Mellrichstadt

Reich GmbH: Wie Mitarbeiter zu Fachkräften werden

Umschüler Florian Bader an einer Drehmaschine in der Ausbildungswerkstatt der Reich GmbH in Mellrichstadt. Foto: Franziska Kern

Weiterbildung ist in der modernen Arbeitswelt ein elementarer Faktor der beruflichen Qualifikation. So starteten neben den neuen Auszubildenden am 1. September 2020 auch sechs langjährige, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Reich GmbH mit einer Umschulung zum Maschinen- und Anlagenführer.

Die Überlegungen zu Umschulungsmaßnahmen begannen bereits im Herbst 2019 mit dem Besuch der Qualifizierungsberaterin der Agentur für Arbeit bei der Reich GmbH, teilt das Mellrichstädter Unternehmen mit. Bei diesem Termin informierte sie über neue Qualifizierungsmöglichkeiten im Rahmen des seit dem 1. Januar 2019 verabschiedeten Qualifizierungschancengesetzes.

Ziel der Reich GmbH ist es, das Unternehmen durch die Umschulungsmaßnahme gut für die Zukunft aufzustellen und engagierte Mitarbeiter zu zukünftigen Fachkräften im Rahmen einer abschlussorientierten Weiterbildung weiterzuentwickeln. Dabei hat sich das Unternehmen für eine Umschulung zum Maschinen- und Anlagenführer in einer Kleingruppe von sechs Teilnehmern entschieden, die zu einem anerkannten IHK-Abschluss führt. Die Teilnehmer durchlaufen ihre Umschulung dabei in verkürzter Zeit, das heißt, anstatt der 24 Monate stehen ihnen nur 16 Monate zur Verfügung.

Die Maßnahme wird von der Agentur für Arbeit begleitet und auch finanziell unterstützt. Sie richtet sich an angelernte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über keine oder eine fachfremde Ausbildung verfügen, beispielsweise als Maler und Lackierer oder Fachkraft für Lager.

Mitarbeiter befragt: Wer will an der Maßnahme teilnehmen?

Nachdem das Grobkonzept unter anderem zu Ausbildungsberuf, Teilnehmerzahl und Umschulungszeitraum stand, fand eine Informationsveranstaltung für die Führungskräfte statt, in welcher diese über die Vorhaben der Produktions-, Ausbildungsleitung und Personalabteilung informiert wurden. Die Führungskräfte sprachen daraufhin interessierte Mitarbeiter mit fachfremden Ausbildungen auf die Umschulungsmöglichkeit an. Diese Mitarbeiter wurden wiederum zu einer Informationsveranstaltung eingeladen und nahmen an einem Berufseignungstest zum Maschinen- und Anlagenführer teil.

Im Fall der Reich GmbH wird diese Umschulung in Kooperation mit dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft gGmbH durchgeführt und setzt sich aus drei Bausteinen zusammen: der Fachtheorie, der Fachpraxis und der Betrieblichen Lernphase. So übernimmt das auf die Erwachsenenbildung spezialisierte Bildungswerk die Vermittlung der Theorieinhalte, die Auszubildende üblicherweise in der Berufsschule erhalten. Dies geschieht in zur Verfügung gestellten Schulungsräumen auf dem Betriebsgelände der Reich GmbH. Die Fachpraxis mit den Inhalten Drehen, Fräsen und Handfertigkeiten wird in der Ausbildungswerkstatt unter Aufsicht von Ausbildungsleiter Klaus Diemar vermittelt. Die betriebliche Lernphase durchlaufen die Umschüler an den Maschinen in ihrer Fachabteilung, in der sie bisher eingesetzt waren. Mithilfe von Lehraufträgen erhalten sie hierbei neue Einblicke in die Maschinenbedienung.

Florian Bader: Weiterbildung nach sieben Jahren an der Maschine

Florian Bader ist einer dieser Umschüler. Der gelernte Tüncher ist seit über sieben Jahren bei der Reich GmbH als Maschinenbediener in der CNC-Fertigung beschäftigt. Florian Bader hat sich für diese Umschulung zum Maschinen- und Anlagenführer entschieden, da er sich mit seiner ursprünglich fachfremden Ausbildung auf diesem Weg weiterbilden möchte. So erlernt er durch das Arbeiten an der Drehbank neue Handfertigkeiten sowie den Umbau von Maschinen, die er zuvor jahrelang bedient hat. Dennoch stellt er fest, dass die Umschulung natürlich auch Herausforderungen mit sich bringt und er sich zunächst erst wieder an den Schulalltag gewöhnen muss. Florian Bader ist aber überzeugt, dass dieser Schritt sich für ihn lohnen wird – beruflich wie auch persönlich.