RADSPORT: DEUTSCHE BERG-MEISTERSCHAFT

Aufholjagd kostet zu viele Körner

Svenja Betz (rechts) fuhr im Sauerland beim Straßenrennen, das zugleich als deutsche Berg-Meisterschaft gewertet wurde, auf den 5. Platz. Mit ihrem Team RSG Gießen Biehler errang sie zudem den Gesamtsieg in der Rad-Bundesliga. Foto: Rainer Völkl

Svenja Betz mobilisierte die letzten Kräfte, trat 300 Meter vor dem Ziel an, fuhr als Erste mit maximaler Geschwindigkeit in die Kurve und gab alles. „Meine Beine aber hatten nicht mehr genug Kraft, um in dieser Fünfer-Gruppe beim Bergauf-Sprint die Ziellinie auf einem Top3-Platz zu überqueren. Somit belegte ich den 5. Rang“, zeigte sich die aus Nordheim stammende Sportlerin dennoch zufrieden mit ihrem Abschneiden beim einzigen Straßenrennen der Rad-Bundesliga in dieser Saison in Wenholthausen im Sauerland, das zugleich als deutsche Berg-Meisterschaft gewertet wurde. In der Teamwertung der Rad-Bundesliga verteidigte Svenja Betz mit ihren Mitstreiterinnen mit dem Sieg das lila Trikot und sicherte sich somit den Gesamtsieg für die RSG Gießen Biehler.

Nach dem Start gleich bergauf

Die 12-km-Runde, bei der es 250 Höhenmeter zu überwinden gab, musste sechs Mal gefahren werden. Dabei stellte ein 2,5 km langer Anstieg die Sportlerinnen gleich vor eine große Herausforderung. Betz: „Die Strecke war einer deutschen Meisterschaft würdig.“ Das Starterfeld war „mit über 60 Frauen und einigen Juniorinnen stark besetzt, auch mit einigen Profis.“ Bei morgentlicher Herbstkälte erfolgte der Startschuss, wo es gleich steil bergauf ging. „Und nicht nur steil, sondern auch schnell.“ Betz positionierte sich gleich und auch in der Folge im vorderen Bereich. Bereits in der zweiten Runde wurde das Tempo am Berg stark erhöht, so dass sich eine kleine Gruppe absetzte. Svenja Betz konnte den schnellen Frauen folgen und mit ihnen eine sechsköpfige Spitzengruppe bilden.

Vorübergehend den Kontakt verloren

In der vorletzten Runde attackierte Gudrun Stock (Maxx Solar-Lindig) am letzten Abschnitt des Anstiegs. „Ich war bereits wenige Meter zurück, da das Tempo am Berg wieder erhöht wurde und ich stark zu kämpfen hatte, den Anschluss zu halten. Ich versuchte die Attacke mitzugehen, doch es riss eine Lücke auf. Meine weiteren Angriffe, zur Spitze aufzuschließen, waren alle nicht erfolgreich, so dass wir zu fünft in den letzten Anstieg starteten, 30 Sekunden hinter Gudrun Stock.“

Der letzte Berg verlangte Svenja Betz alles ab. „Ich konnte das Tempo nicht mehr mithalten und verlor den Kontakt zu meinen Mitstreiterinnen. Ich kämpfte, gab alles, was mein Körper noch irgendwo übrig hatte und versuchte, die Lücke wieder zu schließen. Nach einer langen Verfolgungsjagd, die mich viele Körner kostete, gelang es mir 1,4 Kilometer vor dem Ziel, wieder Anschluss zu gewinnen.“ Ihr Plan, mit Schwung vorbei und den Überraschungseffekt zu nutzen, gelang ihr nicht. „Denn alle waren nun aufmerksam. Wir waren wieder zu fünft. Allerdings war Gudrun Stock nicht mehr einzuholen und ich wusste, ich muss als erste in die Zielkurve, um den Bergauf-Sprint zu gewinnen.“ Ihre Rechnung ging nicht ganz auf.

Keine große Verschnaufpause

Gleich am nächsten Tag stand der 29. große Preis von Buchholz auf dem Programm. Deshalb ging aus dem Sauerland weiter in den Norden dorthin. Der Start der Frauen-Elite war um 10.30 Uhr und wieder war ein gutes Starterfeld gekommen. Mit dabei ein polnisches Team mit sechs Fahrerinnen, darunter die letztjährige Siegerin. „Aber auch wir hatten ein gutes Team und wollten den anderen das Leben schwer machen.“ Den Kurs bildete eine 2,8 km lange Rundstrecke, die mit einer schnellen Abfahrt und einem Anstieg sowie einer langen Zielgeraden mit Gegenwind durchaus anspruchsvoll war. Diese galt es 17 Mal zu fahren.

Kräfte für das Finale aufgespart

„Am Anfang lief es gut, wir attackierten abwechselnd, doch keiner konnte eine nennenswerte Lücke reißen. Dann kam die U 17 ins Frauenfeld gefahren, so dass wir anschließend zusammen weiter gefahren sind. Leider werden die Ausreißversuche der Frauen immer wieder von den Jungs neutralisiert, so dass ich von nun an meine Kräfte für das Finale aufsparte“, beschrieb Svenja Betz ihre Taktik. Drei Runden vor dem Zieleinlauf hatte die U 17 ihr Finale, was zu einer Verschärfung des Tempos führte. Caro Schiff ging dieses Tempo mit, Betz konnte zu ihr aufschließen. Zu dritt ging es in die finale Runde. Betz leistete ihrer Teamkollegin Lydia Ventker Schützenhilfe, die den perfekten Moment nutzte und zum Sieg sprintete. Betz wurde hinter Caro Schiff Dritte.

Schön, erfolgreich und lehrreich

„Damit ging ein schönes, erfolgreiches und lehrreiches Renn-Wochenende zu Ende. Leider wird auch die Saison mehr oder weniger zu Ende sein. Trotzdem war ich dankbar für jedes Rennen und ganz besonders dankbar bin ich für die vielen tollen Momente, die ich mit meinem Team RSG Gießen Biehler erleben durfte“, fällt Svenja Betz' Fazit aus. (phü)

Ergebnisse

Straßenrennen, Deutsche Berg-Meisterschaft, 72 Kilometer (71 Frauen in der Wertung): 1. Gudrun Stock 2:17:49 Stunden; 2. Carolin Schiff 2:18:15; 3. Beate Zanner (alle maxx-solar Lindig women cycling team) 2:18:15; 4. Ricarda Bauernfeind (ohne Verein) 2:18:15; 5. Svenja Betz (RSG Gießen Biehler) 2:18:15.