BAD KÖNIGSHOFEN

Ein Rückkehrer als Hoffnungsträger

Sie freuen sich auf die Bayernliga: das Gros der Mannschaft des BC Bad Königshofen mit Anton Ringel (hinten von links), Lena Bregulla, Marius Fischer sowie Spielertrainer Frank Helmerich (vorne von links), Irene Neumann und Josepha Hart. Foto: Rudi Dümpert

Beim dritten Anlauf von ganz unten nach oben in die überregionalen Ligen ist die erste Mannschaft des Badmintonclubs Bad Königshofen in der Bayernliga Nord angekommen. Zwei Mal, nach überragenden Erfolgen, brach dem BC eine komplette Mannschaft auseinander. Jene um die Ames-Brüder Christopher und Sebastian herum aufgebaute Truppe wurde Regionalliga-Meister und klopfte in der Relegation ans Tor zur 2. Bundesliga, scheiterte aber knapp am BC Dillingen. Die Ames-Brüder spielten dann doch noch bei der SG 1862 Anspach in der angestrebten Liga. Die zur ersten aufgerückte, verbliebene zweite Mannschaft wurde im Jahr darauf Bayernliga-Meister und löste sich ebenfalls auf – überwiegend aus beruflichen Gründen. Von dieser Mannschaft schaffte es das BC-Eigengewächs Fabian Hippold ebenfalls mit dem TV Marktheidenfeld in die 2. Bundesliga.

Nach oben gearbeitet

Simon Prell landete berufliche in Köln, spielte dort bisher ebenfalls höherklassig. Und nun ist er der Erste, der den Weg zurück zu den Wurzeln geht und verstärkt in der Saison 2019/20 seinen Heimatverein. Denn der hat sich mit geduldiger und intensiver Nachwuchsarbeit, begünstigt auch durch die Kooperation mit dem Gymnasium Bad Königshofen, von ganz unten, über die A-Klasse, Bezirksliga und Bezirksoberliga bis in die Bayernliga Nord hoch gearbeitet. Wobei die Betonung auf Arbeit nicht einmal übertrieben ist. Durchhaltevermögen, Vereinstreue, Engagement und Zusammenhalt wären ebenfalls angebrachte Tugenden, um die zurzeit im Sport so oft zitierte Mentalität nicht zu überstrapazieren.

Es bedurfte aber doch immer wieder eines Riesen-Aufwands, die geographischen Standort-Nachteile von Bad Königshofen bei der Beschaffung von Studien- und Arbeitsplätzen aufzuweichen und Spieler zu motivieren, wenigstens abwechselnd aus allen möglichen Bundesländern zu einem Spiel in die Heimat zu kommen und für den BC das Racket zu schwingen.

Trotz all dieser Hindernisse, auch der nachhaltigen Verletzungen von Hoffungsträgern wie Nils Fischer und Tabea Bauer, schafften es Spielertrainer Frank Helmerich und die BC-Vorsitzende Anne Neumann in der vergangenen Saison eine Mannschaft vorzuhalten, die es bis zum Relegationsplatz 2 schaffte, hinter dem Meister TV Marktheidenfeld III. Mehr als vier Wochen nach Saison-Ende rang sich der Verband dann doch dazu durch, über ein Relegations-Turnier in Lauf mit drei Mannschaften zwei Plätze für die Bayernliga zu ermitteln. Gegen den Gastgeber Lauf gab es eine knappe Niederlage, gegen Kronach einen klaren Sieg und somit war der Aufstieg war perfekt.

Ziel ist der Klassenerhalt

Jetzt gilt es, sich in dieser Zehner-Liga zu behaupten. Selbst das Ziel, den ersten Nicht-Abstiegsplatz 8 zu erreichen, ist kein leichtes. „Ich wäre mit Bauchschmerzen in die Saison gegangen, wenn wir keine Verstärkung bekommen hätten“, gesteht Frank Helmerich, der als Gymnasiallehrer, Familienvater und Bürgermeister-Kandidat an seiner Leidenschaft Badminton festhält und die Doppelfunktion als Spieler-Trainer wahrnimmt. „Unser Ziel als Aufsteiger kann nur Klassenerhalt heißen“, hält er den Ball flach. „Aber ohne den Simon hätte ich da Probleme gesehen. Er hat sich bereit erklärt, aus Köln so oft wie möglich, besonders zu den Koppelspielen, anzureisen. Er ist eine echte Bereicherung für uns. Deshalb kommen uns diese Koppelspiele sogar entgegen. Sie sind zwar kräftezehrend, aber die Lösung schlechthin für all unsere Pendler, die dafür nicht so oft nach Hause kommen müssen.“

Zugpferd Simon Prell

Simon Prell, Anfang 30, könnte Leithammel und Zugpferd zugleich werden. So hat sich zum Beispiel Lena Bregulla dazu entschieden, nicht den Angeboten verschiedener Vereine zu folgen, sondern zu bleiben. Individuell will sie sogar den Ranglisten-Turnier-Stress ablegen und sich voll auf die Schule und den Verein konzentrieren. Sie hat ja bereits an internationalen Turnieren für den Deutschen Badminton-Verband teilgenommen. Josepha Hart (Freiburg) und Irene Neumann (München) haben ebenfalls ihre Zusage gegeben, sodass sogar eine Frau übrig ist. Dieses Trio sollte absolute Bayernliga-Klasse haben. Im gemeinsamen Trainingslager will Helmerich festgestellt haben: „Die drei Mädels sind heiß und werden uns die ganze Saison erhalten bleiben.“

Auch bei den Männern stehen die Mannschaft plus die Ersatzbank. Simon Prell wird an Position 1 spielen, Anton Ringel (Bamberg) an 2, Frank Helmerich an 3 und Leonhard Hüllmandel an 4. Thomas Neumann (Stuttgart), Marius Fischer (München) und Andreas Ortlauf stehen als Aushilfe zur Verfügung. Alle vermeintlich „Auswärtigen“ sind übrigens alle waschechte Königshöfer, die beim BC ausgebildet wurden. „Ich bin echt zuversichtlich, dass wir in der Bayernliga mitspielen können.“

Regel: Nur komplett antreten

Die Bayernliga-Regeln schreiben, anders als in der Bezirksoberliga, vor, dass man nur komplett antreten darf, ansonsten gar nicht anreisen braucht. Kampflose Einzel-Punktverluste bzw. -gewinne wird es nicht mehr geben. Wenn schon, dann sind die zwei Punkte für die Mannschaft weg. Den Favoriten auf die Meisterschaft sieht Helmerich im Mitaufsteiger TV Marktheidenfeld III, dem er einen Durchmarsch zutraut, „weil sie auch eine Wahnsinns-Nachwuchsarbeit leisten.“ Ein paar neue Sponsoren konnten selbst in der Tischtennis-Stadt Bad Königshofen auch dazu gewonnen werden, „sodass wir sehr zuversichtlich in die neue Saison gehen.“