Bad Neustadt

Glosse: COVID-19

Wenn Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Recht behält, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch in der Heimat in Rhön-Grabfeld erste Corona-Fälle auftreten. Er vertritt die optimistische Einschätzung, dass Deutschland "am Beginn einer Epidemie" steht. So sieht's aus.

Gut, dass wir zur "Gesundheitsregion Bayerisches Bäderland" gehören. Gut, dass wir den Campus haben. Die profitorientierte Rhön-Klinikum AG ist gut aufgestellt. Bei Verdacht auf COVID-19 könnte man Patienten, die zu "Heim-Quarantäne" verdonnert wurden, problemlos telemedizinisch "versorgen". Zuhause. Das spart Kosten. Die Krise als Chance!

Seuchen sind etwas ganz Natürliches. Es gab sie schon immer. Genau wie Klimawandel. Also keine Panik! Denn auch wenn die Zahl der Infizierten demnächst durch die Decke schießt: Das Corona-Virus verursacht eine schwere Grippe - und nicht die "Schwarze Pest". Nach den bisher gesammelten Erfahrungen überstehen sie die meisten Menschen problemlos. Kein Grund für apokalyptische Prognosen.

Kleinreden lässt sich das Problem allerdings auch nicht. Wer hätte gedacht, dass sich eine Woche vor der Kommunalwahl kein Mensch mehr für dieses "Top-Thema" interessiert? Denn ob der künftige Chef im Landratsamt unseres schönen Industriestädtchens nun Raschert heißt oder meinetwegen Habermann: an der aufziehenden Pandemie ändern beide nichts. Gar nichts! COVID-19 zeigt, wie fragil unsere Komfortzone ist, wie schnell unsere Machbarkeits-Träume platzen. So kann's gehen!

Und stellen Wahllokale nicht sogar ein Risiko dar? Sollte man Menschenansammlungen jetzt nicht meiden? Soll man einen Stift in die Hand nehmen, den vorher schon tausend andere in ihren dreckigen Fingern hatten? Und werden die Klebestreifen der Briefwahlumschläge nicht mit Spucke angefeuchtet? Igittigitt!

Dann müssten die Wahlhelfer beim Auszählen ja Schutzanzüge tragen und die möglicherweise konterminierten Stimmzettel umgehend verbrennen. Das dürfen sie aber nicht. Laut Wahlgesetz muss man sie aufbewahren. Für die Nachzählung! Wäre es da nicht besser, die ganze "Gaudi" zu verschieben? Aber wie lange? Die "Spanische Grippe" wütete von 1918 bis 1920. Wo man hinschaut: Probleme! Und die medizinischen sind ja noch die geringsten.

Mal Klartext: Jeder hat schon persönliche Krisen durchlebt. Aber "kollektive Krisen" noch nie! Die sind etwas ganz anderes. Damit haben wir keine Erfahrung. Krisenregionen waren immer ganz weit weg. Wir kennen sie bisher nur aus den Nachrichten. Dazu kommt, dass soziale Netzwerke schon lange vor COVID-19 zu einer Hysterisierung der Gesellschaft geführt haben. Nicht nur "Helikopter-Muttis" drehen jetzt völlig durch. Längst kursieren wilde Verschwörungstheorien. Sie wirken wie Gift.

Wenn wir nicht aufpassen, zeigen sich bald die alten Reflexe. Für die Pest machte man im christlichen Abendland die Juden verantwortlich. Auch bei COVID-19 werden rechte Spinner Sündenböcke suchen. Und finden! Schon jetzt geben Quacksalber aller Couleur im Netz Tipps, wie man sich "schützen" kann. Von Ingwer-Tee ist da die Rede, von Sulfur D30, von viel Obst und Gemüse. "Juppheidi und juppheida! Schnaps ist gut bei Cholera" Alles Quatsch! Gegen COVID-19 ist kein Kraut gewachsen. Noch nicht.

Unsere Granden versuchen derweil abzuwiegeln. Was sollten sie auch sonst tun? Aber gerade diese "Jetzt-bloß-keine-Panik-Panik" macht ganz "kirre", finden Sie nicht? Schon werden bei Aldi die Nudeln knapp. Und das Toilettenpapier! Darf man eigentlich über alles Witze reißen? Unbedingt! Humor ist, wenn man trotzdem lacht. TROTZDEM! Er ist die beste Medizin. Zum Schluss lacht keiner mehr. Dann hilft nur noch Galgenhumor. Man muss sich das vorstellen.