HANDBALL: 3. LIGA MITTE

HSC bleibt im Sturzflug

HSC-Kapitän Franziskus Gerr (am Ball) musste nach zwei frühen Zwei-Minuten-Strafen die Niederlage des HSC Bad Neustadt gegen den TV Kirchzell von der Bank aus mit ansehen. Foto: Anand Anders

Handball

3. Liga Männer Mitte

War's das schon in Sachen Klassenerhalt zu so einem frühen Zeitpunkt für den HSC Bad Neustadt nach der 20:23 (12:8)-Niederlage im Kellerduell der Dritte Liga Mitte gegen den TV Kirchzell? Nach Ansicht vieler Fans besteht, obwohl erst ein Drittel der Saison absolviert ist, nur noch wenig Hoffnung für die Rotmilane. Die will Coach Frank Ihl nicht aufgeben. Doch auch er stand nach der überflüssigen Niederlage leicht unter Schock. „Ich bin sprachlos und noch fast zu keiner Analyse fähig.“ Die vermochte sein Kirchzeller Kollege Andreas Kunz abzugeben. „Über das Ergebnis bin ich überglücklich. Wir waren bis zur 45. Minute die unterlegene Mannschaft, hatten bis dahin keine Power und keine Durchschlagskraft, weswegen auch die Chancenverwertung unzureichend war.“

Wenn dann doch noch ein Sieg herausspringt, lässt das die Schlussfolgerung zu, dass der Gegner zu viele Fehler gemacht und damit den Kontrahenten aufgebaut hat. „Tatsächlich sind uns in der letzten Viertelstunde viel zu viele Fehler unterlaufen. Wir sind mit der in dieser Phase offensiven Deckung der Gäste nicht zurecht gekommen und haben ein ganz wichtiges Spiel verloren“, meinte Ihl enttäuscht. Wie zuletzt in Gelnhausen ging dem HSC die Puste aus. Dabei schien der erste Saisonsieg so nahe. Die Gastgeber hatten den TV sicher im Griff und kontrollierten das Geschehen. Im Angriff wurde konzentriert abgeschlossen, in die Deckungslücken des Kunz-Sieben hineingestoßen und die erste Unterzahl-Situation (Zeitstrafe für Franziskus Gerr /5.) bei einer 3:1-Führung unbeschadet überstanden.

Gerr bleibt früh auf der Bank

Der Vorsprung hielt, weil sich der Gast im Abschluss verunsichert zeigte, Leistungsträger Max Gläser warf aus dem rechten Rückraum einige Fahrkarten. Den Odenwäldern war anzumerken, dass ihnen ihr verletzter Spielmacher Brian Heinrich sehr abging. Sehenswerte Kombinationen, mit denen die HSC-Deckung hätte ausgehebelt werden können, besaßen Seltenheitswert. Ob die frühe zweite Zeitstrafe für HSC-Mannschaftskapitän Gerr (13.), der danach nicht mehr eingesetzt wurde, ein Grund für die spätere Niederlage war, bleibt Spekulation. Doch gerade am gegnerischen Kreis tat sich wenig. Maximilian Kalliske mit einem einzigen Treffer, aber auch Fangfehlern bei zugegebenermaßen auch ungenauen Anspielen konnte Gerr nicht ersetzen.

Auch der von Gary Hines vergebene Siebenmeter (17.), den Tobias Jörg parierte („Tobias war ein starker Rückhalt“, lobte sein Coach) tat zunächst nicht weh, weil Krisztian Galli den Vorsprung auf 9:4 ausbaute. Da wähnten sich viele Fans schon als Zeuge des ersten Saisonsieges. Auch die drei Gästetreffer in Serie zum Zwischenstand von 9:7 schienen keine Wende anzukündigen – zumal Maximilian Drude, der erneut kaum Zug zum Tor hatte, Hines und der in der 25. Minute auf die Linksaußen-Position beorderte Martin Bieger zurückschlugen und für eine Vier-Tore-Führung (12:8) zur Pause sorgten.

Gift für den HSC-Rückraum

Die Anfangsminuten der zweiten Halbzeit verschliefen die Hausherren zunächst. Aber auch Gäste ließen ihren auf der Tribüne sitzenden Manager Gottfried Kunz verzweifeln, weil sie freie Würfe nicht an Nick Weber oder gleich am Tor vorbei setzten. Hines (zwei Mal) und Bieger stabilisierten die Führung (16:12). Dann nahm der TV-Trainer eine Auszeit. Die zeigte Wirkung. Schlagartig war es danach mit der Dominanz der Ihl-Schützlinge vorbei. Die sahen sich nun einer offensiven 3:3-Deckung gegenüber, was für den HSC-Rückraum Gift war, „obwohl wir uns auf diese Deckungsvariante eingestellt hatten“, erklärte der Coach nach dem Abpfiff.

Als Antonio Schnellbacher nach dem x-ten Fehlpass der Hausherren zum 17:17 ausglich (50.) und der Rechtsaußen in einer Unterzahlsituation sein Team erstmals in Führung brachte, war Panik und Ratlosigkeit bei den Gastgebern zu spüren. Ioannis Fraggis schaffte noch einmal den Gleichstand (18:18/53). Doch die Zwei-Minuten-Strafe für Jure Fistonic sollte endgültig der Anfang vom Ende sein. Der an der Siebenmeterlinie sichere Josip Punda und der nun nicht mehr zu bremsende Tim Häufglöckner verschafften ihrem Team erstmals eine Zwei-Tore-Führung, die sie clever verteidigten. Als Max Bauer einen freien Wurf unbedrängt am Tor vorbeisetzte, Fraggis die Kugel beim nächsten Angriff dem Keeper auf den Fuß warf und Vilim Leskovec, „den ich aus taktischen Gründen erst in den letzten zehn Minuten gebracht habe“, so sein Trainer, ebenfalls während einer Zeitstrafe für Drude nicht traf, war die 10. Saisonniederlage der Rotmilane perfekt.

Jetzt auch Durchhalteparolen

Die elfte droht am nächsten Wochenende beim Gastspiel in Großsachsen, falls die Mannschaft wieder nicht in der Lage ist, „eine Dominanz über 60 und nicht nur über 40 Minuten auszustrahlen“, so Frank Ihl. Ihl gibt die Hoffnung gegen den wohl bisher schwächsten Gegner, der in der Bürgermeister-Goebels-Halle in dieser Saison aufgelaufen ist, nicht auf, aber die Basis seines Trainings werden ab sofort auch Durchhalteparolen beinhalten.

Die Statistik des Spiels

Handball: Dritte Liga Mitte HSC Bad Neustadt – TV Kirchzell 20:23 (12:8)

Bad Neustadt: Weber (1.-50.), Schmidl (ab 51.) – Kleinhenz (n. e.), Fraggis 2, Hines 5/1, Bieger 3, Drude 2, Kalliske 1, Fistonic 1, Gerr, Leskovec, Bauer 3, Galli 3, Früh (n. e.).

Kirchzell: Jörg, Eul (n. e.), Podsendek (n. e.) – Scheider, Polixenidis 1, Wuth, Gläser 1, T. Häufglöckner 4, Schnellbacher 6, David 6, Punda 5/4, L. Häufglöckner, Meyer-Ricks.

Siebenmeter: 2/1 – 4/4.

Zeitstrafen: 10 – 4 Minuten.

Zuschauer: 589.

Schiedsrichterinnen: Kruska/Lange (Berlin).

Spielfilm: 3:1 (5.), 5:1 (10.), 6:3 (15.), 8:4 (20.), 10:7 (25.), 12:8 (30.) – 14:9 (35.), 15:11 (40.), 16:13 (45.), 17:17 (50.), 18:20 (55.), 20:23.