Bad Neustadt

Standpunkt: Tiefe Spuren hinterlassen

Ein vertrauter Platz im Rathaussaal für Michael Weiß. Daneben (von links) der neue geschäftsleitende Beamte Christoph Neubauer und Bürgermeister Michael Werner. Foto: Christian Hüther

Es schien ein vertrautes Bild zu sein, wie es in den vergangenen 33 Jahren zuhauf zu sehen war. Der geschäftsleitende Beamte der Stadt Bad Neustadt, Michael Weiß, sitzt im Rathaussaal neben dem Bürgermeister der Stadt. Normal war diese emotionale und bewegende "Sondersitzung" aber für keinen der Beteiligten. Erst recht nicht für Weiß selbst, der die Sitzung diesmal nicht vorbereiten oder leiten musste. Er war in der würdigen Verabschiedungsfeier der Hauptakteur.

Und das war ihm, wenn man ihn genau beobachtete, nicht immer ganz geheuer. Während der Ausführungen seiner politischen Weggefährten schüttelte er ab und an den Kopf. Das ist für Weiß, wie er auch selbst zugibt, nicht ungewöhnlich, wenn er in der Vergangenheit die Meinung beispielsweise eines Mitglieds aus dem Stadtrat nicht wirklich teilte. An diesem Tag war es ihm aber schlichtweg hier und da unangenehm, alleine das Lob für seine Arbeit einzuheimsen.

Es spricht bei den Verdiensten, die Michael Weiß über drei Jahrzehnte für Bad Neustadt zweifelsohne geleistet hat, für ihn, dass er die jahrelange fruchtbare Zusammenarbeit mit den Kollegen in den Vordergrund stellte. Und, dass er auch die schwierigen Zeiten nicht unter den Tisch kehrte.

"Der große Weiß der Stadt", wie Bürgermeister Michael Werner ihn nannte, blieb sich mit seiner Eigenschaft als Mann der klaren Worte treu - bis zur letzten Sitzung. So ließ er es sich nicht nehmen, Stellung zu Zukunftsthemen in der Stadt, wie einer möglichen Seilbahn oder dem Fronhof-Projekt zu beziehen. Kaum vorstellbar, dass er das nicht auch fortan machen wird - dann eben in geselliger Runde auf dem Marktplatz statt im Rathaus.

Michael Weiß hat tiefe und nicht gerade kleine Spuren in Bad Neustadt hinterlassen. Nicht erst mit dem Rückzug von Bruno Altrichter vom Chefsessel hat im Rathaus ein Generationswechsel, eine neue Zeit in der Führungsetage der Stadt begonnen. Nun ist es an den "jungen Wilden" dafür zu sorgen, dass die Entwicklung von Bad Neustadt weiter positiv voranschreitet. Nicht nur wegen der Corona-Auswirkungen derzeit wohl kein allzu leichtes Unterfangen.