Bad Neustadt

Landkreis Rhön-Grabfeld bekennt sich zum Klimaschutz

In seinem Vortrag zum Klimaschutz und den Klimazielen verwies Kreisrat Eberhard Räder (Bündnis 90/Die Grünen) unter anderem auf Bad Königshofen, die trockenste Gemeinde Bayerns im Jahr 2018. Foto: Hanns Friedrich

"Der Landkreis Rhön Grabfeld bekennt sich zu den Klimazielen des Pariser Klimaabkommens und empfiehlt, auch in Zusammenarbeit mit den Gemeinden alles zu unternehmen, um diese Ziele zu erreichen." So lautete der Vorschlag von Landrat Thomas Habermann zum Vortrag von Kreisrat Eberhard Räder (Bastheim) über den Klimaschutz und die Klimaziele in Rhön-Grabfeld bei der Sitzung des Ausschusses für Umwelt- und Naturschutzfragen.

Damit soll sich auch der neue Manager im Rahmen des Arten- und Klimaschutzes im Landkreis befassen. Eberhard Räder (Bündnis 90/Die Grünen) bat, das Thema in den Fraktionen zu besprechen und dem Kreistag dann vorzulegen. Der Landkreischef verwies allerdings darauf, dass durch die Empfehlung des Ausschusses die Verwaltung des Landkreises bereits tätig werden kann: "Wir wissen, was wir wollen und gehen es auch an." Dies wurde ohne eine Gegenstimme angenommen.

Räder hatte auf das Pariser Klimaabkommen aus dem Jahr 2015 verwiesen, das auch von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert wurde. Für Rhön-Grabfeld bedeute dies, dass der Landkreis auch aktiv werden sollte. Die Vereinbarung von Paris sieht unter anderem die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad vor. Eine Überblickstudie aus dem Jahr 2018 mache jedoch deutlich, dass bereits das 2-Grad-Ziel nicht ausreichen könnte, um irreversible Schäden zu verhindern. Er plädierte dafür, dass in Rhön-Grabfeld der Ausbau der regenerativen Energien, vor allem Photovoltaik und Windkraft, voran gehen sollte.

Bedrohliche Lage durch Wassermangel und Schädlinge

Er nannte Bad Königshofen als 2018 trockenste Gemeinde Bayerns. Hinzu komme, dass der Wald schon heute durch Wassermangel und Schädlinge in einer extrem bedrohlichen Lage sei. Außerdem sei die Trinkwasserversorgung in Gefahr, denn die Brunnen drohten auszutrocknen. Man könne heute schon sagen, dass die Temperaturen in Afrika in einigen Jahren so hoch sein werden, dass dort keine Menschen mehr leben können. Millionen würden sich dann eine neue Heimat suchen müssen: "Die Flüchtlingswelle war dagegen ein laues Lüftchen."

Vor 36 Jahren habe eine geheime Shellstudie den Klimawandel, wie er sich heute darstellt, vorhergesagt. Das wurde damals nicht bekannt und man verlor Zeit, um das Thema in Ruhe anzugehen. Eberhard Räder: "Wir müssen der jungen Generation dankbar sein, dass sie diese Thematik so entschieden vorantreibt und uns alle herausgefordert hat." Wichtig sei es daher, auf Windkraft und Photovoltaik zu setzen. Auf die Fläche des Landkreises herunter gebrochen nannte er  572 Megawatt Strom durch Windkraft und 1144 Megawatt durch Photovoltaik.

"Klimaneutralität ist technisch möglich"

In Rhön-Grabfeld geschehe nach Meinung von Eberhard Räder bereits einiges, so durch die Sparkasse, das Überlandwerk Rhön und viele andere, vor allem auch durch die Bürgerinnen und Bürger sowie die Politik. Klimaneutralität sei technisch möglich, allerdings sei dies auch eine Frage des politischen Willens.

Unterstützung erfuhr Eberhard Räder durchwegs. So auch von den Freien Wählern. Deren Fraktionssprecher Eberhard Streit machte sich stark dafür, aktiv zu werden und sich zu fragen, was man im Landkreis tun könne. Dazu gehöre unter anderem, eigene Anlagen zu betreiben. Zudem müssten Industrie und Handwerk die Umweltauflagen erfüllen. Im eigenen Zuständigkeitsbereich, so Eberhard Streit, sollte alles getan werden, um die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens umzusetzen. Das unterstrich auch Kreisrat René van Eckert, Fraktionssprecher der SPD. Er bat, dieses Thema in den Fraktionen noch einmal zu beraten.

Habermann: Der Landkreis ist verpflichtet, aktiv zu werden

Daniela Mültner (CSU) appellierte daran, sich die Ausführungen von Eberhard Räder zu Herzen zu nehmen. "Wir sind von der Bevölkerung gewählt, um für unsere Umwelt im Landkreis zu arbeiten." Carmen-Sita Kronester (Bündnis 90/Die Grünen) fügte an: "Wir haben Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger." Landrat Thomas Habermann machte deutlich, dass es unverantwortlich sei, was in der Welt derzeit passiere. Als Landkreis sei man verpflichtet, etwas zu tun und auch politisch aktiv zu werden.

Kurz griff er das Thema Windkraft auf und sagte, dass es nicht zielführend sei, dieses Thema zu emotionalisieren. Man solle nicht den Konfliktweg gehen. Wichtig, so Eberhard Räder abschließend, sei es, dass sich der Landkreis zum Klimaschutz bekenne. Es gelte, ein Signal zu setzen und das müsse vom Ausschuss ausgehen, fügte Eberhard Streit an.