SCHWEINFURT/BAD NEUSTADT

Freund verhindert Vergewaltigung

Ende Juli 2018 macht die junge Frau (21) einen Spaziergang vom Ortsrand Richtung Wald. Der Angeklagte ruft „sexy, sexy“, sie antwortet „nix sexy, sexy“. Sie bemerkt aber, dass der 22-Jährige ihr folgt, ruft per Handy ihren Freund an, weil sie sich belästigt fühlt, und bittet ihn, zu kommen. Er wohnt nicht weit entfernt von dem Ort. Die 21-Jährige weist den Aufdringlichen zurück und „klatscht ihm eine“, wie sie sagt, aber ohne großen Erfolg. Er holt seinen Penis heraus. Am Waldrand holt er sie ein, zieht ihr Rock und Unterhose herunter und versucht in sie einzudringen. So schildert es die junge Frau am Mittwochmorgen vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt.

Der Freund bekommt einen Schlag ins Gesicht

Als er sie gerade derart bedrängt, kommt ihr telefonisch zu Hilfe gerufener Freund (29) dazu, zieht den jungen Mann von seiner Freundin weg – und bekommt von diesem einen Schlag ins Gesicht. Die Lippe blutet. Der 29-Jährige geht zu Boden, rappelt sich nach wenigen Sekunden der Benommenheit wieder auf und versetzt dem Angreifer und potenziellen Vergewaltiger ebenfalls einen heftigen Schlag ins Gesicht, so dass dieser stark aus dem Mund blutet.

In diesem Moment kommt ein Autofahrer vorbei, fragt, was da los sei. Der Typ habe versucht, seine Freundin zu vergewaltigen, sagt der 29-Jährige. Der Zeuge ruft die Polizei, die eine Viertelstunde später vor Ort ist und den 22-Jährigen festnimmt. Seither sitzt er in Schweinfurt in Untersuchungshaft und muss sich jetzt wegen versuchter Vergewaltigung, Körperverletzung sowie zweier Fälle von exhibitionistischen Handlungen verantworten. Im Kurpark von Bad Neustadt soll er am Tag davor vor zwei Frauen sein Glied entblößt und onaniert haben.

Zum Geldverdienen nach Deutschland

Zum Prozessauftakt schweigt der Angeklagte zu all diesen Vorwürfen. Nur zu seinem Werdegang sagt er etwas. Demnach wurde er 1996 in Rumänien geboren, hatte einen „hochaggressiven“ alkoholsüchtigen Vater, wurde in ein Waisenhaus gegeben und später dort rausgeschmissen, weil er öfters in Schlägereien verwickelt gewesen sei. Im Juni 2018 sei er nach Deutschland gegangen, um Geld zu verdienen, sei aber vom Betreiber eines Imbiss-Restaurants in Bad Neustadt nicht bezahlt worden. Nur wenig später landete er im Gefängnis.

Zwei Frauen schildern als Zeuginnen, wie der Angeklagte sie zwei Tage vor dem mutmaßlichen Vergewaltigungsversuch im Kurpark unter der psychosomatischen Klinik als Exhibitionist belästigt habe. Auch nachdem sie ihn entdeckt hatte, habe dieser sich ungeniert weiter befriedigt. „Angeekelt“ seien sie davon gewesen und hätten sich längere Zeit nicht mehr alleine nach draußen getraut.

Hatte der Angeklagte ein Messer dabei?

Die 21-Jährige und ihr 29-jähriger Freund sagen ferner aus, bei dem Vergewaltigungsversuch habe der Angeklagte zeitweise auch mit einem Messer mit schwarzem Griff herumgefuchtelt. Es wurde am Tatort allerdings keines gefunden. „Vielleicht hat er es vorher im Acker verbuddelt“, meint der 29-Jährige. Der Prozess wird am Montag, 1. April, fortgesetzt. (fan)