Bad Neustadt

Bio-Schulverpflegung: Fördern ja, zwingen nein

Landrat Thomas Habermann ist zwar ein Befürworter von Bio-Verpflegung an den Schulen, sagte aber bei der Sitzung des Ausschusses für Bildung, Schule, Sport und Gesundheit, dass man niemand dazu zwingen werde. Öko-Modellmanagerin Corinna Ullrich stellte im Ausschuss ein Konzept für die Umsetzung von zunächst 30 Prozent Bioware in der Schulverpflegung im Landkreis vor. Dies wäre an den drei Gymnasien Bad Neustadt, Bad Königshofen und Mellrichstadt möglich, wo der Landkreis Sachaufwandsträger ist. Corinna Ullrich hatte sich bei den Schulen kundig gemacht.

In Bad Königshofen liefert ein Caterer aus Bad Kissingen etwa 80 Essen am Tag und das zur allgemeinen Zufriedenheit. Schüler zahlen 3,50 Euro, Lehrer 3,90 Euro. Das Cateringunternehmen ist interessiert an der Bio-Schiene, verweist jedoch darauf, dass das Unternehmen rund 2000 Essen am Tag produziere. Um eine eigene Bio-Schiene aufzubauen, bräuchte es mehr Interessenten. Umfragen hätten ein "vorsichtiges Interesse" ergeben. Das Gymnasium Mellrichstadt wird von einer ansässigen Metzgerei bedient, die die Küche im Gymnasium kostenfrei nutzt. Gekocht wird für das Gymnasium, die Mittelschule und Kindergärten. Insgesamt werden in Mellrichstadt 150 Essen am Tag für Schulen und Kindergärten gekocht. Im Kindergarten ist man aufgeschlossen für Bio, allerdings müssten Mehrkosten vom Träger übernommen werden, da die Eltern kaum bereit wären, mehr zu zahlen.

Am Gymnasium Bad Neustadt nehmen zwischen 30 und 35 Schüler das Essen an.  Als alles noch frisch gekocht wurde, waren es mehr. Ein  Caterer beliefert das Gymnasium, allerdings sind Lehrer und Schüler teilweise unzufrieden mit dem Essen. Die Schule ist mit einer professionellen Küche ausgestattet, die allerdings nicht genutzt wird. Laut Abfrage der Lehrkräfte vom Juni 2020 wären 41 von 63 wieder an Essen in der Schulmensa interessiert - bei frischer Küche und verbessertem Angebot. Corinna Ullrich befragte auch Mitarbeiter am Landratsamt: 18 Mitarbeiter würden ein Angebot der "Frischeküche" gerne nutzen, davon sind demnach 12 interessiert an Bio-Qualität.

Im Rhön-Gymnasium soll wieder gekocht werden

Zu den aktuellen Lohnkosten für das Landratsamt für die Essensausgabe sagte Corinna Ullrich, dass hier pro Jahr 8046 Euro anfallen. Die Essensausgabe am Rhöngymnasium subventioniert das man im Moment mit 1,50 Euro pro Essen. Mit der gleichen Summe für Wareneinsatz könnte ein Bio-Essen zubereitet werden. Ullrich schlug deshalb vor, wieder eine "Frischküche" am Gymnasium Bad Neustadt einzurichten. Wichtig wären frische, regionale Zutaten, ein Bioanteil von 50 Prozent Bioanteil, ein reduziertes Fleischangebot, dafür eine vegetarische Alternative. Die Öko-Modellmanagerin schlug vor, am Gymnasium Bad Neustadt ab dem neuen Schuljahr Personal vom Landkreis einzustellen und eine eigene Frischeküche vor zu halten.

Am  Gymnasium Mellrichstadt sei der Caterer dem Biogedanken gegenüber aufgeschlossen. Am Gymnasium Bad Königshofen könnte der Vertrag mit dem aktuellen Caterer um ein weiteres Jahr verlängert werden. Bis zum Halbjahr müsste klar sein, ob der Caterer spätestens im Schuljahr 2021/22 Biokost anbieten kann. Denkbar wäre später auch eine Belieferung durch die Küche des Rhön-Gymnasiums in Bad Neustadt.

Dr. Kerstin Vorndran, Schulleiterin des Rhöngymnasiums, sagte, dass sie selbst Vegetarierin sei. In ihrer Schule würden sich 50 Prozent der Kinder vegetarisch oder vegan ernähren. "Wir brauchen gutes Essen für unsere Kinder", ist ihr wichtig. Kreisrat Frank Helmerich (Bad Königshofen) sagte, dass es schwer sei, einen Koch für die Küche des Gymnasiums zu finden. Er sprach auch den Neubau der Grundschule in Bad Königshofen an, die über eine eigene Mensa verfügen soll. "Das wäre der Todesstoß für die Mensa am Gymnasium", vermutet er. Den regionalen Bezug unterstrich Egon Friedel von der SPD-Fraktion.

Papier für die Schulen kommt aus Neuseeland

Unter Punkt Verschiedenes sprach Frank Helmerich das Papier an, das in den Schulen des Landkreises verwendet wird. Er habe festgestellt, dass es aus Neuseeland komme. Er frage sich, ob das sein müsse und es nicht im Landkreis einen Lieferant gebe. Das werde man überprüfen, versprach Landrat Habermann. Hingewiesen hat Frank Helmerich auf die Dreifachturnhalle in Bad Königshofen, die für öffentlichen Sport geöffnet werden sollte, vor allem dann, wenn kein Schulunterricht stattfinde. Dagegen spreche sich jedoch die Dr.-Karl-Grünewald-Realschule aus. "Das kann nicht angehen, das ist eine kreiseigene Halle und die kann von der Bevölkerung genutzt werden", sagte der Landrat. Schule und Vereine müssten auf Augenhöhe miteinander kooperieren.