Bad Neustadt

Glosse: Verkehr(t)

Dürre, Seuche, Rattenplage: In der Heimat läuft vieles verkehrt. Der Verkehr zum Beispiel. Unsere Granden sind ja bekanntlich gegen alles: gegen Windkraft, gegen SuedLink, gegen Nationalpark. Aber kaum kommt so einem Beamten im Straßenbauamt vor lauter Langeweile die Idee, die B 279 dreispurig auszubauen, sind alle dafür. Und wie! Wegen der Lkw!

Dass man nicht ewig immer mehr Zeug durch die Welt karren kann, dass Güter ja eigentlich auf die Bahn gehören, glaubt bei uns niemand. Worthülsen für Sonntagsreden! Was wurde noch gleich aus der geplanten Bahnlinie Schweinfurt-Fulda? Ach ja, sie kommt 2030 in den Bundesverkehrswegeplan. Wow! Und wenn man den "Scheuer Andi" (CSU), unseren genialer Verkehrsminister, noch lange genug herumstümpern lässt, dann ist auch im Jahr 2050 der deutsche Abschnitt der EU-Bahn-Trasse noch nicht fertig, auf der Güter künftig durch den Brenner Basistunnel rollen. Der Berliner Flughafen lässt grüßen.

Tag für Tag wälzt sich eine stinkende Blechlawine durch unser schönes Industriestädtchen. Die romantische Innenstadt, die schönsten Plätze - alles voll Autos. Was für eine Verschwendung! Und was für Autos! Hässliche, grotesk aufgeblasene Hausfrauenpanzer. Keine Eleganz, keinen Stil - nichts. Schon der Begriff "Stadtgeländewagen" wirkt unfreiwillig komisch. Typisch Automobilindustrie: Zuerst durch Werbung den Wunsch nach Produkten wecken, die kein Mensch braucht und sich hinterher herausreden, man produziere doch nur, was "die Trottel" verlangten.

Virologen behaupten, die Erderwärmung erhöhe das Risiko von Pandemien. Trotzdem halten CSU-Granden zunehmenden Straßenverkehr auch im 21. Jahrhundert noch für Fortschritt. Ihre Verkehrspolitik folgt einem schlichten Schema: Zuerst baut man so viele Straßen wie möglich. Die verstopfen nach einer Weile, weshalb man sie "ausbaut". Und zum Schluss kommt die neue Autobahn. Das nennt die CSU "Entwicklung".

So läuft das seit dem Zweiten Weltkrieg. Konservative Politiker sind fest entschlossen, unseren schönen Planeten zu Grunde zu richten, um veraltete Arbeitsplätze in der Automobilindustrie am Leben zu halten. Etwas anderes fällt ihnen nicht ein. Sie sind eben von Gestern. Das prägt! Jahrzehntelang haben sie in Rhön-Grabfeld die Modernisierung des Öffentlichen Nahverkehrs verschnarcht. Jetzt soll ein "ÖPNV-Premiumprodukt" alles richten, der "Grabfeldbus". Die Machbarkeitsstudie läuft bereits. Du liebe Güte! "Und wenn ich wirklich gar nichts weiß, dann gründ' ich einen Arbeitskreis!" Das war gestern. Heute gibt man Studien in Auftrag.

Was ist eigentlich aus der Studie zur Belebung der Innenstadt geworden? Man hört gar nichts mehr davon. Und was ist mit der Campus-Seilbahn? Wo doch immer mehr Herschfelder ein Verkehrskonzept fordern. Drei Autos pro Familie, aber ein Konzept fordern! Als ob sie selber eines hätten. Es gibt kein Verkehrskonzept. Es gibt zu viele Autos. Die Hälfte davon müsste von der Straße. Mindestens. Und die Herschfelder Zufahrt in die Von-Guttenberg-Straße müsste durch eine Schranke gesperrt werden. Wozu gibt's schließlich die NES 20?

Aber nichts von all dem wird unter den Schwarzen jemals umgesetzt. Gar nichts. Corona zeigt, dass sich manche Probleme nicht durch Konzepte lösen lassen, sondern nur durch Katastrophen. Warum ging der weltweite Flugverkehr denn um 70 Prozent zurück? Warum? Wegen "Fridays for Future"? Lächerlich! Corona hat geholfen.

"Design or Desaster?" Verschwörungstheoretiker behaupten ja, unsere "Schwarzen" seien gar nicht so blöd. Ungebremste Hypermobilisierung sei der Schritt in die richtige Richtung. Der Schritt in Richtung "Desaster"! Man muss sich das vorstellen.