Glosse: Apokalypse Now

Die Heimat ist auch in Zeiten von Corona gut aufgestellt. Die "Verdopplungszeit" der erfassten Infektionen liegt schon bei fünf Tagen. Zu Beginn der Krise waren es noch drei. Weiter so! Das Ziel: zehn Tage. Als Faustregel gilt: Verdopplungszeit mal zehn ergibt die Zeit, in der sich die Zahl der Angesteckten vertausendfacht. In 50 Tagen wäre es soweit, also etwa um den 20. Mai herum.

Aber keine Panik! In der Heimatzeitung erschien kürzlich ein Artikel, in dem es um historisch belegte Epidemien ging. Ganz offensichtlich sichelten und mähten Seuchen früher noch viel verheerender rings um unser schönes Industriestädtchen. Oft traten sie zusammen mit anderen "apokalyptischen Reitern" auf, etwa dem Hunger oder dem Krieg. "Ein Unglück kommt selten allein" oder wie es der Ureinwohner ausdrückt: "Der Teufel scheißt auf'n grosse Haufe!"

Im Mittelalter deuteten die Menschen geballtes Unglück nicht selten als Zeichen dafür, dass das Ende der Welt nahe sei. Kam dann auch noch ein astronomisches Phänomen wie beispielsweise ein Komet dazu, steigerte sich die Gesellschaft in eine regelrechte Untergangshysterie, was Vertretern der Kirche gar nicht so ungelegen kam. "Tuet Buße!", lautete dann die Devise. Gut, dass wir heute in einer aufgeklärten Welt leben. Der moderne Mensch lässt sich nicht so schnell bange machen.

Wirklich nicht? Komisch ist das alles ja schon, finden Sie nicht? Erlebte Australien vor Corona nicht die größten Waldbrände seiner Geschichte? Wurde Nordafrika nicht von einer Heuschreckenplage geradezu biblischen Ausmaßes heimgesucht? War nicht der letzte Winter, einer der wärmsten, der jemals gemessen wurde? Stürzte nach einem Erbeben in Zagreb nicht die Spitze des Südturms der Kathedrale ein? Dann die vielen Flüchtlinge, die Kriege, die Dürre, der Plastikmüll in den Ozeanen.

Ausgerechnet! Die Zeichen mehren sich. Und beobachten Astronomen nicht seit einigen Monaten, dass sich der Hauptstern des Orion, die über 600 Lichtjahre entfernten Beteigeuze, zunehmend verfinstert? Die Wissenschaftler rechnen in Kürze mit einer Explosion von kosmischem Ausmaß, einer sogenannten "Nova". Sie wäre sogar am helllichten Tag mit bloßem Auge sichtbar. Alles Zufall? Hundertprozentig! Papst Franziskus glaubt nicht an Hokuspokus. Er beweist, dass sich die katholische Kirche seit der Aufklärung zum Guten verändert hat. Er erklärte unmissverständlich, dass "Corona" eben keine Strafe Gottes sei.

Man mag zum Thema "Ablass" stehen wie man will, aber der "Generalablass", den der Papst im Rahmen von "Urbi et Orbi" auf dem menschenleeren Petersplatz in Rom ausgesprochen hat, stellt für Kranke und Sterbende ein Zeichen der Hoffnung dar, das Mut macht. Man ist zurzeit geradezu stolz darauf, zum "Verein" zu gehören, bzw. katholisch zu sein. Welche andere Konfession verfügt über derartig wort- und bildgewaltige Symbole?

Dass es auch anders geht, beweist Ralph Drollinger, der Chef des "Bibelkreises" im Weißen Haus. Dieser stramme "Evangelikale" hat das Ohr von Donald Trump. In seinem "Manifest" benennt er ohne Umschweife die "Dämonen", die schuld daran sein sollen, dass Gott jetzt ausgerechnet Amerika straft: Chinesen, Homosexuelle - und Umweltschützer. Das ist leider kein Witz. God bless America! Willkommen im Mittelalter!

Aber auch in den USA leuchten noch Lichter in der Finsternis. Die Johns Hopkins University zum Beispiel, die uns täglich mit den neuesten Pandemie-Daten versorgt. Auf einer Skala von 1 bis 10 stuft sie das Coronavirus bei ihrem Apokalypse-Ranking nur bei 4+ ein. Geradezu harmlos! Zum Vergleich: Der Klimawandel belegt Platz 9. Die Begründung überzeugt: Corona-Viren bedrohen "nur" Menschen. Man muss sich das vorstellen!