Junkershausen

Was Eberhofer bei Eber Boris zu suchen hatte

Extra für die Dreharbeiten mit den bekannten Schauspielern Sebastian Bezzel und Simon Schwarz ließen Rebekka und Christian May aus Junkershausen (Lkr. Rhön-Grabfeld) Overalls mit „Eberhofer“ und „Birkenberger“ besticken. Foto: ©BR/strandgutmedia GmbH

Was hat Niederkaltenkirchen mit Nüdlingen zu tun? Auf dem ersten Blick nichts. Beim zweiten Hinsehen aber weiß der erfahrene TV-Krimi-Konsument, dass in Niederbayern Franz Eberhofer und Rudi Birkenberger Verbrecher jagen. Und beide waren jetzt in der Rhön. Für Dreharbeiten des Bayerischen Rundfunks - allerdings nicht in polizeilicher Mission. Sondern um in Nüdlingen, Burglauer und Junkershausen drei Heimat-Unternehmer zu treffen.

Und die tischten den beiden Eberhofer- und Birkenberger-Darstellern Sebastian Bezzel und Simon Schwarz statt Winterkartoffelknödel eine echte fränkische Brotzeit auf. Und Dinkelreis und Rhöner Schweinsköpfe, die nicht al dente waren. 

Bezzel und Schwarz auf Entdeckungstour in der Rhön

Als Franz Eberhofer und Rudi Birkenberger haben die bekannten Schauspieler bereits über fünf Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt: mit „Dampfnudelblues“, „Schweinskopf al dente“ oder „Leberkäsjunkie“, den unterhaltsamen Verfilmungen der niederbayerischen Regionalkrimis von Rita Falk. Nicht für die erfolgreiche Kinofilmreihe, sondern für die BR-Serie „Bezzel & Schwarz – Die Grenzgänger" kamen die Schauspieler, die auch abseits des Filmsets gut befreundet sind, die Rhön. Die Idee des Fernsehformats: Bezzel und Schwarz begeben sich auf Entdeckungstour durch Bayern und suchen Menschen, die in ihrem Leben selbst zu Grenzgängern geworden sind, die ihr altes Leben hinter sich gelassen haben und Dinge nun völlig anders machen. 

Erste Station: der Biohof May in Junkershausen

Am Biohof May in Junkershausen werden in der Tat die Dinge neu gemacht - und neu gedacht. Nach einem Hofbrand vor fünf Jahren ließen Christian und Rebekka May das Frankfurter Großstadtleben hinter sich und übernahmen den Hof der Eltern. Seit 2018 zeigen sie nun, wie eine zukunftsweisende Landwirtschaft funktionieren kann. Das Wohl der Natur und der Tiere, sagen die jungen Biobauern, soll an oberster Stelle stehen. 

Was Sebastian Bezzel und Simon Schwarz am ersten Drehort ihrer Rhön-Tour sahen: Bei den Mays gibt es Eier im "Eierhäusle" rund um die Uhr, Wurst und Fleisch kann man im Hofladen und seit neuestem auch im Online-Shop kaufen. Und der neu errichtete Schweinestall wurde vor zwei jahren mit dem Deutschen Landbaukulturpreis ausgezeichnet. Einen ganzen Tag lang begleiteten die Schauspieler die Christian und Rebekka May bei Arbeit, holten Eier aus dem Hühnermobil, misteten den Schweinstall aus, fütterten Tiere - und blieben am Ende noch zum Abendessen.

Beim Ausmisten des Schweinestalls: Simon Schwarz und Sebastian Bezzel in ihrer eigenen Handwerkskluft. Foto: ©BR/strandgutmedia GmbH

"Dieser Bauernhof. Das ist ja Wahnsinn. Da will man ja Schwein sein", lautete Sebastian Bezzels Kommentar. "Es stinkt nicht, es ist alles toll bebaut, es ist architektonisch interessant und es hat einfach einen sehr klugen Plan dahinter. Die Mays sind schlaue, kluge und vor allem sehr fleißige Menschen.“

Eberhofer trifft Eber Boris

„Dass der Eberhofer auch mal unseren Eber Boris besucht, war natürlich Pflicht bei den Dreharbeiten", sagt Christian May lachend. „Wir sind mit dem Boris spazieren gegangen, aber er wollte sich gleich wieder in den Stall legen", sagt Sebastian Bezzel. "Da dachte ich mir: Der Typ hat die Ruhe weg, der imponiert mir.“ Ihnen sei vor dem Besuch des BR-Teams gar nicht bewusst gewesen, "wie bekannt die beiden Schauspieler wirklich sind", meint Rebekka May. "Das wurde uns erst klar, als unsere Haushaltshilfe Ingrid vollkommen aus dem Häuschen war, als die beiden am Hof ankamen und sie für ihre Lieblingsschauspieler kochen durfte.“ Nach dem Abendessen - koreanisch mit Junkershäuser Dinkelreis (!) - schwärmte Bezzel: "In einer von uns erträumten Zukunft würde die Landwirtschaft genauso aussehen wie der Biohof May."

Und dann war da noch die Rhöner Natur, die Bezzel während des "Grenzgänger"-Drehs begeisterte: "Ich habe bei der ganzen Tour festgestellt, dass Bayern eben nicht nur das Postkarten-Oberbayern ist. Es gibt viele Ecken, die wahnsinnig schön sind – auch die Rhön. Ich bin ja in Garmisch aufgewachsen und es muss nicht immer das Hochgebirge sein.“ Simon Schwarz, gebürtiger Wiener, pflichtet bei: „Ich war wirklich überrascht! Die leicht hügelige und waldreiche Landschaft ist wahnsinnig beruhigend und einfach nur schön.“

Zweite Station: Annette Seehaus-Arnold in Burglauer

In Burglauer wartete Imkerin Annette Seehaus-Arnold schon aufgeregt auf das TV-Team: „Mein Mann und ich kennen alle Eberhofer-Filme und gerade in der Corona-Zeit haben wir die Mediatheken durchforstet und wirklich alle Eberhofer-Krimis angeschaut. Wir sind absolute Fans." Umso größer die Freude, dass Bezzel und Schwarz zu Besuch kamen. Denn auch Annette Seehaus-Arnold ist eine „Grenzgängerin“ bei dem, was sie tut - und vor allem wie sie es tut.

Mit den Lieblingsschauspielern am Bienenstock: Imkerin Annette Seehaus-Arnold aus Burglauer. Foto: ©BR/strandgutmedia GmbH

Seehaus-Arnold ist die erste Präsidentin des "Deutscher Berufs und Erwerbs Imker Bunds" (DBIB) und kümmert sich in jeder freien Minute für die Bienen. Vor allem steckt sie viel Energie in den Kampf gegen den Einsatz von Spritzmitteln . Das Motto der Imkerin: „Bienen halten: ja. Maul halten: nein.“ Bei den siebenstündigen Dreharbeiten zeigte Annette Seehaus-Arnold den Schauspielern ihre Bienenstöcke, ließ die beiden frischen Honig direkt aus der Wabe lecken und verköstigte sie mit Honig-Schnaps. „Hochinteressant!", lautete Sebastian Bezzels Kommentar nach den Lehrstunden über das Bienensterben, die Bedeutung der Bienen und den gesellschaftlichen Auftrag der Imkerei. "Dieser flüssige Honig aus ‚praktischen‘ Plastikflaschen ist bei mir jetzt nicht mehr der Fall." Bei guten Imkern wie der Burglauerin komme es auf die Details an, "auf die man als Verbraucher achten sollte", so Bezzel. "Und das wird dann belohnt, weil der Honig einfach besser ist.“

Herzlich und ungezwungen – wie mit alten Freunden

Die anfängliche Aufregung hatte sich bei der Imkerin am Drehtag bald gelegt, sie freute sich über die "ungezwungene, herzliche Art" ihrer Besucher: " Überhaupt nicht abgehoben, was man vielleicht von Schauspielern denken könnte. Auch wenn die Kameras aus waren. Es war tatsächlich so, als würde man mit guten Freunden zusammensitzen, die man schon lange kennt und einfach locker plaudert." Und klar, in einem Dorf wie Burglauer blieb der Besuch eines Fernsehteams nicht lange geheim: Erneibt natürlich so ein TV-Besuch nicht lange geheim: „Bei sämtlichen Nachbarn gingen die Gardinen zur Seite und es wurden auch die Kameras gezückt", meinte Seehaus-Arnold. "Meine Freunde haben sich aber auch riesig für mich gefreut.“

Dritte Station: Edgar Thomas in Nüdlingen

Weiter ging's, zu einem Tausendsassa: Edgar Thomas ist Standesbeamter, zweiter Bürgermeister von Nüdlingen, Gemüsekisten-Ausfahrer, Kreisobmann des Bauernverbands, Landwirt und Baumschnitt-Experte. Um ihn kennenzulernen, stoppten Bezzel und Schwarz vor den Toren Bad Kissingens. Edgar Thomas wunderte sich nicht: „Wir Heimat-Unternehmer sind auch oft Grenzgänger, weil wir vieles anders denken. Deswegen passt dieses Format zu uns wie die Faust aufs Auge.“ 

Scheu vor Kameras habe er nicht, sagt Thomas lachend, und schon gar nicht vor fremden Menschen. Dennoch sei der Dreh für ihn etwas Besonderes gewesen: „Am Anfang war ich ein bisschen aufgeregt und bin ziemlich rumgehüpft. Aber wir hatten von Anfang an ein ganz lockeres Gespräch. Irgendwann war es so, dass ich aber gar nicht mehr gemerkt habe, dass die Kamera überhaupt an ist.“

Das alte Ehepaar und die ‚verreckte‘ Säge

Mit einer Arbeitsbühne ging es für den Baumpfleger und Simon Schwarz mehr als 20 Meter hinauf.  Sebastian Bezzel sei am Boden geblieben, erzählt der Nüdlinger: "Weil er furchtbare Höhenangst hat“. Das Baumwipfel-Gespräch über die Dürre-Region Rhön, Monokulturen und Borkenkäfer beeindruckte Schwarz nachhaltig: „Ich fahre jetzt mit ganz anderen Augen durch die Landschaft." Nach dem Ausflug in die Höhe sollten Bezzel und Schwarz selbst mal Hand anlegen: Es galt, einen Holzstamm zu teilen - einer alten Schrotsäge.

Bei Edgar Thomas in Nüdlingen mussten Sebastian Bezzel auch Hand anlegen. Dass die alte Säge dabei zu Bruch ging, war für den Schauspieler "Material-Ermüdung" und für den quirligen Heimat-Unternehmer Thomas nicht so tragisch. Er schweißte die Säge wieder zusammen. Foto: ©BR/strandgutmedia GmbH

„Ich hab‘ zu den Jungs gesagt: Ihr seid doch eh wie ein altes Ehepaar, dann könnt ihr mal wie an einer fränkischen Hochzeit mit einer alten Säge arbeiten", meinte Edgar Thomas. Dass die Säge dabei "verreckte"? „Das war einfach Materialermüdung", verteidigte sich Sebastian Bezzel. "Die Säge hat nicht damit gerechnet, dass da zwei so kräftige Typen kommen.“ Der Baumpfleger nahm es gelassen: "Die schweiß ich gerne wieder."

Beeindruckt war Bezzel davon, dass Edgar Thomas immer wieder alte Autos und Feuerwehrfahrzeuge für den guten Zweck in arme Länder fährt wie zuletzt nach Mauretanien.  „Solche Rallyes, wie der Eddy sie macht, finde ich total spannend. Das könnte ich mir auch mal sehr gut vorstellen. Wenn ich die Fotos sehe, denke ich mir: Wann geht’s los?“

Bezzels Fazit der Dreharbeiten in Nüdlingen: „Ein liebenswerter Gastgeber. Mit Edgar wird dir sicher nicht langweilig. Der schläft wahrscheinlich mit dem Finger in der Steckdose. Alles was er macht, macht ihm Spaß. Aber er will dem Ganzen auch immer noch einen Sinn geben.“

Im vergangenen Jahr waren die beiden Schauspieler schon einmal für einen Kurzbesuch im Landkreis Rhön-Grabfeld gewesen - auf dem Bayernturm in Zimmerau. Jetzt bekamen sie tiefere Einblicke: "Die Dreharbeiten waren sehr spannend. Das lag vor allem an den Menschen", sagt Bezzel. "Ihre Arbeit sehen sie nicht als schlimme Plackerei, sie sind überzeugt von dem, was sie machen, ohne missionarisch zu wirken", meinte er über die Rhöner Grenzgänger. Und: "Ich glaube, es sitzt sehr viel Power in der Provinz. Es muss nicht immer die Großstadt sein, wo man die innovativen Leute findet. Oft wird auf dem Land auch viel weniger in Klischees gedacht.“

Und Simon Schwarz fügt an: "Egal ob die Mays, Annette oder Edgar. Alle drei haben einen Blick für ihre Umwelt und ein besonderes Gesellschaftsdenken. Sie machen nicht nur für sich etwas Gutes, indem sie glücklich sind. Sie machen vor allem etwas für uns. Denn sie machen es für uns richtig und gut.“

Heimat-Unternehmen und die neue Staffel von "Bezzel & Schwarz"

Im Verein „HeimatUnternehmen Bayerische Rhön“ haben sich kreative und unternehmerische Menschen zusammengetan, die lieben was sie tun. Sie setzen Projekte mit "Heimat-Wert" um und wollen so die eigene Region bunter und lebendiger machen.. Unterstützt wird die Initiative von der Bayerischen Verwaltung für Ländliche Entwicklung. Aktuell gibt es in ganz Bayern sieben von diesen Vereinen.
Die neue Staffel "Bezzel & Schwarz – Die Grenzgänger" startet im Bayerischen Fernsehen am Montag, 22. Juni: Vier Wochen lang gibt es dann immer montags um 2015. Uhr im BR eine neue Folge. Schon am Freitag vor der Ausstrahlung sind die Folgen jeweils in der BR-Mediathek zu sehen und dort für zwölf Monate verfügbar. Die Folge „Der Norden“ mit den Rhöner Heimat-Unternehmern wird voraussichtlich am Montag, 6. Juli, um 20.15 Uhr ausgestrahlt. Und Tipp für Eberhofer-Freunde: Mit „Kaiserschmarrndrama“ kommt voraussichtlich am 13. August der nächste Film der Krimi-Reihe in die Kinos.
Quelle: Markus Büttner
Beim Ausmisten des Schweinsstalls: Simon Schwarz und Sebastian Bezzel. Foto: ©BR/strandgutmedia GmbH