NIEDERLAUER

K.-o.-Tropfen im Glas?

K.O.-Tropfen
Getränke nie aus den Augen lassen, das rät der Weiße Ring. Unser Symbolbild stammt aus einer Kampagne gegen K.o.-Tropfen./dpa Foto: Achim Scheidemann

Gamma-Hydroxy-Butyrat, kurz GHB, ist ein Mittel, das man in der Partyszene auch als Liquid Ecstasy kennt. Als „Vergewaltigungsdroge“ sorgt es immer wieder für Schlagzeilen, denn GHB wirkt je nach Menge euphorisierend, macht aber auch schläfrig, führt zu Verwirrtheit, Gedächtnisstörungen oder auch zur Bewusstlosigkeit.

Zwei Vorfälle in Niederlauer und Reichenbach wecken nun Besorgnis: Wurden hier zwei junge Frauen Opfer dieser K.-o.-Tropfen? Es ist sehr schwierig, den Nachweis für den Missbrauch von GHB zu führen. Denn GHB baut sich im menschlichen Körper sehr schnell ab, so dass Mediziner kaum eine Chance haben, Blut oder Urin auf den Stoff zu testen. Und oft werden die K.-o.-Tropfen in Diskotheken eingesetzt – einem Ort, an dem bekanntermaßen Alkohol getrunken wird. Betroffene wissen oft anfangs nicht, ob ihr benebelter Zustand auf Alkohol oder auf die unwissentliche Einnahme des Betäubungsmittels zurückzuführen ist.

Ein Vater aus dem Landkreis hat den Verdacht, dass seiner 16-jährigen Tochter in der Eventhalle „Gleis 13“ in Niederlauer K.-o.-Tropfen ins Glas geträufelt wurden. Seine Tochter sei am ersten Februar-Wochenende mit Freunden ins „Gleis 13“ gegangen. Gegen 23 Uhr meldete sich eine Freundin der Tochter telefonisch. Die berichtete, das Mädchen habe sich auf der Toilette übergeben und sei total weggetreten. Das Mädchen wurde nach Hause gefahren. „Meine Tochter war wirklich total weggetreten – das lässt sich mit zu viel Alkohol nicht erklären“, erzählt der Vater. Den alkoholtypischen Kater habe das Kind am nächsten Tag nicht gehabt. „Meine Tochter sagt, sie habe nicht mehr als die zwei Gläser Wein getrunken und ich glaube ihr das.“ Der Vater vermutet, dass GHB der Auslöser für ihren Zustand gewesen ist. „Mir ist wichtig: Wir können das nicht beweisen und wollen auch niemanden verdächtigen – aber wir sind von K.-o.-Tropfen überzeugt.“

Auch ein Fall in Reichenbach?

Marcel Reichert ist der Geschäftsführer von „Gleis 13“. „Wir hatten vor Monaten so einen Verdachtsfall, aber von diesem Vorfall höre ich jetzt das erste Mal.“ Normalerweise bekäme er mit, wenn jemand auf die Verantwortlichen in „Gleis 13“ zukomme und von derlei Vorfällen berichten würde. „Wir veranstalten seit 15 Jahren Events, doch ein richtiges Thema war das noch nie.“ Am Einlass gebe es Körperkontrollen, sagt Reichert. „Aber wenn jemand ein Fläschchen dabeihat, ist es für uns schwer, das zu entdecken.“ Um die Gäste sicherer zu machen, hat er sich mit seiner Marketingabteilung zusammengesetzt. „Die Kollegen suchen gerade nach Armbändern. Ins Glas getaucht, verfärben die sich, wenn GHB zugesetzt worden sein sollte.“

Diese Armbänder bietet beispielsweise auch der Drogerie-Markt dm an. Das Armband ist weiß und besteht aus Papier. Bei Verdacht gibt man einen Tropfen der Flüssigkeit auf eines der Testfelder auf dem Papierstreifen. Verfärbt er sich, enthält sie K.-o.-Tropfen.

In Reichenbach wurde Ende des Jahres eine große Jugendparty gefeiert. Auch hier gab es eine junge Frau, die völlig weggetreten erschien. Verantwortliche kümmerten sich um sie. Einer von ihnen, der seinen Namen nicht nennen will, erhob den Verdacht: Da waren K.-o.-Tropfen im Spiel. „Mit zu viel Promille war deren Zustand nicht zu erklären“, sagte er gegenüber der Redaktion. Auch die Freundinnen der jungen Frau hätten übereinstimmend gesagt, dass die Betroffene nicht zu viel getrunken habe.

Fälle von durch K.-o.-Tropfen willen- oder bewusstlose Opfern werden bei der Polizei nicht extra registriert. „Aber der Phänomenbereich ist uns natürlich bekannt“, sagt Philipp Hümmer vom Polizeipräsidium Würzburg. In den letzten Jahren habe es zwar Anzeigen im jeweils einstelligen Bereich zum Thema GHB gegeben. Aber: „In keinem Fall gelang der Nachweis von K.-o.-Tropfen in Blut oder Urin.“ Das könnte zwei Gründe haben. Der eine: Es wurden keine K.-o.-Tropfen verwendet und der Zustand der Betroffenen lag im Alkoholmissbrauch begründet. Der andere Grund: GHB hat sich zu schnell abgebaut, als dass im Labor noch Spuren in Blut oder Urin gefunden werden konnten. (sw)