Wargolshausen

Windpark in der Schwebe: Was sagen die Klimaschützer?

Wird am Windpark Wargolshausen/Wülfershausen nun weitergebaut oder nicht? Foto: Eckhard Heise

Nun ist es also Gesetz, dass nach der bayerischen Bauordnung der Windpark zwischen Wargolshausen und Wülfershausen nicht so zu Ende gebaut werden darf, wie er begonnen wurde. Die Reaktion auf die letzte Abstimmung im Landtag fällt naturgemäß bei Befürwortern und Gegnern unterschiedlich aus. 

Die beiden Projektanten der RegioE2 wollten sich auf Anfrage der Redaktion zu der Entscheidung nicht äußern, Investor Enercon will erst an diesem Donnerstag einen Stellungnahme abgeben. Dagegen stellt Horst Hartmann aus Wargolshausen, der erfolglos gegen das Vorhaben gerichtlich gestritten hatte, befriedigt fest, dass "sich das Gesetz dieses Mal auf unsere Seite geschlagen hat".

Schwenkt der Planer auf alten Typ zurück?

Mit der Abstimmung sei zum Ausdruck gebracht worden, dass die 13 Anlagen der 10-H-Regel unterstehen, weil während des Genehmigungsverfahrens der Anlagentyp gewechselt worden ist. Wenn allerdings der Planer auf den alten, genehmigten Anlagentyp zurückschwenkt und die Windräder doch baut, "muss ich damit leben", so Hartmann.

Nicht kapitulieren will hingegen Michael Diestel, Hauptinitiator der Interessengemeinschaft "Rechtssicherheit für Windenergie in Bayern" und BBV-Kreisgeschäftsführer im Landkreis Rhön-Grabfeld. „Der Kampf für die regionale Bürgerenergiewende gerade im Landkreis Rhön-Grabfeld wird trotz dieser Entscheidung weitergehen. Wir werden den Windpark Wülfershausen /Wargolshausen nicht aufgeben. Das sind wir kommenden Generationen ebenso schuldig wie unseren Bäuerinnen und Bauern, die ihren Beitrag zum Schutz des Klimas leisten wollen, um auch in Zukunft Landwirtschaft im Landkreis betreiben zu können." 

Köhler: Schwarzer Tag für die Energiewende im ländlichen Raum

Auch Stefan Köhler, Unterfranken- und Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbandes, wertet in einer Pressemitteilung des Bund Naturschutz die Entscheidung gegen schon im Bau befindliche Windkraftanlagen als einen schwarze Tag für die Energiewende im ländlichen Raum, "von deren Wertschöpfung gerade Bauern und Grundbesitzer in schwierigen Zeiten profitieren können." Susanne Richter und Helmut Bär, beide Bund Natuschutz-Kreisvorsitzende von Rhön-Grabfeld werden in dieser Pressemitteilung zitiert: „Es ist aus Sicht des Klimaschutzes völlig unverständlich, was die CSU hier anrichten will. 2019 wurden in ganz Bayern acht Windenergieanlagen gebaut. Nun im Jahr 2020 drohen 18 Windenergieanlagen mit hohem Geldeinsatz zurückgebaut zu werden. Wir werden uns weiter für die Energiewende stark machen.“

Laut Richard Mergner, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern, habe die CSU die 10-H-Abstandsregelung als Totengräberinstrument der Energiewende genutzt. "Wir benötigen Windenergie an naturverträglichen Standorten, gerade auch in Bayern, für eine klimaverträgliche Stromerzeugung. Nur so können wir dem Klimaschutz und unseren Natur- und Artenschutzzielen gerecht werden." Es könne nicht sein, dass man einen Atommeiler näher an eine Häusergruppe heranstellen darf als ein Windrad. Die Rhön sei als Biosphärenreservat mit dem bundesweit einzigartigen Blühpflanzenprojekt und gemeinschaftlichen Biogasanlagen nicht nur in Bayern, sondern auch bundesweit absolut vorbildlich. Doch, so wettert er, "Hardliner in der CSU-Landtagsfraktion wie die örtlichen Abgeordneten Sandro Kirchner und Steffen Vogel sowie Alexander König torpedieren mit Rückendeckung der Fraktionsspitze das Versprechen von Ministerpräsidenten Markus Söder, ein klimaneutrales Bayern zu erreichen.“