TISCHTENNIS BUNDESLIGA

Ein Sieg, der den Kopf schmerzen lässt

Kilian Ort (im Bild) besiegte in einem mitreißenden Match den Grünwettersbacher Wang Xi. Foto: Rudi Dümpert
Bundesliga Männer

 

TTC Schw. Bergneustadt – TTC indeland Jülich 3:1  
TSV Bad Königshofen – ASV Grünwettersbach 3:0  
TTF Ochsenhausen – TTC Zugbrücke Grenzau 3:1  
TTC Fulda Maberzell – Borussia Düsseldorf 2:3  
Post SV Mühlhausen – 1. FC Saarbrücken 2:3  

 

 

1. (4.) TSV Bad Königshofen 3 3 0 0 9 : 1 6 : 0  
1. (2.) TTC Schw. Bergneustadt 3 3 0 0 9 : 1 6 : 0  
3. (2.) 1. FC Saarbrücken 3 3 0 0 9 : 2 6 : 0  
4. (1.) SV Werder Bremen 3 3 0 0 9 : 4 6 : 0  
5. (7.) Borussia Düsseldorf 3 2 0 1 6 : 6 4 : 2  
6. (6.) Post SV Mühlhausen 3 1 0 2 6 : 7 2 : 4  
7. (7.) TTC Fulda Maberzell 3 1 0 2 5 : 7 2 : 4  
8. (5.) ASV Grünwettersbach 3 1 0 2 5 : 8 2 : 4  
9. (9.) TTF Ochsenhausen 3 1 0 2 4 : 7 2 : 4  
10. (12.) TTC Neu Ulm 3 0 0 3 5 : 9 0 : 6  
11. (9.) TTC indeland Jülich 3 0 0 3 2 : 9 0 : 6  
12. (11.) TTC Zugbrücke Grenzau 3 0 0 3 1 : 9 0 : 6  

 

Die nächsten Spiele, Freitag, 19 Uhr: Neu Ulm – Saarbrücken, Fulda Maberzell – Mühlhausen, Grenzau – Düsseldorf, Jülich – Ochsenhausen, Grünwettersbach – Bergneustadt, Dienstag, 24. September, 19 Uhr: Bremen – Bad Königshofen, Ochsenhausen – Grünwettersbach

Zwei Stunden Tischtennis auf gehobenem Niveau. Drei Einzel, von denen jedes seinen eigenen, besonderen Reiz hatte. Jede Menge Ballwechsel, besonders jene Rallyes, bei denen sich die Spieler in der Box kreuz und quer herum jagten und sämtliche physischen Gesetze außer Kraft zu setzen schienen, wenn sie den 2,7 Gramm leichten Ball aus dem hintersten Winkel auf die 2,09 Quadratmeter große Tischhälfte zurückbrachten. Hinterher ein 3:0-Sieger TSV Bad Königshofen gegen den ASV Grünwettersbach, dem diesmal in mehreren Situationen und Spielständen das Glück hold war.

Steger auf Betriebstemperatur

Dass Neuzugang Bastian Steger den Pflichtsieg gegen Dang Qiu sicher nach Hause schaukeln würde, war absolut so sicher auch wieder nicht. Bei ihrer letzten Begegnung im Januar hatte er Qiu erst mit 12:10 im fünften Satz bezwungen. Diesmal startete er mit 11:4 im ersten Satz, um den zweiten mit demselben Ergebnis abzugeben. Es war der erste Satzverlust des Frisch-Verheirateten im TSV-Trikot in eigener Halle. Im dritten ging er erstmals zum 8:7 in Führung, 11:9. Da war der Fanclub Ping-Pong-Ultras aber schon längst auf Betriebstemperatur. Wie Steger selber, der mit 11:4, also doch sehr sicher, dicht machte zur 1:0-Führung.

Unglaubliche Schnittvarianten

Dann hatte Kilian Ort die Aufgabe, als Nummer 2 gegen den Gäste-Einser Wang Xi anzutreten, der noch nie gegen einen Bad Königshöfer verloren hatte. Jedes Mal, wenn Ort den Schlüssel zum Knacken von Xis unglaublichen Schnittvarianten gefunden zu haben schien, stellte der auf eine neue um. Und die Sondierungen begannen von vorne, mit welcher Dosis von Topspin-Rotation diesem kombinierten Abwehr-Angriff-Spieler „mit seinen mir ungewohnten Noppen“, so Ort, zu begegnen sei. „Keinen Rhythmus“ habe er im ersten Satz in sein Spiel gebracht – 7:11. Im zweiten schien er jenen Schlüssel gefunden zu haben: 11:6, das Produkt einer unglaublich reifen taktischen Leistung. Aber was würde Xi für den dritten im Köcher haben?

Die Zuschauer toben

Die Wippe, an der sich der Satzgewinn entschied, stand bei 8:8 – 8:11. „Auf geht?s Kilian, auf geht?s“, skandierten die Zuschauer. Und Kilian Ort widerstand allen taktischen und psychischen Tricks des Deutsch-Chinesen, der vor eigenem Aufschlag so lange den Blickkontakt mit Ort suchte, ehe er aufschlug, bis dieser ihm den Gefallen tat und in leicht grinsende Augen schaute. Und dennoch den vierten Satz mit 11:8 gewann, im fünften aber 4:8 hinten lag, sechs Punkte in Folge machte, dass die Halle tobte, klatschte und trampelte. Dann benötigte er einschließlich dieser zwei insgesamt sechs Matchbälle, ehe er zum 14:12 abdichtete – 2:0 zur Pause und ein verdammt gutes Gefühl auf einmal. „Letztes Jahr habe ich gegen Wang Xi 8:4 im fünften Satz geführt. Dann lief es genau anders rum, er gewann 11:9. Das hat man natürlich ein bisschen im Hinterkopf“, sagte Kilian Ort hinterher und gestand: „Jetzt nach diesen fünf Sätzen habe ich unglaubliche Kopfschmerzen, wirklich.“

Oikawa hat Titel im Gepäck

Wäre da nicht der Jetlag des Mizuki Oikawa, der am Samstagfrüh um 6 Uhr nach 14 Stunden Flug um die halbe Erdkugel plus vier Stunden Aufenthalt in Shanghai in Frankfurt gelandet war. In solchen Fällen verdarb er sich in der Vergangenheit nicht nur ein Mal seine positive Bilanz und konnte seiner Mannschaft nicht helfen wie gewohnt. Daheim in Japan hatte er mit seiner Uni-Mannschaft den hoch angesehenen Titel des japanischen Studenten-Meisters gewonnen. Und jetzt ging es gegen den ASV-Neuzugang Tobias Rasmussen, der im ersten Saisonspiel den frisch gebackenen Vizeweltmeister Mattias Falck geschlagen hatte. Die Befürchtungen schienen einzutreffen, dass es ein langer Sonntagnachmittag in der Halle werden würde. 1:5 im ersten Satz. An dessen Ende aber 11:9. Den zweiten gab er mit 8:11 ab.

Kluges Timeout

Ende des scheinbar schon verlorenen dritten Durchgangs begann der sympathische Japaner, den Dänen zu entzaubern und das Publikum zu verzaubern. 0:5 lag er zurück, 1:7 und 6:10. Dann kämpfte, rannte und hüpfte sich der Asiate irgendwie den Jetlag aus den Klamotten, lieferte sich mit dem dänischen Linkshänder einen Wahnsinns-Ballwechsel nach dem anderen, wehrte sechs Satzbälle ab und sicherte sich seinen ersten zum 14:12. Im vierten Durchgang die Frage, würde die Müdigkeit zurückschlagen oder würde Mizuki zuschlagen? Erhöhte Gefahr, als Rasmussen von 8:4 auf 9:8 heran kam. Doch ein kluges Timeout durch Coach Koji Itagaki, 10:8 und 11:8, und der dritte Sieg im dritten Spiel war in trockenen Tüchern.

Die Statistik des Spiels

Tischtennis, Bundesliga TSV Bad Königshofen – ASV Grünwettersbach 3:0

Bastian Steger – Dang Qui 3:1 (11:5, 4:11, 11:9, 11:4)

Kilian Ort – Xi Wang 3:2 (7:11, 11:6, 8:11, 11:8, 14:12)

Mizuki Oikawa – Tobias Rasmussen 3:1 (11:9, 8:11, 14:12, 11:8)

Oberschiedsrichter: Wilhelm (Kist). Zuschauer: 438.