FUßBALL

Regionalliga Bayern: Profis gegen Amateure - unfair?

Fußball: Regionalliga Bayern Die Sportleiter des FC 05 Schweinfurt und des TSV Aubstadt über die Qualität der höchsten bayerischen Amateurliga, ihre jeweilige Rolle in ihr, die wirtschaftliche Machbarkeit – und vermeintliche Ungerechtigkeiten.

Die Fußball-Regionalligen Südwest und West gelten offiziell als Profi-Ligen. Deswegen durfte dort auch während der Hochphase der Corona-Einschränkungen durch- und zu Ende gespielt werden. Anders die Regionalliga Bayern. Sie wurde als Amateur-Spielklasse eingestuft, der Spielbetrieb dementsprechend analog zum Amateurfußball erst unter-, dann abgebrochen. Dass mit dem FC 05 Schweinfurt, der SpVgg Bayreuth und Viktoria Aschaffenburg am Ende die Play-offs um die Meisterschaft spielen durften, hatte einen Grund: Dieses Trio spielt unter professionellen Strukturen.

Das gab es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder: FC Würzburger Kickers, SSV Jahn Regensburg, SpVgg Unterhaching, TSV 1860 München, FC Bayern München II – so hießen die letzten fünf Meister vor dem FC 05 in diesem Sommer. Demgegenüber stehen Dorfklubs mit einem Bruchteil des Budgets. Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Ob diese funktionieren kann und eine Zukunft hat, beantworten FC-05-Sportleiter Robert Hettich und sein Pendant beim TSV Aubstadt, Josef Francic, vor dem Derby beider Teams am Samstag (14 Uhr, Sachs-Stadion) im Gespräch mit dieser Redaktion.

Frage: Die Regionalliga Bayern gilt als höchste Amateurliga Bayerns. In ihr spielen mit Unterhaching, Bayreuth und Schweinfurt mindestens drei Profi-Mannschaften. Dazu Bundesliga-Reserven, die unter Profi-Bedingungen arbeiten. Auf der anderen Seite stehen Dorfvereine wie Rain oder Pipinsried. Wie passt das zusammen?

Robert Hettich: Diese Klubs haben sich mit ihrer Philosophie eben für diese Liga qualifiziert. Dort spielen nahezu durchgehend Spieler, die eine sehr gute Ausbildung im Nachwuchs genossen haben, vielfach in einem Leistungszentrum. Diese Spieler haben im ersten Bildungsschritt nicht den Sprung in den Profifußball geschafft, sich dann für eine Ausbildung, Studium oder eine berufliche Zukunft entschieden. Viele von diesen Spielern schielen auch noch nach oben, hoffen, dass sie vielleicht über den zweiten Bildungsweg die Chance bekommen. Andere waren schon Profis, haben aber mit Profifußball abgeschlossen, wollen nur so hochklassig wie möglich spielen. Und bekommen in diesen Klubs auch sehr gutes Geld dafür. Die sogenannten Dorfklubs machen sich gerne kleiner, als sie wirklich sind. Denn wenn sie dann einen Punkt gegen einen Profiklub holen, wird das gleich als Sensation dargestellt. In diesen Spielen ist deren Motivation ungleich höher als vielleicht in einem Duell mit Illertissen vor 200 Zuschauern, um nur ein Beispiel zu nennen.

Josef Francic: Die vierte Liga ist eine Amateurliga, in die kleine Amateurklubs hineingehören. Es gibt immer wieder schöne sportliche Geschichten, wenn ein Dorfverein in die Regionalliga aufsteigt. Dass sich Großbardorf damals für die Regionalliga Süd qualifiziert hat, war top. Jahre später schreiben wir in Aubstadt so eine Geschichte. Wir haben vor zwei Jahren bewiesen, dass wir die beste Mannschaft in der Bayernliga waren, und der nächste Schritt ist eben der in die Regionalliga.

Wie kann es eine Profi-Mannschaft wie der FC 05 finanziell verkraften, im Falle eines Nicht-Aufstiegs mehrere Jahre den Aufwand zu betreiben? Ohne TV-Gelder, ohne lukrative Heimspiele gegen namhafte Gegner?

Hettich: Das ist natürlich ein Drahtseilakt. Schweinfurt hat mit Markus Wolf nicht nur einen leidenschaftlichen Präsidenten, sondern mit ihm auch den größten Sponsor des Klubs. Dazu übernimmt er als Geschäftsführer der GmbH die Hauptverantwortung. Das ist aller Ehren wert! Ich habe nicht das Gefühl, dass dies hier in der Stadt ausreichend gewürdigt wird. Die Unterstützung der größeren Schweinfurter Unternehmen ist gelinde gesagt überschaubar. Ohne Markus Wolf hätte der FC 05 keine Chance, überhaupt um die Meisterschaft mitspielen zu können. Der finanzielle Aufwand in Schweinfurt ist gegenüber den meisten Klubs ungleich höher. Die Spieler sind bei uns in einer Festanstellung, da fallen Lohnnebenkosten und Berufsgenossenschaft an. Viele Klubs in dieser Liga verzichten darauf, um sich Kosten zu sparen, bezahlen die Spieler sehr kreativ, um es mal freundlich zu formulieren.

Wie bekommt ein Dorfverein wie der TSV Aubstadt den Spagat hin, sich sportlich am oberen Drittel zu orientieren, sich dabei aber finanziell nicht zu verheben? Aubstadt nimmt ja mehr oder weniger eine Rolle zwischen den Polen ein.

Francic: Ob wir uns im oberen Drittel einsortieren können, ist die Frage. Die zweite Saison nach unserer überragenden ersten wird deutlich schwieriger. Wir wollen uns in der Regionalliga etablieren, den Abstiegskampf vermeiden und eine Mannschaft mit Zukunft aufbauen. Unsere Leute sind alle auf 450-Euro-Basis beschäftigt, sind also Amateure. Wir sind deshalb immer auf der Suche nach Spielern wie zum Beispiel Leon Heinze, der nach seiner fußballerischen Ausbildung beim 1. FC Nürnberg und einer ersten Station in der Regionalliga in die Region zurückkehrt. Spieler, die sich parallel zum Fußball einen Beruf suchen, eine Ausbildung beginnen oder studieren. Das ist unser Motto und wird es auch bleiben.

Ist die Regionalliga Bayern langfristig der Totengräber ambitionierten Spitzen-Amateurfußballs angesichts der Chancenlosigkeit gegenüber den wenigen Profi-Teams? Der Aufstieg von der Regionalliga in die Dritte Liga gilt ohnehin als härteste Tür des deutschen Ligen-Systems.

Hettich: Man muss immer sehen, welche Teams überhaupt die Ambition haben, aufsteigen zu wollen. Diese Saison sind das die beiden Drittliga-Absteiger Bayern II und Unterhaching, Bayreuth und wir. Dass der Südwesten und der Westen einen direkten Aufsteiger haben und die anderen drei Ligen zwei weitere Aufsteiger in der Rotation und via Relegation ermitteln, ist zweifellos keine ideale Lösung.

Francic: Ja, in der Regionalliga stoßen wir organisatorisch, strukturell und auch finanziell an unsere Grenzen. Alle im Verein ziehen Motivation daraus, etwas erreichen zu können, was eigentlich deutlich über unseren Möglichkeiten ist. Natürlich ist es für unsere Spieler eine große Herausforderung, sich mit Profis zu messen, die nach dem Training vielleicht schon um 22 Uhr im Bett liegen. Bei uns kommen einige nach dem Training erst um 23 Uhr nach Hause, müssen noch essen und früh morgens wieder aufstehen, um rechtzeitig bei der Arbeit oder in der Uni zu sein. Diese Herausforderung nehmen wir aber gerne an. Für uns ist die Mischung in der Liga überragend.

Wo sehen Sie die Regionalliga im Vergleich der fünf Regionalligen? Zumindest die Staffeln im Südwesten und Westen gelten als vollwertige Profiligen.

Hettich: Die Regionalliga Bayern ist sicher in der Breite nicht schwächer besetzt. In der Spitze möglicherweise, weil es in diesen beiden Ligen eben mehr ambitionierte Klubs mit besseren finanziellen Möglichkeiten gibt, dazu viele Traditionsvereine, die auf große Unterstützung der lokalen Wirtschaft und ihrer vielen Fans zählen können. Aber ein großer Name macht noch lange keine große Mannschaft.

Francic: Bei uns in Bayern funktioniert wie gesagt die Mischung aus Profi- und Amateurvereinen richtig gut. Schweinfurt oder Bayreuth sind nicht schwächer als die Spitzenvereine in den anderen Regionalligen. Es gibt in Bayern halt nicht so viele Klubs auf diesem Niveau. Heißt das, dass unsere Liga schlechter ist? Nein. Wir wissen aus Vorbereitungsspielen gegen Klubs aus anderen Regionalligen, dass es keine großen Unterschiede gibt. Sei es qualitativ oder beim Tempo.

Es gibt immer wieder Stimmen, die Regionalliga-Staffeln auf vier zu reduzieren. Die bayerische aufzulösen, die wenigen Profiklubs und vielleicht die besten Profi-Reserven dem Südwesten und Nordosten zuzuschlagen. Nachvollziehbar?

Hettich: Aus Bayern gibt es diese Stimmen wohl kaum. Die Problematik wurde ja lange und sehr ausführlich debattiert, letztlich konnte man sich nicht auf eine für alle faire und vernünftige Lösung einigen.

Francic: Dann ginge die Regionalliga aber in Richtung einer vierten Profiliga und die Oberliga wäre die höchste Amateurstufe. Das hielte ich für zu breit für den Profibereich und glaube, es gingen viele junge deutsche Spieler verloren. Ersetzt würden sie durch ausländische Spieler. Im Profifußball müssen die Vereine mehr investieren, es gibt dort gewisse Kosten und Druck von den Sponsoren und der Öffentlichkeit. Im Amateurfußball hat man mehr Zeit, um auch mal einen jungen Spieler aufzubauen. Wer weiß, ob sich einer aus unserer Mannschaft wieder für einen Profiklub empfehlen kann, wie es Martin Thomann gelungen ist.

Am Samstag geht?s gegeneinander. Nur um drei Punkte oder auch um die Vorherrschaft im unterfränkischen „Amateurfußball“?

Hettich: Es geht um drei Punkte, nicht mehr, nicht weniger. Ich habe Aubstadt live gegen Haching gesehen. Sie waren das deutlich bessere Team und hätten den Sieg verdient gehabt. Wir wissen, was uns erwartet. Die drei Punkte bleiben idealerweise in Schweinfurt.

Francic: Für uns war das 2:2 gegen Schweinfurt am ersten Rückrundenspieltag der vergangenen Saison ein Riesenerfolg, aber auch nur eine Momentaufnahme. Der FC 05 ist das sportliche Aushängeschild unserer Region und wird es bleiben. Wir sind stolz darauf, in Punktspielen gegen ihn antreten zu dürfen.