NORDISCHE KOMBINATION

Lokalmatador aus dem Spessart

Mutig: Elias Seidl (SC Ruhpolding) fliegt auf der K-30-Schanze in die Tiefe. (3): Barbara Enders Foto: Fotos

Nach der Hitze der letzten Tage waren Temperaturen von 22 bis 25 Grad eine angenehme Abwechslung und geradezu ideal für die jungen Sportler, die zur ersten Veranstaltung des bayerischen Schülercups 2015/2016 zum Kreuzberg gekommen waren. Mit 85 „Adlern“ aus allen bayerischen Skiverbänden war es wieder ein gut besuchter Wettkampf in der nordischen Kombination. Die Organisatoren der beiden Vereine WSV Oberweißenbrunn und RWV Haselbach konnten mit dem Ablauf zufrieden sein. In der Nacht zum Samstag gab es ein starkes Unwetter mit Regen und Wind, das jedoch weder Schanzenanlage noch Laufstrecke beeinträchtigte.

Die jungen Skispringer kamen aus ganz Bayern angereist. Nach einem Lokalmatador aus der Rhön suchte man – fast – vergebens. Es war nur einer am Start: Raoul Haase vom RWV Haselbach vertrat die Farben eines der ausrichtenden Heimatvereine. Raoul war mit seinem Vater Heiko aus Bieber am Rande des Spessarts angereist. Heiko Haase stammt aus Sachsen, lebt jetzt mit seiner Familie nahe Gelnhausen und ist in seiner Jugend selbst gesprungen. Die Anreise zum Training nach Sachsen war ihm zu lange. Er suchte und fand über das Internet den RWV Haselbach mit der von allen Seiten gelobten Schanzenanlage.

Mit knapp 100 Kilometer Anreise können sich die beiden besser anfreunden als mit der 400 km-Strecke nach Sachsen. Bereits mit drei Jahren durfte der heute siebenjährige Raoul das erste Mal über den Schanzenhügel rutschen und er freute sich, in Haselbach an den Start gehen zu können. In Haselbach wurde er auf der K 16-Schanze in der Altersklasse Schüler S 9 mit Sprüngen von sieben und acht Metern Siebter. Und am Ende in der nordischen Kombination Achter.

Der künftige Haselbacher Sprunglauftrainer Maximilian Lange befindet sich zwar noch in der Ausbildung, betreut allerdings an den Wochenenden schon das Sprunglauftraining. Er war auch etwas enttäuscht, dass nicht mehr Kinder aus seiner Gruppe teilnehmen konnten. Jedoch sind einige noch zu jung für den bayerischen Schülercup, andere zogen das Fußballcamp in Bischofsheim vor, das ebenfalls an diesem Wochenende stattfand. Das einzige Rhöner Mädchen im Sprunglauf, Laura Kemmerzell vom WSV Oberweißenbrunn, hat mit dem Sprunglauf abgeschlossen. „Sie hat zu viel Respekt vor der großen Schanze K 50“, sagt ihre Mutter. Zudem wäre diese Sportart altersbedingt für Laura in einem Jahr zu Ende gewesen, so fiel der frühere Abschied nicht schwer.

Das Sprunglauftalent Roman Groß (RWV Haselbach) aus Bischofsheim war an der Kreuzbergschanze anzutreffen, allerdings ohne Skiausrüstung. „Mir tut beim Springen noch alles weh“, berichtete er und zeigte auf die großen Narben an seinem Arm. Er war in der letzten Saison innerhalb kurzer Zeit zweimal schwer gestürzt und hat seine Aktivitäten im Sprunglauf vorläufig eingestellt. Natürlich freute er sich, die Freunde aus ganz Bayern wieder zu treffen. Ob er allerdings noch einmal vom Schanzentisch abhebt, lässt er offen.

So oblag es den Gästen, in der Rhön ihr Können zu zeigen. Christian Frank vom SK Berchtesgaden sprang mit 49 Metern auf der K 50 die größte Weite des Tages und wurde insgesamt Zweiter der Schüler 14/15. Bevor die Starter auf die Laufrunde geschickt werden konnten, kam ein kurzer, aber kräftiger Regenschauer über den Kreuzbergkamm gezogen. Von den starken Windböen, die über die Rhöner Berge und auch durch Bischofsheim wehten, bekam man in dem geschützten Areal der Schanzen nichts mit. Allerdings könnte das der Grund für die geringen Zuschauerzahlen gewesen sein.

Peter Piekenbrock hatte seine achtjährige Tochter Anna (TSV Buchenberg) begleitet. Auch ihm ist aufgefallen, dass die einheimischen Springer fehlen. In seinem 4.000 Einwohner zählenden Heimatort gibt es alleine 20 aktive Springer und weitere, die nicht an Wettkämpfen teilnehmen. „Die Großen ziehen die Kleinen mit.“ Die intensive Jugendarbeit der letzten Jahre mache sich positiv bemerkbar, so dass den Verein derzeit keine Nachwuchssorgen plagen. „Es ist schade, dass auf dieser schönen Anlage nicht mehr Sportler trainieren“, drückt Piekenbrock sein Bedauern aus und auch die Hoffnung, dass es sich wieder ändern möge.

Zur Siegerehrung hatte sich Landrat Thomas Habermann eingefunden, der gemeinsam mit der Vizepräsidentin des bayerischen Skiverbandes Margit Uhrmann, Winfried Pöpperl (Vorsitzender Skiverband Unterfranken) und den Vereinsvorsitzenden Ewald Simon (WSV Oberweißenbrunn) und Michael Beer (RWV Haselbach) die Medaillen überreichte.

Gleich geht's los: Raoul (vorne) und Heiko Haase kurz vor dem Start zum Lauf der nordischen Kombination beim Schülercup. Foto: Barbara Enders
Ohne Skier an den Schanzen: Das Sprunglauftalent Roman Groß (RWV Haselbach) ist nach zwei schweren Stürzen in der vorigen Saison immer noch zum Zuschauen verurteilt. Ob er überhaupt noch einmal vom Schanzentisch abhebt, ist ungewiss. Foto: Barbara Enders