet und manche Szenen werden nun in unserem SV-Chat analysiert. Eine echt coole und sinnvolle Aufarbeitung von individuellen Fehlern."

Athletiktraining auf der Terrasse: Sebastian Schneyer (im Bild). Foto: Michaela Greier

Dennoch: Sebastian Schneyer sehnt das Ende des Lockdowns herbei: "Als junger Mensch möchte man ausgehen, feiern, Freunde treffen und so ab und zu fällt mir schon die Decke auf den Kopf. Glücklicherweise steht bald der Frühling vor der Tür und dann kann die Fußballrunde hoffentlich fortgesetzt werden."

Voll in seinem Element fühlt sich derzeit Marcus Enders aus Frankenheim, war er doch lange Zeit im Deutschland-Kader als Skilangläufer. Der 36-Jährige hat die perfekten Winterbedingungen in der Rhön genossen und mit Ehefrau Ellen unzählige Pistenkilometer absolviert. "Eigentlich hatte ich mir für das Jahr 2020, zehn Jahre nach meinem Karriereende, nochmal ein großes Ziel gesetzt: die Teilnahme am Triathlon in Roth", sagt er. Doch Corona machte das Vorhaben im Vorfeld schnell zunichte.

Die Enders' spuren sich eine Loipe rund um das Haus

Grund zur Freude gab es für die Familie Enders aber dennoch, denn Sohn Franz - "ein echtes Geschenk" - erblickte im März das Licht der Welt. Somit nutzte der dreifache Familienvater die Elternzeit über alle Jahreszeiten hinweg. Beim Wandern, laufend mit Buggy oder auf den Fahrrädern. "Die beiden Großen strampelten auch fleißig mit, sie verbringen ja eh jede freie Minute an der frischen Luft", ergänzt Ellen Enders. Im Winter wurde der Kinderwagen mit Skiern ausgestattet und eine eigene Loipe rund ums Haus in Wechterswinkel gespurt. "Uns wird es nicht wirklich langweilig, denn die Buben sind ja nicht im Kindergarten und beschäftigen uns rund um die Uhr. Im positiven Sinne", sagen die Enders'.

Wettkämpfe vermisst das sportliche Paar nicht allzu sehr, das regelmäßige Treffen und Training mit den Laufkameraden und Vereinskollegen dagegen schon. "Für uns gehört der Sport aber ganz einfach zum Leben dazu, wir sind täglich und vielseitig aktiv, daher ist Corona in dieser Hinsicht kein großer Einschnitt. Wir hier in unserem kleinen Dorf machen einfach die Haustür auf und finden alles Wichtige vor", sagen Marcus und Ellen Enders.

Alexander Schreck (im Bild) fuhr 2020 so viele Kilometer auf dem Rad wie selten zuvor. Foto: Schreck

Trotz der langen Wettkampfpause hat sich auch Alexander Schreck vom SC Ostheim nicht ausbremsen lassen. Ganz im Gegenteil: Der 49-Jährige nutzt ohne Stress und Druck jede Gelegenheit für sein individuelles Training. "Ich bin halt zu hundert Prozent Outdoor-Sportler und dafür haben wir hier in der Heimat perfekte Bedingungen", befindet der in Bad Neustadt lebende Qualitätsmanager und fährt fort: "So viele Kilometer wie im letzten Jahr saß ich fast noch nie auf dem Rad und der traumhafte Rhöner Winter lädt einfach zu zahlreichen Touren ein."

Alexander Schreck ist schon mal 50 Kilometer auf Langlaufski unterwegs

Er kennt sämtliche Loipen der Region und skatet auch schon mal eine 50-Kilometer-Runde. "Die Runde von der Thüringer Hütte über Schornhecke und Sennhütte zum Schwarzen Moor und Noahs Segel bietet fantastische Ausblicke", weiß er. Von klein auf habe er diesen Bewegungsdrang in sich verspürt und brauche keine zusätzliche Motivation: "Ich hoffe dennoch bald wieder auf ein paar Trainingseinheiten mit den Ostheimer Laufkollegen und damit auch auf Lockerungen in der Corona-Pandemie."

Von einem "bombastischen Langlaufwinter" sprechen auch Klaus Arnold aus Stockheim und Klaus Mauer aus Hausen. "Nahezu täglich werden die Skier angeschnallt und es geht los. Aufgrund der Nähe zu den Loipen lohnt sich jede noch so kleine Einheit", versichern sie. Früher lief Mauer in der klassischen Technik, 2019 entdeckte er die Liebe zum Skaten. "Die Corona-bedingte Kurzarbeit lässt es zu, dass ich fast täglich eine Runde drehe", sagt er. Schließlich brauche man in Hausen nur zur Tür hinaus und stehe schon in der Loipe.

Zumindest einige Male gemeinsam in der Loipe: Klaus Mauer (links) und Klaus Arnold. Foto: Klaus Mauer

Oft werde er von Neueinsteigern nach guten Strecken gefragt. "In diesem Jahr sind die Möglichkeiten ja so breit gefächert wie selten zuvor", antwortet er dann. "Auf den unterschiedlichen Runden sind viele bekannte Gesichter unterwegs, so sieht und begrüßt man sich wenigstens mal kurz." Sehr zu bedauern seien die Gastronomie und Liftbetreiber in der Rhön, die "in dieser Saison gut hätten verdienen können".

Klaus Arnold trainiert für den Ironman in Frankfurt

Ein festes Ziel für dieses Jahr hat Klaus Arnold vor Augen: den Ironman-Triathlon in Frankfurt. Daher ist es ein Muss für den 47-Jährigen, sich im Winter fit zu halten. Normalerweise findet man ihn auf dem Rennrad oder auf zwei Beinen laufend, doch aufgrund des üppig vorhandenen Schnees war er zuletzt auch viel auf Langlaufski unterwegs. "Eigentlich bin ich ja eine richtige Frostbeule und bei Minusgraden schwer aus dem Haus zu locken", gibt Arnold unumwunden zu. "Aber bei den Verhältnissen muss man einfach auf die Skier."

Ein prima Nebeneffekt sei, dass er sich deutlich widerstandsfähiger fühle und ihn keine Erkältung geplagt habe. Für das Triathlon-Training stehen zusätzlich virtuelle Rad-Einheiten auf dem Plan sowie Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. Seine drei Wünsche für die nähere Zukunft? "Endlich wieder einmal Freunde treffen, gemeinsam in der Gruppe trainieren und dass der Duathlon in meinem Heimatort durchgeführt werden kann."

Sportentzug macht Fabien Hofmann zu schaffen

Schwimmbad-Luft hat Fabien Hofmann aus Herschfeld schon seit Anfang November nicht mehr geschnuppert. Die junge Athletin des VfL Sportfreunde Bad Neustadt kann ihre Sportart in keiner Weise ausüben. "Ich hatte am Anfang des Lockdowns einen regelrechten Entzug. Mir fehlte das Training im Triamare, wo man sich einfach den Kopf freischwimmt", sagt die 17-Jährige. "Dann plagten mich Rückenschmerzen und ich wurde immer unausgeglichener. Schwimmen ist halt ein Ganzkörpertraining."

Nach einem Monat Sportpause erwachte aber die Lust an der Bewegung. "Ich war mit einer Schwimmkollegin Joggen, wir haben am Spielplatz Klimmzüge gemacht und sind mit dem Snowboard auf die Piste", sagt Hofmann. Jede Menge Trockentraining gab es auch im heimischen Wohnzimmer oder Flur über Laptop oder Mobiltelefon. "Manchmal habe ich mir den Wecker schon früher gestellt und habe die erste Workout-Einheit schon vor dem Home-Schooling gemacht", erzählt die Gymnasiastin.

Schwimmerin Fabien Hofmann (im Bild) setzt auch auf Trockentraining vor dem Computer.  Foto: Hofmann

"Ich bin mit leichteren Übungen gestartet und habe mich auf 45 Minuten gesteigert. Abwechselnd mal für den Oberkörper und die Arme, ein andermal nur für die Beine", sagt sie. Auch Tanz-Workout habe sie für sich entdeckt, mit Musik mache das viel Spaß und man könne sich gut auspowern.

Fabien Hofmann bedauert, dass der Kontakt zu den Teamkollegen durch die Einschränkungen stark abgenommen hat. Und trotz der schönen Wintertage sehnt die Schwimmerin das Frühjahr herbei. "Dann möchte ich mit meiner Mama wie im letzten März wieder zum Eisbaden. Im acht Grad kalten Burgwallbacher See habe ich schon einen Kilometer geschafft."