BAD BRÜCKENAU

Ein Bulle auf Abwegen

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Das prachtvolle Tier war aus einem Anhänger ausgebrochen und irrte in der Stadt umher. Foto: Jochen Schick

Landwirt Jochen Schick fuhr am Montagvormittag gegen 12 Uhr mit seinem Bullen im Anhänger in Richtung seines Mutterkuhbetriebs in Unterleichtersbach. Dann geschah es: An der Kreuzung am Deutschen Haus in Bad Brückenau auf Höhe des kik schaffte es der Bulle aus unerfindlichen Gründen, die Tür seines Anhängers zu öffnen und auf die vielbefahrene Straße zu laufen. „Ich sah seinen Kopf im Rückspiegel und stieg sofort aus“, berichtet der Landwirt. Er habe schließlich versucht, ihn wieder in den Anhänger zu führen, doch das 800 Kilogramm schwere Tier reagierte verängstigt und entwischte seinem Besitzer.

Das Tier, das „normalerweise ein ganz liebes ist“, sei von der Situation auf der Straße und den Autohupen überfordert gewesen und lief davon in Richtung Krankenhaus. Schick verständigte sofort die Polizei und informierte über die missliche Lage. Mit sieben Beamten in drei Streifenwagen rückte die Polizei nur wenige Minuten später an der Kreuzung an. „Die Situation war besonders in Verbindung mit dem Krankenhaus und der nahegelegenen Grundschule brisant“, erklärt Hauptkommissar Thomas Vöth.

Das Tier hatte sich bis dahin auf den nahe gelegenen Parkplatz der Capio Franz von Prümmer Klinik gerettet. „Dort lief er seelenruhig und scheinbar unberührt von der Situation zwischen den Autos umher“, berichtet Augenzeuge Patrick Pinkau, Technischer Mitarbeiter des Krankenhauses. Er zückte sein Smartphone und filmte die skurrile Situation. „Das hätte mir ja sonst niemand geglaubt“, sagt er. Aggressiv habe er in dieser Situation nicht gewirkt. Die Videobilder, die mittlerweile im Netz kursieren, betätigen seine Aussage. Nach einem Abstecher an der Tür der Notaufnahme lief der Bulle in aller Ruhe weiter. Die Autos auf der Bahnhofstraße verunsicherten ihn vermutlich so sehr, dass er über die Kreuzung in Richtung Buchwaldstraße irrte. Die Polizei sperrte den Verkehr an der Kreuzung und in der Düsseldorfer Straße ab. „Die Situation war gefährlich, weil jederzeit Fußgänger auftauchen konnten“, sagt Hauptkommissar Vöth. Aus diesem Grund informierte die Polizei nur wenige Minuten später das Sekretariat der Grundschule.

Sofort reagiert

Konrektorin Carolin Erb-Heyne reagierte sofort. Die Erst- und Zweitklässler, die alle bis 12.15 Uhr Unterricht hatten, mussten in den Klassenzimmern bleiben. Die Lehrer verständigten die Elternsprecher, die es gleich in die Klassen-WhatsApp Gruppen schrieben. Die Schüler seien daraufhin teilweise von den Eltern im Schulhaus abgeholt worden oder nach Entwarnung mit dem nächsten Schulbus nach Hause gekommen. „Insgesamt hat das reibungslos funktioniert und die Eltern wurden – dank der neuen Medien – umgehend informiert“, sagt Erb-Heyne.

Der junge Bulle war mittlerweile durch die Beamten in die Jahnstraße unterhalb der Grundschule getrieben worden. Von dort aus gelangte er auf eine Wiese oberhalb des Felsenkellers, wo er bis zum Eintreffen des Jagdpächters wenige Minuten später blieb. Ein herbeigerufener Tierarzt stand ebenfalls bereit.

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„Der Tierarzt hätte aber keine Chance gehabt, das Tier zu betäuben“, ist sich der Landwirt sicher. Der aufgeregte Bulle habe so unter Adrenalin gestanden, dass die Betäubung nicht angeschlagen hätte. Für Schick war deshalb und vor allem aus Sicherheitsgründen klar: Der Bulle musste aus dem Verkehr gezogen werden. Ein gezielter Schuss des Jägers reichte aus, um den tragischen Ausflug nach einer halben Stunde zu beenden. Für den Landwirt entstand dabei ein Schaden von 6000 Euro. Alle anderen sind mit dem Schrecken davongekommen.