SKISPORT

Schneebedingter Terminwirbel

Ein Erlebnis war der Nachtskisprint des WSV Oberweißenbrunn 2017. Dieses Jahr fiel er aus. Andere Events stehen auf der Kippe. Foto: Anand Anders

Endlich Winter in der Rhön, mit knackigen Temperaturen unter Null. Und es soll kalt bleiben. Trotzdem musste der WSV Oberweißenbrunn seinen am Sonntag, 20. Januar, geplanten Nordic Day absagen. Schon die zweite Sport-Veranstaltung dieses Jahres. Trotzdem haben der WSVO und der RWV Haselbach diese Saison noch einiges vor. Doch vieles steht auf der Kippe. Der Nordic Day dient laut dem WSV-Vorsitzenden Ewald Simon dazu, dass erfahrene Übungsleiter Disziplinen wie Skilanglauf oder Schneeschuhlaufen vorstellen. Mehr als 100 Besucher interessierten sich vergangene Saison dafür.

Doch dieses Jahr passen die Bedingungen nicht. „Die Wiese in Oberweißenbrunn ist grün“, sagt Simon. „Drei bis vier Zentimeter Neuschnee reichen nicht aus.“ Schon einmal mussten die Verantwortlichen des Oberweißenbrunner Wintersportvereins im noch jungen Jahr eine Veranstaltung absagen. Am 9. Januar war der Nachtskisprint angesetzt. Doch es fehlte genügend Schnee. Eine blöde Situation für den Verein: Wie solle er Menschen für den Wintersport begeistern, wenn er keine Veranstaltungen durchführen kann?

Nun setzt Ewald Simon darauf, dass der für kommendes Wochenende geplante Kinderskikurs stattfindet. Begonnen werden soll am Freitagnachmittag mit den Fortgeschrittenen am Doppellift am Arnsberg. Für die Anfänger, die am Samstag starten, hat der 56-Jährige einen Kompromiss gefunden. An der Säutalle, 100 bis 150 Meter vom Doppellift entfernt, existiert eine Fläche mit Naturschnee. Dort sollen die Kleinen üben.

Simon handelt nach dem Motto: „Lieber jetzt durchziehen, wenn das Wetter passt als auf später spekulieren.“ Deswegen hat er sich mit den Verantwortlichen des Rad- und Wintersportvereins Haselbach auf einen weiteren Kompromiss geeinigt. Beide Vereine richten gemeinsam Vereinsmeisterschaften nordisch und alpin aus. Angesetzt war die ursprünglich für den 10. Februar. Nun werden die Abfahrtsläufe auf den 3. Februar vorgezogen. „Dazu müssen aber mindestens 20 Zentimeter Schneeauflage dazukommen.“

Und wenn es trotz Kälte nicht schneit und die alpinen Rennen ausfallen müssen? Dann will Simon die Langlaufdisziplin vom 10. auf den 3. Februar vorverlegen. Die Bedingungen dafür reichten am Kreuzberg aus. „Ab 750 Meter Höhe liegen 15 bis 20 Zentimeter Altschnee. Langlauf geht auf jeden Fall.“

Theoretisch hätte die Vereinsmeisterschaft schon am 27. Januar stattfinden können. Doch bei den Oberweißenbrunnern sind die Kräfte laut Simon durch den Kinderskikurs gebunden. Und beim RWV Haselbach nehmen viele Mitglieder an diesem Wochenende an der deutschen Feuerwehrmeisterschaft in den Alpen teil. Dort gibt es auch Abfahrtswettbewerbe.

„Die Wiese in Oberweißenbrunn ist grün. Drei bis vier Zentimeter Neuschnee reichen für den Nordic Day nicht aus.“
Ewald Simon, Wintersportverein Oberweißenbrunn

Die Haselbacher planen noch eine weitere Veranstaltung: den Nachtfackellauf am 20. Februar. Auch er steht auf der Kippe. Vereinsvorsitzender Michael Beer hat sich die Langlauf-Loipe unterhalb des Kreuzberges angeschaut. „Da sieht es mit dem Schnee noch dünn aus. Man erkennt noch deutlich grün-braune Flecken.“ Er ist guter Hoffnung, dass sich das bald ändert. Apropos Hoffnung: Die hegt Ewald Simon auch, was den ausgefallenen Nordic Day und den Nachtskisprint angeht. Möglicherweise werden beide nachgeholt. „Wenn der Winter lang genug wird“, sagt Simon und meint damit eine anhaltende Kaltwetterphase mit viel Schnee. Die Vorlaufzeit für ein Ereignis wie den Nordic Day betrage eine Woche. Mindestens zehn bis 15 Zentimeter kompakter Schnee müssten dafür liegen.

Der Rad- und Wintersportverein Haselbach betreibt noch eine Skisprung-Abteilung. Die zehn Kinder unter ihrem Trainer Maximilian Lange sind sehr rührig – nur jetzt im Winter nicht bei Wettkämpfen auf den heimischen Schanzen anzutreffen. Sie springen zum Beispiel im thüringischen Brotterode oder dem sächsischen Klingenthal. Das sei dem hohen organisatorischen Aufwand und der mangelnden Schneesicherheit geschuldet an den Kreuzbergschanzen, berichtet Michael Beer. Für die 50-Meter-Schanze mangele es an Schnee, der länger liegen bleibt. Die beiden kleineren 16- und 30-Meter-Schanzen verfügen zwar über Schneefang-Netze. Sie werden über die Matten gespannt, die im Sommer das Skispringen ermöglichen. Doch der Schnee in den Netzen müsste aufwendig von vielen Helfern festgetreten werden. Das erspart sich der Verein lieber.

Klar könnte der Verein eine Schnee-Kanone anschaffen, sagt Beer. Doch die Kosten für Strom und Wasser wären enorm. Das wolle sich der RWV nicht leisten. Und so werden die Schanzen seit Jahren nur im Sommer besprungen. Eine Entwicklung, geschuldet dem um sich greifenden Klimawandel. Es wird nicht die letzte bleiben.