Mellrichstadt

„Mein Leipzig lob´ ich mir“

Die Teilnehmer vor der Gustav-Adolf-Gedenkstätte in Lützen. Foto: Waltraud Kihn

Kirchenchors der Gustav-Adolf-Kirche auf Reisen

Wie nahezu in jedem Jahr ging der Kirchenchor der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche in Mellrichstadt wieder einmal auf Reisen. Man hatte sich diesmal die Stadt Leipzig als Reiseziel ausgesucht. Zum einen deshalb, weil man die Veränderungen in der Stadt sehen wollte, die sich seit früheren Besuchen des Chores ergeben hatten. Zum anderen, weil hier an jedem Samstag ein musikalischer Hochgenuss geboten wird: die „Motette in der Thomaskirche“, an diesem Tag gestaltet vom Thomanerchor und dem Gewandhausorchester Leipzig unter der Gesamtleitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz.

Einen ersten Stopp gab es aber schon bei Lützen kurz vor Leipzig: Hier befindet sich die Gustav-Adolf-Gedenkstätte, nahe der Stelle, an der der Schwedenkönig im Dreißigjährigen Krieg den Tod fand. Und so war es selbstverständlich, dass der Chor der Gustav-Adolf-Kirche die Reise für einen Besuch dieses Denkmals unterbrach. Wurde Gustav Adolf doch später der Namensgeber für die evangelische Kirche in Mellrichstadt.

Der Bus setzte die Fahrgäste ab am Schwanenteich hinter der Oper; von da war es nicht weit bis zum Augustusplatz. In Leipzig begrüßten dann die „Glockenmänner“ auf dem Kroch-Hochhaus die Gäste mit einem kräftigen Schlag. Beeindruckend und völlig verändert im Vergleich zum Besuch vor einigen Jahren präsentierte sich der Neubau der Universität mit dem „Paulinum“, das an die Universitätskirche St. Pauli erinnern soll. Die Universitätskirche, in der schon Martin Luther gepredigt hatte, wurde aus politischen Gründen nach einer nur teilweisen Sicherung des wertvollen Inventars 1968 gesprengt.

Das nächste Ziel war die Nikolaikirche, die älteste und größte Kirche in Leipzig. Sie war der Ausgangspunkt der friedlichen Revolution in der DDR. Noch heute gibt es jeden Montag die Friedensgebete, die in den 1980er Jahren unter dem Motto standen: „Schwerter zu Pflugscharen“

Und stand der Höhepunkt an: Die Motette! Nach der Begrüßung durch die Pfarrerin wurde das Konzert durch den Thomasorganisten Ullrich Böhme eröffnet mit dem Choralvorspiel „Großer Gott, wir loben dich“ und „Benedictus“ aus der Feder von Max Reger, der 1907/1908 Universitätsmusikdirektor in Leipzig und 1911 Hofkapellmeister in Meiningen wurde. Daran schloss die Motette von Felix Mendelssohn Bartholdy an, von 1835 bis 1847 Gewandhauskapellmeister in Leipzig, gesungen vom Thomanerchor und Solisten, begleitet von Musikern des Gewandhausorchesters.

Von Heinrich Schütz, seit 1617 Hofkapellmeister in Dresden, war die Motette „Ich bin ein rechter Weinstock“ zu hören und anschließend von Max Reger „Wir glauben an einen Gott. Johann Sebastian Bach, Thomaskantor 1723-1750, komponierte „Der Geist hilf unser Schwachheit auf“. Nach dieser Motette folgte eine Lesung und der Choral „Mit Freuden zart zu dieser Fahrt“, abwechselnd gesungen von Chor und Gemeinde. 

Angefüllt mit zahlreichen Eindrücken traten die Mellrichstädter schließlich die Heimreise an, wobei sie noch einen Blick auf die letzte Sehenswürdigkeit an diesem Tag warfen, auf das monumentale Völkerschlachtdenkmal.