Mellrichstadt

Zuwachs bei den Rottmanns: Wildschwein Bacon hat Appetit auf Mehlklöße

Es gibt nichts Leckereres als eine Ration Milch. Bacon genießt die tägliche Fütterung. Foto: Björn Hein

Der quirlige Bacon hat ein borstiges Fell. Wenn Robert Rottmann dem kleinen Frischling darüber streichelt, so grunzt das kleine Wildschwein zufrieden und man merkt, dass er sich sehr wohl fühlt. Wenn er dann noch seine tägliche Ration Eier, Banane und gekochte Kartoffeln bekommt, dann ist das Tier fast schon im Schweinehimmel. "Was er aber noch mehr mag, sind die Mehlklöße, die er von meiner Frau hin und wieder bekommt", sagt Robert Rottmann fröhlich. Die ganze Familie hat den Frischling in ihr Herz geschlossen und er ist zu so etwas wie einem Familienmitglied geworden.

Doch so ein kleines Wildschwein ist kein Haustier, das man nach Belieben halten kann. Dass Bacon überhaupt zu den Rottmanns kam, hat eigentlich einen traurigen Hintergrund. "Thorsten Kuhles, ein Bekannter von mir, der Jäger ist, hat den Frischling zu mir gebracht. Er bat mich darum, dass ich mich um ihn kümmere", erzählt Rottmann. Denn Bacon hatte seine Mutter verloren, ohne menschliche Hilfe wäre er ganz sicher gestorben. "Ich habe den Frischling nur genommen, weil ich darum gebeten wurde", so Rottmann. Niemals hätte er ein Tier aus der Natur entnommen, denn das wäre Wilderei gewesen. Zudem wäre es sehr gefährlich, einen Frischling seiner Mutter wegzunehmen. Kommt diese in Rage, dann heißt es, die Beine in die Hand zu nehmen.

"Pflegevater" eines Frischlings

Dass Jäger Kuhles gerade auf Robert Rottmann als "Pflegevater" für den Frischling kam, hat einen guten Grund. "Mein Vater hatte eine Schweinezucht, schon als kleines Kind war ich oft im Stall und habe hier mitgeholfen", erinnert sich Rottmann zurück. "Natürlich ist ein Wildschwein aber schon etwas anderes als ein Hausschwein", gibt er zu bedenken.

Robert Rottmann und Frischling Bacon verstehen sich ausgezeichnet. Foto: Björn Hein

Mitte April kam Bacon zu den Rottmanns, da war er etwa zwei Wochen alt. Seit damals bekommt er morgens und abends eine spezielle Aufzuchtsmilch per Spritze eingeflößt. "Dieses Ritual behalten wir noch bei. Aber mittlerweile nimmt er überwiegend feste Nahrung zu sich", sagt Robert Rottmann. Bacon liebt es über alles, mit dem Rüssel den Boden zu durchstöbern und Käfer, Engerlinge und Würmer zu verspeisen.

"Natürlich hat der Frischling seine Eigenarten, so wie jedes Lebewesen", hat Bacons Besitzer die Erfahrung gemacht. Mit jetzt zwei Monaten kommt der Frischling so langsam ins Teenie-Alter und mosert schon herum, wenn ihm etwas nicht passt. Ein wichtiger Bezugspunkt für Bacon ist der Yorkshire-Terrier Jack, einer der beiden Hunde der Rottmanns. "Wenn ich spazierengehe, nehme ich beide mit. Bacon orientiert sich an Jack. Das bedeutet, wenn ich nach dem Hund pfeife, dann läuft der Frischling auch wieder zurück zu mir", sagt Rottmann und lacht.

Von wegen "saudumm"

Schweine sind alles andere als "saudumm", wie ihnen der Volksmund gerne nachsagt. "Sie sind vielmehr hochintelligent und haben einen besseren Geruchssinn als Hunde", hat Rottmann beobachtet. Wildschweine sind außerdem sehr gelehrig und machen auch Platz und Sitz, wenn man es ihnen beibringt. "Ich finde es sehr schade, dass Schweine in unserer Gesellschaft nur als Nahrungsmittel gesehen werden". Und sie haben ihren eigenen Kopf, wie Bacon immer wieder beweist. Die Rottmanns hat der kleine Frischling ins Herz geschlossen. "Als meine Frau drei Tage lang auswärts war und wieder zurückkam, hat Bacon sie freudig begrüßt. Ihm scheint es hier sehr gut zu gefallen", meint Rottmann.

Wenn Bacon gefüttert wird, ist natürlich auch Yorkshire-Terrier Jack nicht weit entfernt. Foto: Björn Hein

Dennoch gibt sich der Mellrichstädter nicht der Illusion hin, dass ein Wildschwein ein Schoßtier ist. "Mit zunehmendem Alter können die Keiler mit ihren Hauern recht gefährlich werden, auch wenn sie das gar nicht beabsichtigen", weiß Rottmann. Gerade dann, wenn sie wie Bacon nicht kastriert sind. Aus diesem Grund würde Robert Rottmann den kleinen Frischling am liebsten dorthin geben, wo er Kontakt zu seinen Artgenossen hat, beispielsweise in einen Wildpark.

Auch wenn das der Familie schwer fallen würde, für den Frischling wäre es das Beste. Leider hat Robert Rottmann noch keinen Wildpark gefunden, der Bacon aufnehmen würde. "Wenn sich hier keiner findet, dann behalten wir ihn. Auch wenn er recht arbeitsintensiv ist: zu Knacker oder Bratwurst wird Bacon definitiv nicht verarbeitet", sagt Rottmann mit seinem robusten Humor.

Auswildern ist nicht mehr möglich

Damit bei der Schweineaufzucht auch alles seine Richtigkeit hat, ist Bacon beim Veterinäramt gemeldet und hat eine eigene Betriebsnummer. Tagsüber wohnt er im Hundezwinger, nachts kommt er in den geräumigen Motorradkeller. Auswildern kann man den kleinen Frischling nicht mehr. Dazu hat er sich zu sehr an die Menschen gewöhnt. Das fröhliche Grunzen, wenn Robert Rottmann ihn streichelt, zeugt von dem großen Vertrauen, das Bacon seinen Besitzern entgegenbringt.

Sollte ein Wildpark oder eine ähnliche Einrichtung Interesse daran haben, Bacon aufzunehmen, so kann er sich über Mike.bert@gmx.de mit Robert Rottmann in Verbindung setzen.