TISCHTENNIS:

Kilian Ort hat großen Spaß am Mini-Tisch

Tischtennis-Training der besonderen Art: Kilian Ort (links) und seine Freundin Loan Le spielen an einem Mini-Tisch in seinem Elternhaus in Bad Königshofen. Foto: Martha Ort

Nach einem Rückhand-Duell berührt der Ball das Netz. Er bleibt nicht auf der Seite, von der er gekommen war. Er springt in die Hälfte von Kilian Ort (23). Der reagiert schnell, streckt den Körper und seinen Arm. So sehr er sich bemüht, der Ball bleibt für den Tischtennis-Profi des TSV Bad Königshofen unerreichbar. Und der Punkt ist für ihn verloren. Auf ärgerliche Art und Weise, was er auch zum Ausdruck bringt. Das alles ist zu sehen in einem kurzen Video, das Kilian Ort in diesen Tagen als sogenannte Story in seinem Profil im Foto-Netzwerk Instagram hochgeladen hatte. Dort folgen Ort über 1200 Menschen.

Der Punkt geht an Kilian Orts Freundin Loan Le

An sich nichts Ungewöhnliches, mag man denken. Solche Ballwechsel sind im Tischtennis alltäglich. Die Sportler sind es gewohnt, den aufkommenden Hader nach einem unglücklich verlorenen Ballwechsel wegzudrücken und sich rasch auf den nächsten Punkt zu konzentrieren. Doch das Video zeigt Kilian Ort in außergewöhnlicher Umgebung. Im Hintergrund sitzen keine Zuschauer. Dort steht eine Schrankwand. Dafür sitzt Kilian Ort. Links von einer Mini-Tischtennisplatte, die auf einem Wohnzimmer-Tisch platziert ist. Kilian Ort gegenüber sitzt Loan Le (22), seine Freundin. Sie hat den Punkt gewonnen und freut sich. Und auch Kilian Ort ist anzusehen, dass der Ärger nur gespielt ist und er großen Spaß hat.

Seit Freitag vergangener Woche sind Kilian Ort und Loan Le in seinem Elternhaus in Bad Königshofen. Am frühen Morgen jenes 13. März waren sie dort angekommen, obwohl sie eigentlich in Gliwice bei den Polish Open um Weltranglistenpunkte und Prämien hätten spielen wollen. Ort war für die erste Hauptrunde gesetzt, er hätte auf den Belgier Olav Kosolovsky treffen sollen. Die Italienerin Le, die in der 2. Bundesliga für den TTC Langweid aufläuft, hatte sich in den Tagen zuvor mit überzeugenden Siegen durch die Qualifikation gespielt und sich ebenfalls für das Hauptfeld qualifiziert.

Weltcup-Turnier in Polen wurde abgebrochen

Am Freitagmorgen um 0.30 Uhr entschieden die Veranstalter, das Turnier wegen des sich ausbreitenden Coronavirus abzubrechen. Zuvor war eine japanische Spielerin mit Fieber ins Krankenhaus gebracht worden. „Sie wurde später negativ auf das Coronavirus getestet“, sagt Ort. „Wir haben uns nach dem Abbruch sofort ins Auto gesetzt und sind nach Bad Königshofen gefahren.“ Zuhause vertreiben sie sich – „wir sind gesund und frei von Symptomen“, so Ort – seither die Zeit.

Ort lebt seit Jahren in Düsseldorf und trainiert dort am Bundesstützpunkt. Dort finden die Profis perfekte Bedingungen vor. Schon bevor das Land Nordrhein-Westfalen am Dienstag alle Sportstätten dicht gemacht hat, war der Trainingsbetrieb auf ein Minimum reduziert worden, sagt Ort und ergänzt, dass er es nicht vorhabe, in der aktuellen Situation dorthin zurückzukehren. „Ich bleibe erst einmal hier.“ Viel trainieren kann er zwar nicht – die Shakehands-Arena ist wie jede andere Halle in Bayern geschlossen –, aber: „Ich spüre gerade nicht viel Druck. Es weiß ja keiner, wann der nächste Wettkampf ist. Anders war es, als ich im Herbst drei Monate verletzt war und meiner Mannschaft nicht helfen konnte. Da habe ich extrem viel verpasst.“

Aus der jetzigen Situation müsse man versuchen, „das Beste zu machen. Ich weiß, dass jeder Tischtennisspieler gerade froh ist, wenn er einen Tisch zuhause im Wintergarten stehen hat.“ Jener im Hause Ort – und damit ist nicht die Mini-Platte aus dem Instagram-Video gemeint – stand für eine lange Zeit unbeachtet in einer Abstellkammer. „Ich musste ihn erst einmal freiräumen. Ich glaube, das letzte Mal gespielt an ihm habe ich vor acht oder neun Jahren“, erzählt Ort.

Nach vielen Jahren wird der eigene Tisch wieder nützlich

Zumindest ein bisschen Training ist an diesem Tisch möglich. Der Steinboden in diesem Raum sei zwar nicht so angenehm für die Gelenke wie etwa der rote Spezialbelag, der am Bundesstützpunkt oder bei Bundesligaspielen ausgelegt ist, aber auch dieses Manko fällt in die Kategorie: Die Lage annehmen wie sie ist.