Handball: Dritte Liga

HSC: Enttäuschte Handballer und ein zeitweiliger Abgang

Eduard Mardian (im Bild), Geschäftsführer der Spielbetriebsgesellschaft des HSC Bad Neustadt, erklärt, warum der Drittligist auf die Teilnahme am Ligapokal verzichtet. Foto: Anand Anders

Nach über fünf Monaten Pause wurde am vergangenen Wochenende in der Dritten Liga wieder Handball gespielt. Organisiert werden die Spiele der Aufstiegsrunde und des Ligapokals vom Deutschen Handballbund (DHB), für beide Wettbewerbe konnten die Vereine freiwillig melden. Die Hälfte der deutschlandweit 72 Drittligisten geht auf das Angebot ein: 14 Klubs kämpfen um zwei Aufstiegsplätze, 22 weitere um sechs Startplätze im DHB-Pokal 2021/22.

Nicht dabei ist überraschend der HSC Bad Neustadt. Überraschend deshalb, weil Eduard Mardian, der Geschäftsführer der Spielbetriebsgesellschaft des HSC Bad Neustadt, in der Vergangenheit zweimal betont hatte, dass die Rotmilane im Ligapokal starten würden. Ende März teilte der Klub dann aber mit, dass er auf die Teilnahme verzichten würde. Begründet wurde die Entscheidung mit der unsicheren Corona-Lage vor Ort und im Land. "Die Gesundheit aller Beteiligten steht an erster Stelle", wurde Mardian zitiert.

Im Gespräch mit dieser Redaktion äußert sich der 36-Jährige aus Hohenroth dazu, welcher Grund noch eine Rolle spielte, wie es für die Mannschaft in der näheren Zukunft weitergeht und warum Torwart Stanislaw Gorobtschuk Bilder aus Israel postet.

Frage: Was hat Ihren Meinungsumschwung bewirkt?

Eduard Mardian: Nicht ich ausschließlich habe meine Meinung geändert, sondern wir haben den Verzicht gemeinsam in unserem Beirat beschlossen. Wir haben das aufgrund der Pandemielage und einem organisatorischen Mehraufwand wie Tests für Spieler, Trainerteam und alle anderen Teilnehmern, also Kampfgericht, Schiedsrichter und Organisationsteam, an jedem Spieltag entschieden. Letzteres hätten wir stemmen können, hätte aber eventuell zu Problemen führen können. 

Welchen Aspekt hat das Finanzielle gespielt?

Mardian: Er war nicht nebensächlich. Schlussendlich waren wir aber alle der Meinung, dass wir es nicht vertreten können, hunderte Kilometer zu fahren für Freundschaftsspiele auf freiwilliger Basis. Die Ligapokal-Partien sind ja keine Pflichtspiele. Einnahmen hätten wir keine gehabt, weil wir vor leeren Rängen hätten spielen müssen. Das Wohl der Spieler und aller Beteiligten haben wir höher bewertet, als den Drang unserer Handballer, wieder spielen zu können.

Welche Reaktionen gab es auf die Entscheidung?

Mardian: Von außerhalb kamen keine.

Wie haben Trainer und Spieler sie aufgenommen?

Mardian: Ich hatte ja zuvor kommuniziert, dass wir an der Pokalrunde teilnehmen wollen. Den Schritt zurück fanden das Trainerteam und die Mannschaft nicht gut. Sie waren etwas enttäuscht über die Entscheidung.

Der Sieg gegen Saarlouis Ende Oktober war das letzte Pflichtspiel des Handball-Drittligisten HSC Bad Neustadt. Foto: Anand Anders

Wie geht es für Frank Ihl und seine Spieler jetzt weiter?

Mardian: Im April trainieren wir noch zweimal die Woche in der Halle, dazu kommen individuell Laufeinheiten und Kraftübungen. Das Trainerteam ist gerade dabei, Pläne zu erstellen, wie wir ab Mai weitermachen. Es steht noch nicht fest, ob wir dann erst einmal eine Pause einlegen und im Juni wieder beginnen oder ob wir es andersherum machen.

Wann wird es wieder ein Pflichtspiel in der Bürgermeister-Goebels-Halle geben?

Mardian: Wann der geregelte Spielbetrieb wieder anläuft, kann ich noch nicht sagen. Angedacht seitens des Verbands ist das erste oder zweite Wochenende im August. Ob es auch so kommt, dazu haben wir noch keine Informationen. Nach Ablauf der Meldefrist am 15. Mai wird der Deutsche Handballbund die Zahl der Staffeln und ihre Zusammensetzung festlegen und den Termin, wann es losgeht.

Plädieren Sie für mehr, aber dafür kleinere Staffeln?

Mardian: Ja, ich würde diese Lösung bevorzugen und sie wurde auch schon diskutiert. Wenn die Aufsteiger aus den Landesverbänden dazukommen, gibt es in der nächsten Saison 84 oder 85 Drittligaklubs. Da bleibt kaum etwas anderes übrig, als die Zahl der Staffeln zu erhöhen und kleinere Ligen zu bilden (Anmerkung der Redaktion: Momentan sind 72 Drittligaklubs auf vier 18er-Staffeln aufgeteilt). Die Aufsteiger in die 2. Bundesliga könnten später in einer Finalrunde ermittelt werden.

Vieles ist in der Schwebe. Wie seriös lässt sich aktuell die kommende Saison planen?

Mardian: Wir planen die Saison so, als ob sie ganz regulär im August beginnt. Unsere Planungen werden monatlich überprüft und den neuen Gegebenheiten angepasst. Vieles hängt von den Entwicklungen in den nächsten Wochen ab.

Wenn es einmal weitergeht, steht dann wie bisher das Trainerteam Frank Ihl/Benjamin Trautvetter für den HSC an der Seitenlinie?

Mardian: Ja, auf jeden Fall. Wir haben im letzten Jahr mit beiden Zwei-Jahres-Verträge abgeschlossen.

Cheftrainer Frank Ihl (links) und Co-Trainer Benjamin Trautvetter (rechts, in der Mitte Geschäftsführer Eduard Mardian) bilden auch in der kommenden Saison das Trainerteam des HSC Bad Neustadt. Foto: HSC Bad Neustadt

Linksaußen Felix Wolf hatte vergangenes Jahr ebenfalls für zwei Saisons unterschrieben. Jüngst haben Franziskus Gerr, Benedikt Kleinhenz, Vilim Leskovec und Felix Schmidl ihr Bleiben zugesichert. Wer trägt sonst noch im Spieljahr 2021/22 das Trikot der Rotmilane? 

Mardian: Das werden wir in den nächsten Wochen kommunizieren.

Heißt das, der Verbleib aller anderen Spieler ist derzeit offen?

Mardian: Bei zwei Spielern laufen die Verträge aus. Mit ihnen setzen wir uns in den nächsten Wochen zusammen und versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Wer sind die beiden?

Mardian: Das möchte ich nicht sagen. Es hat sich leider vieles verschoben. Sobald wir Vollzug melden können, werden wir es tun.

Stehen Abgänge fest?

Mardian: Mit Jure Fistonic konnten wir uns nicht einigen, sein Vertrag wird nicht verlängert.

Torwart Stanislaw Gorobtschuk (im Bild) ist derzeit nach Israel verliehen. In der kommenden Saison steht er wieder im Tor des HSC Bad Neustadt. Foto: Anand Anders

Bilder in Sozialen Medien hatten jüngst die Vermutung aufkommen lassen, Torhüter Stanislaw Gorobtschuk habe den Verein verlassen. Ist er noch beim HSC?

Mardian: Stanislaw kam im Februar kurzfristig zu uns und hat darum gebeten, dass er gerne bis zum Saisonende nach Tel Aviv in Israel ausgeliehen werden möchte. Gabor Langhans, ein früherer Mannschaftskollege in Eisenach, spielt auch in Israel und so ist das Ganze zustande gekommen. Stanislaw ist ab 1. Juni wieder Spieler des HSC Bad Neustadt.