FUSSBALL

Jugendfußballer reden mit

Premiere: Der erste „DFB-Junior-Talk“ für den Spielkreis Rhön wurde im Vereinszimmer des TSV Mellrichstadt veranstaltet,... Foto: Georg Will

Dass Jugendfußballer mitreden und Einfluss nehmen dürfen auf den von Erwachsenen geregelten Spielbetrieb, ist neu beim bayerischen Fußballverband (BFV). BFV-Funktionär Manni Riedl aus Neuburg/Donau ist zu diesem Zweck in insgesamt 24 Spielkreisen Bayerns unterwegs, um beim sogenannten „DFB-Junior-Talk“ in lockerer Runde von den Jugendfußballer zu erfahren, welche Verbesserungsvorschläge und Wünsche von der Basis kommen. Seine Auswertung könnte zu Änderungen im Spielbetrieb und im Spielmodus führen.

Wolfram „Rosti“ Raab, Vorsitzender der 1. JFG Rhön, begrüßte die ohne ihre Trainer und Betreuer erschienenen zwölf Jugendlichen, BFV-Mann Manni Riedl als Moderator, Jugendgruppenspielleiter Thomas Habermann und BFV-Kreisjugendleiter Rainer Lochmüller im Vereinsheim des TSV Mellrichstadt.

Der DFB-Junior-Talk wird in Bayern vom BFV-Verbandsjugendausschuss (VJA), dem Manni Riedl angehört, in die Kreise getragen. Riedl sagte: „Der VJA möchte wissen, wie ihr als Jugendliche den Jugendfußball seht, und wie ihr zu weiteren Themen im Sport steht. Heute könnt ihr sagen, was euch gefällt und nicht gefällt.“ Per Powerpoint-Präsentation projizierte er die Gesprächsthemen an die Wand, um es den Jugendfußballern im Alter von 15 bis 18 Jahren zu erleichtern, sich zu konkreten BFV-Fragen zu äußern. Die erste Frage lautete: Entspricht der angebotene Jugend-Spielbetrieb euren Vorstellungen? Es zeigte sich, dass die Jugendlichen mit der Situation weitgehend zufrieden sind, desgleichen mit dem Spielsystem und seinen Spielklassen. Nicht gut finden sie, wenn Spielgruppen weniger als 12 Mannschaften enthalten. Ihre Erfahrungen im U13-Bereich mit kleinerem Spielfeld und nur neun Spielern beschrieben sie durchweg positiv.

Änderungswünsche hatten die Jungs bei den Anstoßzeiten am Sonntagvormittag um 10.30 Uhr, weil die B-Jugendlichen an Wochenenden oft auf allerlei Veranstaltungen unterwegs sind und häufig erst spät in der Frühe nach Hause kommen. Sie schlugen einen Tausch der Spielzeiten mit den U15-Jugendlichen vor. Riedl entgegnete, dass solche Vorschläge schon in anderen Kreisen gemacht wurden, sich aber aus platz- und spieltechnischen Gründen nur schwer realisieren ließen. Man wolle aber die Anstoßzeiten überprüfen.

Zum Thema „Spiele während der Ferien“ war man sich einig, dass die Ferien an Ostern und Pfingsten weiterhin spielfrei bleiben sollten. Lediglich bei den A-Jugendlichen könne man davon ausgehen, dass sie am Wochenende vor Ferienbeginn noch Ligaspiele durchführen können.

In Sachen Spielgemeinschaften und Jugendfördergemeinschaften (JFG), die immer häufiger gebildet werden (müssen), fragte Riedl nach, ob JFG nur unter dem Gesichtspunkt der Leistungsorientierung gebildet werden sollten, wie es der BFV empfiehlt. Das sahen die Jugendlichen aber nicht so eng. Sie finden JFG gut und sehen sie nicht nur leistungsorientiert. Wichtig sei, dass ein Kader genügend Spieler hat und dadurch die Teilnahme am Spielbetrieb gewährleistet wird. Wenn genügend Spieler für zwei und mehr Mannschaften vorhanden sind, dann sollte man die JFG leistungsorientiert aufstellen.

Der DFB-Stützpunkt als Nachwuchsleistungszentrum befindet sich für unsere Region in Großbardorf. Auf Riedls Nachfrage bekam er die Antwort, dass dieser für sehr gut befunden wird, aber halt nur wenige dazu eingeladen werden können. Riedl fragte weiter, ob sie auch gerne ausgebildete Trainer haben würden. Das fänden sie natürlich gut, vor allem wenn sie nicht nur fachlich, sondern auch menschlich gut sind.

Das noch junge Angebot „DFB-Junior-Coach“ war nicht allen geläufig. Mit dem Talk-Teilnehmer Tobias Konheissner war zufällig einer anwesend, der diese Ausbildung erst kürzlich absolvierte. Dafür war er vom Schulunterricht sogar freigestellt worden. Damit kann er nun schulübergreifend bei Schulsportangeboten und im Sportverein eingesetzt werden zur Unterstützung von Trainern und Übungsleitern. Von BFV-Seite hofft man, dass sich noch mehr Jugendliche für diese Qualifikation zur Verfügung stellen, führte Riedl aus.

Die Jungs wurden auch zum Thema Hallenfußball befragt, der ja von BFV-Seite nur noch als Futsal-Turnier angeboten wird. Wie ihnen denn Futsal gefällt, wollte Riedl wissen. Eine spontane Kurzabstimmung erbrachte zwar eine Mehrheit für den alten Hallenfußball mit Banden und ohne Sonderregeln, aber dennoch fanden sie auch Futsal gut, weil dabei weniger gebolzt wird, die Verletzungsgefahr durch Sonderregeln geringer ist und Balltechnik sowie notwendige Passgenauigkeit für eine bessere Spielkultur sorgen.

Auf „Beach-Soccer“ angesprochen und ob man dafür einen Wettspielbetrieb organisieren sollte, folgte die nüchterne Reaktion, dass dafür wohl zu wenige Spielfelder zur Verfügung stehen, und dass man das eher spontan und „just for fun“ gerne einmal im Freibad spielt. Allerdings hätte ein Beach-Soccer-Turnier im Sommer durchaus seinen Reiz.

Riedl brachte auch noch die geänderten Regeln im Herrenspielrecht in die Diskussion ein, die zum Schutz der Jugendmannschaften eingeführt worden sind (künftig nicht mehr erlaubt für unter-18jährige und den jüngeren U 19-Jahrgang). Einige Jugendliche hielten das für zu starr, hatten aber durchaus Verständnis für diese Neuregelung.

Schließlich fragte Riedl noch nach der Wirkung und Beliebtheit der BFV-Homepage mit dem Liveticker und der BFV-App. Während der regionale Liveticker von den Jugendlichen kaum genutzt wird, kommt die BFV-App sehr gut bei den Jungs an. Mit der Gestaltung des BFV-Internetauftritts zeigten sie sich auch zufrieden. Einen vom BFV angedachten „Jugend-Newsletter“ fanden sie ebenfalls interessant.

Zu guter Letzt wollte Riedl noch wissen, wie der erste „DFB-Junior-Talk“ bei den Jungs angekommen ist. Diese waren sich einig, dass das eine sinnvolle Veranstaltung ist, die möglichst jedes Jahr angeboten werden sollte. Allerdings sollten sich wesentlich mehr Vereine und JFG beteiligen. Das war gleichzeitig eine abschließende Kritik an denjenigen Sportvereinen, die ihre Jugendfußballer nicht über diese Veranstaltung informiert hatten.