SKISPRINGEN

Flieg' Opa, flieg'

Maik Fraulob vom SV Blau Weiß Dittersbach, der Sieger der Männer 51, beim Sprung in die Tiefe. Foto: ssp

Mindestalter 30 Jahre und seit zwei Jahren weder einem Kader angehörig noch an einem Weltcupwettkampf teilgenommen – das waren die Bedingungen für einen Start bei den 16. deutschen Seniorenmeisterschaften der Skispringer, die nach 2006 zum zweiten Mal auf den Matten der Kreuzbergschanzen ausgetragen wurden. Die Stimmung unter den Sportlern war bestens, ebenso wie das Wetter, das auf den Schanzen am Nord-Ost-Hang des Kreuzberges für ideale Bedingungen sorgte.

„Wir sind wie eine große Familie“, war von den Sportlern und den sie begleitenden Familienangehörigen und Freunden oft zu hören. Der Eindruck, dass hier einfach jeder jeden kannte, bestätigte sich im Laufe der Wettkampftage immer wieder. Fröhlich freundlicher Beifall für gute Sprünge oder freche kumpelhafte Sprüche für Patzer schallten im Wechsel übers Gelände. Eine Familie besteht aus Jungen und Alten, so gemischt war auch das Starterfeld. Im sogenannten Rahmenprogramm durften nämlich alle Altersklassen an den Start gehen. So begann der Wettkampf im Einzelspringen auf der K 5, auch scherzhaft Schnullerbakken genannt.

Die Gewitter mit starken Regenfällen in der Nacht von Freitag auf Samstag beeinträchtigten die Bedingungen auf der Schanzenanlage nicht. Im Gegenteil. Wie Wettkampfleiter André Eichel betonte, sei der Regen gut gewesen, um die Wiese des Auslaufhanges kräftig anzufeuchten und für gute Gleitfähigkeit zu sorgen. Nebenbei sorgte das feucht-warme Klima im Wald wohl für kräftiges Pilzwachstum, am Sonntagmorgen stand in einem der Mannschaftsbusse ein Körbchen voller frischer Waldpilze.

Die Zuschauer waren für eine Veranstaltung dieser Kategorie relativ spärlich gekommen. Jedoch hatte es sich einige Prominenz aus Politik und Sport nicht nehmen lassen, zur Eröffnung und zur späteren Siegerehrung zu kommen, allen voran Bischofsheims Bürgermeister Georg Seiffert und der Beauftragte „Nordischer Wettkampfsport“ des Deutschen Skiverbandes, Andreas Lange aus Bad Dürrenberg. Lange, der gleichzeitig Vizepräsident des Landesverbandes Sachsen-Anhalt ist, betonte, wie sehr er sich freue, dass es Veranstalter wie den RWV Haselbach und den WSV Oberweißenbrunn gebe, die sich an die Ausrichtung eines solchen Wettkampfes wagen. Solche zu finden, sei immer sehr schwer.

Bürgermeister Georg Seiffert freute sich, dass der Wettkampf auf der tollen Schanzenanlage inmitten Deutschlands ausgerichtet wurde und sinnierte über die Definition „über 30“ und dass in diesem Alter noch keiner als Senior angesehen werde. Er hatte erfahren, dass es Teilnehmer gibt, die bereits über 70 sind und dabei an die aktiven Schanzenarbeiter gedacht, die bereits Ü 80 sind, auf die aber kein Verein verzichten kann. Die beiden Vereinsvorsitzenden Ewald Simon (WSV) und Michael Beer (RWV) konnten noch einen besonderen Gast begrüßen, den Skeletonfahrer Michael Zachrau aus Oberhof. Der gebürtige Frammersbacher hatte als Junge auf den Kreuzbergschanzen mit dem Skisprung begonnen und besuchte seine alte Wirkungsstätte. Die Springer eines großen Starterfeldes von insgesamt 70 Sportlern flogen im Einzelwettbewerb über die vier verschiedenen Schanzen. Sie waren aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Nordrhein-Westfalen angereist. Selbstverständlich nahmen auch die jungen Rhönadler am Springen im Rahmenprogramm teil und erzielten, wie gewohnt, gute Platzierungen. Tim Dickas (RWV Haselbach) wurde bei den Schülern 10/11 Erster mit 203 Punkten, Franz Eisenmann (WSV Oberweißenbrunn) belegte mit 212 Punkten den 3. Platz der S 12 bis 14.

Beim Springen auf der K 50 wurden die deutschen Seniorenmeister ermittelt. Viele dieser Sportler nehmen ihr Training immer kurz vor den Wettkämpfen auf und sind wirklich als Hobbysportler einzustufen, ihre Leistungen dennoch konstant. Mit fast 73 Jahren der älteste Teilnehmer, sagte Walter Gräf, dass er ein spätberufener Skispringer war. Mit 63 Jahren wagte er seinen ersten Skisprung und ist seither bei diesem Sport geblieben. Er ist kein Unbekannter auf den Kreuzbergschanzen, alljährlich zum Springen um den Kloster-Kreuzbergpokal reist er aus dem zwischen Bad Salzungen und Langensalza gelegenen Tabarz im Thüringer Wald an. Er startete auf der K 30, da sein Trainer, wie er schmunzelnd erwähnte, ihn nicht auf die K 50 gelassen hatte und gewann gegen den 16 Jahre jüngeren Hans-Jörg Hochsattel vom WSV Ilmenau. Erfolgreiche Titelverteidiger in ihrer Klasse waren Gerd Brose vom SV Blau Weiß Dittersbach (Männer 31), Marko Gohlke vom Tabarzer SV (Männer 46) und Maik Fraunlob (SV Blau Weiß Dittersbach, Männer 51). Zur Siegerehrung am Nachmittag hatte der stellvertretenden Landrat Josef Demar einen Scheck des Landkreises mitgebracht, der für den Unterhalt der Kreuzbergschanzen gedacht ist.

Darüber freuten sich die beiden Vereinsvorsitzenden Simon und Beer, Verwendung gäbe es hierfür immer. Am Sonntagvormittag startete das Mannschaftspringen. Platz 1 belegte das Team Harzgerode I (Falko Schmelzer, Jens Jungk und Heiko Hackl, 631,4 Punkte) vor Dittersbach I (Henrik Vogel, Gerd Brose und Michael Dieckmann, 611,1) und Eilenburg I (Tino Koß, Swen Lengwenus, Florian Kunath, 533,8).

Skisprung-Ergebnisse

5-m-Schanze Bambinis: 1. Conrad Vorndran 214,8 Punkte; 2. Amélie von Rosen (beide RWV Haselbach) 195,8; 3. Mia Gohlke (Tabarzer SV) 190,4.

16-m-Schanze Schüler 7 bis 9: 1. Paul-Luis Schmidt (WSV Harzgerode) 188,8; 2. Janis Kansog (WSV Oberweißenbrunn) 184,4; 3. Louis von Rosen (RWV Haselbach) 175,3.

30-m-Schanze Schüler 10/11: 1. Tim Dickas (RWV Haselbach) 203,8; 2. Armin Peter (Tabarzer SV) 202,4; 3. Gregor Dietrich (WSV Harzgerode) 194,4.

Schülerinnen 10/11: 1. Johanna Giersberg (Tabarzer SV) 175,2.

Männer 51 und älter: 1. Walther Gräf (Tabarzer SV) 175,5; 2. Hans-Jörg Hochsattel (WSV Ilmenau) 166,3.

50-m-Schanze Schüler 12 bis 14: 1. Fabian Weißner (Lok Eilenburg) 222,9; 2. Raphael Ostermann (Ski-Club Meinerzhagen) 222,3; 3. Franz Eisenmann (WSV Oberweißenbrunn) 212,8.

Schüler 15 bis Jungen 17: 1. Seokjae Whang (WSV Brotterode) 223,7; 2. Merlin Elske (WSV Harzgerode) 213,5; 3. Paul Günther (Lok Eilenburg) 200,0.

Junioren bis Männer 30: 1. Heiko Hackl (WSV Harzgerode) 235,1; 2. Maximilian Guth (WSV Grüna) 234,3; 3. Patric Eßbach (SV Stützengrün) 229,0; ... 10. Maximilian Lange (RWV Haselbach) 197,0.

Juniorinnen bis Frauen 30: 1. Madeleine Schröder (SV Stützengrün) 197,0; 2. Laura Pilz (Ski-Club Meinerzhagen) 144,0.

Männer 31: 1. Gerd Brose (SV Blau Weiß Dittersbach) 230,9; 2. Matthias Kappes (Ski-Club Meinerzhagen) 221,8; 3. Benjamin Schwab (SG Medizin Bad Elster) 210,7.

Männer 36: 1. Maik Stielow (Tabarzer SV) 187,3.

Männer 41: 1. Jens Jungk (WSV Harzgerode) 214,2; 2. Stephan Kupke 191,6; 3. Tino Koß (beide Lok Eilenburg) 182,0.

Männer 46: 1. Marko Gohlke (Tabarzer SV) 233,9, 2. Falko Schmelzer (WSV Harzgerode) 191,0; 3. Swen Lengwenus (Lok Eilenburg) 181,1.

Männer 51: 1. Maik Fraulob 199,7, 2. Michael Dieckmann (beide SV Blau Weiß Dittersbach) 190,1; 3. Axel Dorn (Tabarzer SV) 179,3.

Männer 56: 1. Henrik Vogel (SV Blau Weiß Dittersbach) 195,8; 2. Frank Schilling (SFV Suhl) 156,1.

Männer 66: 1. Johannes Orschel 177,1, 2. Alfred Stollberg (beide Tabarzer SV) 78,9.

Männer 71: 1. Wolfgang Schramm (Tabarzer SV) 124,6.

Steiler Anstieg bis zum Anlauf der K 50. Den schenken sich die Sportler nicht, obwohl auch eine extra Zufahrt samt Wendeplatz für Fahrzeuge besteht. Foto: Barbara Enders
Mut und volle Konzentration beim Springen auf den Kreuzbergschanzen. Foto: Barbara Enders