Wargolshausen

"Windpark nachträglich legalisieren – ein gefährliches Signal"

Am Thema Windkraft scheiden sich die Geister. Foto: Jan Woitas

Das Thema Windkraft bewegt die Gemüter. Zu den Artikeln  "Protest für den Ausbau der Windenergie“  vom  7. Juni 2020 und „Gemeinden stehen hinter Windpark“ vom 12. Juni 2020 erriechte die Redaktion folgender Leserbrief:

Ich bin eine Wargolshäuserin und seit 2013 aktiv für den Erhalt unseres Dorflebens. Wir sind hier die Mehrheit, und auch wenn wir in diesen Tagen in den Medien und mit Aktionen nicht so sichtbar waren, haben wir Vertrauen, dass die Fakten allen bewusst sind.

Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel protestiert, aber selten haben wir so viel mediale Resonanz bekommen wie die Vorhabensträger gerade jetzt. Die laufenden Klagen sind unsere gemeinsame Stimme, die wir erheben dürfen in unserem Land. So viel Kraft und Durchhaltevermögen sind nur möglich, wenn viele Menschen zusammenhalten. Wir erleben uns als Kämpfer nicht nur für Gerechtigkeit, sondern auch für eine bessere Welt, wo wir alle ein Recht haben auf Gleichbehandlung und ein Leben in Würde und Gesundheit. Die emotionalen Wellen in unserer Gesellschaft sind wichtig wahrzunehmen und die Ängste, die sich in unserem Land verbreiten sind eine Realität, die wir alle durchstehen und heilen müssen.

Wir mussten uns jahrelang gegen unseren eigenen Bürgermeister stemmen. Wargolshausen ist ein Teil von Hollstadt und in der Zahl der kleinere Gemeindeteil. Die Gemeinde Hollstadt hat selbst ein Waldstück für ein Windrad des Windparks Wülfershausen zur Verfügung gestellt. Wir konnten mit viel Mühe die Abholzung unseres Waldes für dieses Windrad verhindern und dort ist deshalb auch kein Fundament gegossen. Doch stetig verleugnet unser Bürgermeister, dass die weit überwiegende Mehrheit der Bürger in Wargolshausen gegen diese Windparks ist.

Mein ganzes Mitgefühl ist auch bei den jungen Leuten von Fridays for Future Bad Neustadt. Ich kann ihre Position und ihre Sorgen sehr gut verstehen. Von Anfang an wussten wir, dass wir nicht nur für uns alleine kämpfen. Es geht hier auch um den Erhalt unserer demokratischen Werte. Vor einer Woche haben einige junge Menschen von Fridays for Future für die Windparks demonstriert. Sie haben sich nicht an uns gewendet, haben uns keine Fragen gestellt, haben unsere Stimme nicht gehört.

Die mögliche Umzingelung von Wargolshausen durch 13 Windräder erlebe ich als unbarmherzig. Wir haben uns mit allen Mitteln versucht durchzusetzen und versucht, unsere Rechte geltend machen zu lassen. Wenn jetzt die Windparks Wargolshausen und Wülfershausen rückwärts legalisiert würden, was wäre die Lektion, die diese jungen Leute lernen? Ein Bauprojekt zu legalisieren, welches nie Legalität besaß, ist ein Todesstoß für den Rechtsstaat. Auch und gerade für junge Generationen wäre dies ein sehr gefährliches Signal.

Alev Dilber-Kowalzik, Wargolshausen