Bad Neustadt

Bürger entscheiden über geplante Wohnanlage

Ob eine Wohnanlage unter Erhalt des Wäldchens (links) an der Von-Guttenberg-Straße gebaut werden kann, liegt jetzt nicht mehr allein an den Investoren und der Stadt, sondern auch an der Entscheidung der Bürger. Foto: Stefan Kritzer

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens "Nein zum Bebauungsplan Nördlich der Von-Guttenberg-Straße" haben es geschafft. Der Stadtrat hat einstimmig die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens festgestellt und einen Termin für einen Bürgerentscheid ausgerufen. Am 16. Februar 2020 sind alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt gefragt, ob sie einer Änderung des Bebauungsplans zu Gunsten einer großen Wohnanlage zustimmen. Im Stadtrat hat derweil der zuständige Architekt neue und wesentlich schlankere Planungen für das Projekt vorgelegt.

1206 gültige Unterschriften

Die Stadt hat die bei der Bürgerversammlung in Herschfeld Anfang November an Bürgermeister Bruno Altrichter übergebene Unterschriftenliste geprüft. Insgesamt 1206 Unterschriften wurden in gültiger Weise abgegeben, lediglich 33 konnten nicht hinzugerechnet werden, wie der geschäftsleitende Beamte der Stadt, Michael Weiß, in der Stadtratssitzung ausführte. Um das Bürgerbegehren möglich zu machen, müssen neun Prozent der wahlberechtigten Bürger die Liste unterschrieben haben. Das wären zum Stichtag 8. November dieses Jahres 1066 Unterschriften gewesen. Somit konnten die Initiatoren um Hartmut Schmutz, der in der Stadtratssitzung als Zuhörer anwesend war, die geforderte Zahl um 140 Unterschriften überbieten.

Der Stadtrat stellte einstimmig die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens "Nein zum Bebauungsplan Nördlich der Von-Guttenberg-Straße" fest und machte so den Weg für einen Bürgerentscheid frei. Dieser wird am 16. Februar 2020 stattfinden. Eine Zusammenlegung mit der im März stattfindenden Kommunalwahl wäre rein rechtlich nicht möglich gewesen. Auch darf die Frist zwischen Bürgerbegehren und Bürgerentscheid nicht länger als drei Monate betragen, was ebenfalls gegen einen Bürgerentscheid im März spricht.

Vier statt fünf Häuser, 96 statt 140 Wohnungen

Vor dem Tagesordnungspunkt Bürgerbegehren und Bürgerentscheid hatte der Stadtrat aber ebenso einstimmig die Bebauungsplanänderung für das Gebiet "Nördlich der Von-Guttenberg-Straße" auf den Weg gebracht. Das Büro Baurconsult aus Haßfurt wurde mit den Planungen beauftragt. Zuvor hatte Architekt Martin Eckert aus Würzburg, einer der Investoren der möglichen Wohnanlage, die modifizierten Planungen für das Projekt ausführlich vorgestellt. "Wir haben die Anliegen der Bürger sehr ernst genommen", sagte Eckert rückblickend auf einen Ortstermin. "Die neueren Planungen tragen nun den Sorgen der Mitbürger Rechnung."

Nicht mehr fünf Häuser mit 1- bis 2-Zimmerwohnungen, sondern nunmehr vier Häuser mit 1- bis 4-Zimmerwohnungen will die Investorengemeinschaft entlang der Von-Guttenberg-Straße bauen. Von den ursprünglich avisierten fünf Häusern mit insgesamt mehr als 140 Wohnungen und 7500 Quadratmeter Wohnfläche rücken die Investoren ab. Jetzt sollen lediglich vier Häuser mit 96 Wohnungen und alle direkt an der Von-Guttenberg-Straße gelegen gebaut werden. Gesamtwohnfläche: 5870 Quadratmeter. Noch kleiner geht nach Auskunft von Eckert aber nicht, um die Wirtschaftlichkeit des Projektes zu sichern.

Das kleine Wäldchen soll erhalten bleiben

"Von der Maßstäblichkeit ist die neue Anordnung der Häuser etwas ganz anderes", sagte Eckert. Vor allem soll das kleine Wäldchen am Übergang zur bestehenden Bebauung beinahe komplett stehen bleiben und auch optisch die Wohnanlage zurücknehmen. Von Herschfeld blickend, sollen die Häuser laut Eckert kaum zu sehen sein, lediglich von höheren Standpunkten aus. Neu in der Planung sind auch eine Reihe größerer Wohnungen mit bis zu vier Zimmern, unter anderem auf der höchsten Etage als Penthousewohnung. Statt bislang zwei, soll nun eine Tiefgarage ausreichen. Für Gäste sollen zusätzlich 15 Parkplätze oberirdisch gebaut werden, eine freiwillige Leistung der Investoren in Anbetracht der prekären Parkplatzsituation an der Von-Guttenberg-Straße.

Dritter Bürgermeister Karl Breitenbücher lobte die geplante Anlage als verdichteten Wohnraum, der Fläche im Vergleich zu Einzelhäusern spart. Breitenbüchers Frage nach dem Energiekonzept der Wohnanlage konnte Eckert noch nicht schlussendlich beantworten. Die Wohnanlage nach neueren Planungen benötige aber kein Regenrückhaltebecken mehr, da die begrünten Dächer viel Wasser aufnehmen könnten und die Bodenversiegelung im Vergleich zu den ersten Planungen stark zurückgenommen worden sei.

"Mir geht es um den Standort", sagte Gudrun Hellmuth. "Die Planung gefällt, aber warum gerade an dieser Stelle?", so die Stadträtin aus Herschfeld. Stadtrat Peter Högn wollte wissen, ob der kleine Wald dann auch dauerhaft Bestand haben wird. Eine Frage, die weder der Architekt noch der Bürgermeister beantworten konnten. "Ein Bebauungsplan kann in der Zukunft immer geändert werden", so Altrichter. Bastian Steinbach würdigte die "deutliche Verbesserung der Planungen" durch die Investorengemeinschaft.