Mellrichstadt

Wenn Fotografin auf Maler trifft

Die Ausstellung "Fotografie & Malerei" wurde in der Kreisgalerie eröffnet. Im Bild die Fotografin Anna Paczynska und der Maler Uwe Harreck, umrahmt von (von links) Bürgermeister Michael Kraus, Dr. Astrid Hedrich-Scherpf von der Kreiskulturagentur und stellvertretender Landrätin E... Foto: Brigitte Gbureck

Ein Kreis ausgewählter Gäste hatte sich in der Kreisgalerie eingefunden, um der Ausstellungseröffnung des Malers Uwe Harreck und der Portraitfotografin Anna Paczynska beizuwohnen. Bürgermeister Michael Kraus dankte den Geschwistern Weißhaupt aus Heilbronn für die wunderbare musikalische Eröffnung und hieß die Gäste zu seiner ersten Ausstellungseröffnung als Bürgermeister in der Kreisgalerie willkommen. Nach diesen ungewöhnlichen Wochen und Monaten würden die Räume wieder voll und ganz im Zeichen der Kunst zur Verfügung stehen.

Künstler brauchen eine Plattform

Besonders freute er sich, die beiden Künstler aus Weimarschmieden begrüßen zu dürfen. Er finde es spannend, wenn Kunstwerke den Ort ihrer Entstehung verlassen. Oft würden sie an ihrem neuen Wirkungsort ein überraschendes Eigenleben entfalten. Um Kunst sichtbar werden zu lassen, bräuchten Künstler eine Plattform. Ihm sei sehr bewusst, dass Mellrichstadt mit der Kreisgalerie ein kulturelles Kleinod habe und er hoffe, dass diese Ausstellungsreihe regelmäßig fortgesetzt werde. 

Für stellvertretende Landrätin Eva Böhm war es eine besonders große Freude, diese Ausstellung mit eröffnen zu dürfen, wenn auch anders als gewünscht. Froh und erleichtert sei sie gewesen, dass im Landkreis ab 11. Mai Museen und andere Einrichtungen wieder öffnen konnten. Astrid Hedrich-Scherpf und ihr Team hätten einiges mehr im Hintergrund zu leisten gehabt, als der Besucher wahrnehme. Und man könne sich über die gute Entwicklung, die die Kreisgalerie seit drei Jahren genommen habe, sehr freuen. Die Besucherzahl habe sich um das Dreifache erhöht.

Dr. Astrid Hedrich-Scherpf sah man die Freude an, sich wieder mal zu treffen. Normalerweise würden Künstler immer so kombiniert, dass beide im Hauptraum zur Geltung kommen, sagte sie. Wenn aber eine Fotografin auf einen Maler treffe, sei das nicht unbedingt möglich, aufgrund unterschiedlicher Motive, Gestaltung, Technik und Aussage. Dieses Mal würden die Künstler ihre Werke jeder für sich in den eigenen Räumen präsentieren.

Lebensfreude wie bei Paul Cézanne

Das Bild "Landschaft" von Uwe Harreck zierte auch die Einladungskarte zur Ausstellungseröffnung. Foto: Brigitte Gbureck

Uwe Harreck setze sich mit dem Thema Landschaft auseinander. Zunächst sei die reale Landschaft sichtbar, könne aber auch als Seelenlandschaft verstanden werden. Malen bedeute für ihn nicht nur Kolorieren, sondern vielmehr Modellieren. Harreck, 1968 in Karl-Marx-Stadt geboren, ist 2002 in die alte Schule in Weimarschmieden gezogen und ist seit 2003 freiberuflicher Maler. Nach einem Intermezzo in Südfrankreich ist er 2013 nach Deutschland zurückgekehrt. Auf zwei Werke machte Hedrich-Scherpf besonders aufmerksam. Zum einen das gelbe Bild "Landschaft". Das Bild wecke Assoziationen zu Paul Cézanne, auch seine Bilder würden Lebensfreude ausstrahlen. Das Bild "Morgen in der Gasse" fange beim Blick aus dem Fenster mit frischen Farben das erste warme Morgenlicht ein.

Was für Uwe Harreck die Landschaft sei, sei für Anna Paczynska das Portrait. Bei ihr stehe der Mensch immer im Mittelpunkt. Dass ein Portrait Ähnlichkeit zum Realen aufweist, werde einfach vorausgesetzt. Authentizität und Lebensnähe machten ungebrochene Faszination aus. 1984 in Slupsk geboren, hat Anna Paczynska ein Studium der Slawistik an der Universität Stettin und ein Studium an der Fotoakademie in Krakau absolviert. In Frankreich und Fulda war sie an Ausstellungen beteiligt. Seit 2009 lebt sie in Weimarschmieden.

Sensibel, feinsinnig und provokant

"Agnieczka" heißt dieses Portrait von Anna Paczynska. Foto: Brigitte Gbureck

Sensibel, feinsinnig und provokant nutzt sie das Medium Fotografie und inszeniert Portraits. Ausgewählte Farbtöne spielen eine wesentliche Rolle. Zwei Portraits hängen im Gang der Galerie. Eines davon ist "Agnieszka", ein dargestelltes Dreiviertel-Portrait. Der Blick ist nicht auf den Betrachter gerichtet, sondern geht aus dem Bild hinaus. Das schwarze Gewand, um die Person drapiert, verhüllt die Körperlichkeit, streckt den Charakterkopf. Subtil und geheimnisvoll, gibt die Dargestellte nicht alles von ihrer Persönlichkeit preis.

Nach dem offiziellen Teil hatten die Besucher Gelegenheit, sich in Ruhe die Werke der beiden Künstler anzusehen oder auch im Garten den Austausch zu suchen.

Die Ausstellung ist noch bis 11. Oktober 2020 zu sehen, Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Sonntag und an den Feiertagen jeweils von 13 bis 17 Uhr.