Saal

Grabfeld-Allianz: ÖPNV zukunftsorientiert gestalten

Die Ergebnisse der Umfrage und der Beratungen des Arbeitskreises ÖPNV der Grabfeld-Allianz übergab Allianz-Sprecher Jürgen Heusinger bei der Lenkungsgruppensitzung am Mittwoch an Landrat Thomas Habermann im Beisein von Stephan Helmrich (links), Wolfgang Seifert und Ronald Ziegler... Foto: Regina Vossenkaul

Die Gesellschaft verändert sich und damit auch die Anforderungen an den ÖPNV. Die Grabfeld-Allianz hat darauf reagiert und eine Bürgerbefragung durchgeführt mit dem Ziel, das Angebot zu verbessern und den echten Bedürfnissen anzupassen. Die Ergebnisse wurden bei der jüngsten Lenkungsgruppensitzung in Saal im Beisein von Landrat Thomas Habermann und dem Nahverkehrsbeauftragten des Landkreises, Ronald Ziegler, vorgestellt.

Von 5000 ausgeteilten Fragebögen kamen 441 zurück, das entspricht einer Quote von 8,8 Prozent. Die Kernstadt Bad Königshofen wurde nicht befragt, weil sie bereits gut angebunden ist. Die meisten Antworten kamen aus Sulzfeld, Saal, Merkershausen, Trappstadt und Aubstadt. Die Altersgruppen 31 bis 50 Jahre, 51 bis 65 Jahre und über 65 Jahre waren fast gleich vertreten mit 26 bis 27 Prozent. 9,5 Prozent der Antwortenden bezeichneten sich als "körperlich eingeschränkt".

Interesse nach besseren Verbindungen nach Schweinfurt und Bad Neustadt

Die Berufsgruppen wurden abgefragt, außerdem der Bedarf an Fahrten zu Ärzten, Apotheken, Banken, zum Friseur, zum Einkaufen, zu kulturellen Veranstaltungen, zur Schule oder Ausbildungsstätte oder zum Arbeitsplatz. Die Verbesserung der Verbindungen nach Schweinfurt und Bad Neustadt bezeichnete jeweils rund die Hälfte der Antwortenden als "von großem Interesse", die Verbindungen nach Hildburghausen und Ebern waren von geringem Interesse, die nach Coburg immerhin für 67 Menschen von großem Interesse. Ungefähr ein Drittel der Befragten wünschten sich eine Verbesserung des ÖPNV am Abend und an den Wochenenden sowie ein Taxiangebot.

Was zu den Ergebnissen gehört, ist die Kritik der Berufsschüler, die teilweise sehr frühe Verbindungen nach Münnerstadt, Bad Kissingen oder Schweinfurt wählen müssen, um pünktlich im Unterricht zu sein. Probleme bereiten auch die Abstimmungen mit den benachbarten Verkehrsverbänden - die Schüler der Montessori-Schule in Schweinfurt kommen nach Schulende mit dem Bus nur bis Oberlauringen - und mit den Bahn-Abfahrtszeiten in Bad Neustadt, Schweinfurt und Coburg. Schwierig seien auch die derzeit angebotenen Fahrzeiten für die Schichtarbeiter in Bad Neustadt (Rhön-Klinikum Campus) und Schweinfurt, hieß es. Die Preise wurden kritisiert und weitere Verbesserungsvorschläge gemacht.

Einrichtung einer Grabfeld-App?

Ein Arbeitskreis, zu dem auch interessierte Bürger eingeladen waren, übernahm die Auswertung. Mit dabei waren Allianzsprecher Jürgen Heusinger, Projektmanagerin Silvia Schmitt, Bürgermeister Wolfgang Seifert, Marlene Rudloff, Daniela Hauke und Stephan Helmrich. Sie haben Vorschläge für Routen und Taktung ausgearbeitet. Viele Strecken (Schulbusse ausgenommen) könnten mit Neun-Sitzer-Bussen abgedeckt werden, für die kleineren Fahrzeuge würde man auch eher Busfahrer finden, hieß es. Eine Wochenend-Rufbereitschaft wäre wichtig, gute Öffentlichkeitsarbeit, für die Zukunft die Einrichtung einer Grabfeld-App, in der man Fahrten anmelden kann und das Einbeziehen der Elektromodellstadt Bad Neustadt durch einen Feldversuch mit Elektro- oder Hybridbussen.

Die Ergebnisse überreichte Heusinger an Landrat Habermann, der die Vorarbeit als "sehr wertvollen Input" bezeichnete. Der Landkreis habe bereits das Planungsbüro Cobra mit der Fortschreibung des ÖPNV beauftragt, dort werde die Analyse einfließen. Er kann sich ein Pilotprojekt Grabfeld gut vorstellen, immerhin sei die Politik momentan bereit mehr in den ÖPNV zu investieren und die Menschen seien bereit ihr ökologisches Verhalten zu überdenken. Ein angebotsorientiertes und kein bedarfsgerechtes Konzept wünscht er sich als Ergebnis, denn bedarfsorientiert würde Nullwachstum bedeuten, so Habermann. Man müsse ein gutes, zukunftsfähiges Modell erstellen, die Finanzierung werde sich dann finden. Er sprach auch die Forderung nach dem 365-Euro-Ticket an und die Auswirkungen einer freien Streckenwahl für die Schüler auf die Schulsprengel.

Forderung nach Entschädigungsfonds

Bürgermeisterin Angelika Götz hatte einen Brief an die Landesregierung vorbereitet, den alle Bürgermeister nach Durchsicht voraussichtlich unterschreiben werden. Darin fordert sie angesichts der immensen Kosten, die in den Gemeinde- und Privatwäldern durch die Trockenheit und die Schädlinge entstehen, einen Entschädigungsfonds, wie er auch an Landwirte gezahlt wurde. Ein weiterer Antrag, den die Allianz-Bürgermeister stellen werden, bezieht sich auf die Zuschüsse für den Bau von Leitungen für Trinkwasser. Die Bauarbeiten und die Endabrechnung müssten laut "RZWas" 2021 fertig sein, das sei nicht zu schaffen, erläuterte Bürgermeister Emil Sebald. Es wird um eine Verlängerung der Frist gebeten. Auch der Landrat sagte seine Unterstützung zu. Bürgermeister Wolfgang Seifert erneuerte seine Forderung nach einem zweispurigen Ausbau der Zufahrt zur Autobahn.

In einem Rückblick wurde der erfolgreiche Verlauf der Aktion "Türen auf" betrachtet, die diesmal zwei Anwesen in der Gemeinde Sulzdorf betraf. Beide Gastgeber wurden für ihre guten Vorbereitungen gelobt, sie haben viele Fragen beantwortet und Tipps gegeben. Die nächste Aktion soll im Bereich Saal/Wülfershausen stattfinden.

Keltenradweg durch das Grabfeld 

Besprochen wurde außerdem ein möglicher Keltenradweg, der in Thüringen bereits ausgeschildert ist. Er soll über Trappstadt, Eyershausen und Ipthausen nach Bad Königshofen weiterführen und dort enden. Susanne Volkheimer vom Tourismusverband Haßberge berichtete vom Keltenerlebnis-Wanderweg, der bereits existiert. Es muss noch geklärt werden, an welche vorhandenen Radwege der Kelten-Radweg anschließen könnte (Steigerwald- und Werratal-Radweg), wer die Ausschilderung und Pflege übernimmt und vieles mehr.