Bischofsheim

Warum angehende Bildhauer in Bischofsheim Bäume pflanzen

Georg Kirchner, Forstmitarbeiter der Stadt Bischofsheim, zeigt den richtigen Umgang mit den Geräten zum pflanzen der jungen Bäume. Foto: Marion Eckert

Der Kreuzberg kann sich richtig mystisch präsentieren. Wenn der Nebel zwischen den Bäumen hängt und die Sonne ihre Strahlen kaum hindurch bekommt. Die jungen angehenden Holzbildhauerinnen und Holzbildhauer haben die Szenerie in der Natur sichtlich genossen. An zwei Tagen waren sie am Kreuzberg, im Wald der Stadt Bischofsheim unterwegs, um junge Buchenwildlinge zu pflanzen.

Seit einigen Jahren gehört eine herbstliche Pflanzaktion in den Lehrplan der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer (Bischofsheim). Wie Fachlehrer Michael Kühnert betont, sei es wichtig, den vorrangigen Werkstoff, das Holz, nicht nur unter künstlerischem Aspekt kennen zu lernen. Vielmehr sollen sie die forstwirtschaftlichen Zusammenhänge aus erster Hand erfahren. Daniel Walter (Förster bei der von Waldhausen`schen Forstverwaltung Gersfeld, die die Betreuung des Bischofsheimer Stadtwaldes inne hat), begleitete und organisierte die Pflanzaktion.

Wald wird zum Buchenmischwald umgebaut

Die Buchenwildlinge wurden im Stadtwald - wie es im Fachjargon heißt - zunächst "geworben". Das heißt, junge Buchen wurden mit der Grabgabel so aus der Erde gehoben, dass kein Wurzelballen, sondern nur ihr junges Wurzelwerk übrig bliebt. Diese minimalistische Form mache es beim Einpflanzen unter Fichten leichter, erklärte Walter.

Es müsse ein weniger großes Pflanzloch ausgehoben werden, was bei steinigem Untergrund und durchwurzeltem Boden ohnehin nicht so einfach sei. Die jungen Buchen aus dem eigenen Stadtwald seien nicht nur kostengünstig, sondern garantieren auch, dass sie mit dem Standort am Kreuzberg zurecht kommen werden, wusste Walter.

Schüler wachsen durch Aktion zusammen

Gepflanzt wurden sie in der Nähe des Neustädter Hauses unter 60- bis 70-jährigen Fichten, die stark unter dem Borkenkäfer gelitten haben. Der Wald werde nun zu einem Buchenmischwald umgebaut.

Für die Holzbildhauerschule habe die Pflanzaktion gleich mehrere positive Aspekte erläuterte Kühnert und nannte an erster Stelle den Begriff "Nachhaltigkeit". "Wir verarbeiten Holz und wollen auch wieder neues Holz anpflanzen". Sicherlich, die Buche sei kein ausgesprochenes Schnitzholz, dafür sei sie viel zu hart. So müsse die Pflanzaktion in gewisser Weise auch symbolisch verstanden werden.

Gemeinsame Pflanzaktion der Schülerinnen und Schüler der Holzbildhauerschule Bischofsheim mit Bürgermeister Georg Seiffert, den städtischen Forstarbeitern und Daniel Walter von der von Waldhausen`schen Forstverwaltung. Foto: Marion Eckert

Und damit war Kühnert beim Aspekt des Klimaschutzes und CO2-Fußabdrucks der Schule, der in dem alten Gebäude und durch den Maschineneinsatz nicht zu gering ausfalle. Letztlich diene die Aktion aber auch dem Zusammenwachsen der Schulgemeinschaft. Im Herbst wurden 12 neue Schülerinnen und Schüler aufgenommen. Auf diese Weise fiel das Ankommen in Bischofsheim, das Kennenlernen untereinander leichter. Die Schülerinnen und Schüler haben bei der Pflanzaktion in Zweier- und Dreierteams Klassenübergreifend zusammengearbeitet, den Tag miteinander im Wald verbracht und gemeinsame für die Verpflegung gesorgt.

Beinahe die Frühstückspause verpasst

Die Informationen zur Forstwirtschaft im Allgemeinen, dem Thema Borkenkäferbefall und dem Bischofsheimer Stadtwald mit seinen Eigenheiten im Besonderen, erläuterte Daniel Walter. All diese Themen gehören zum Unterricht. Kühnert: "Es ist prima, die Fragen zum Waldumbau, Klimawandel und ganz praktische Themen, wie man richtig pflanzt, aus erster Hand zu erfahren. Was kann besser sein, als es im Wald praktisch zu erleben." Daniel Walter war vom Interesse der angehenden Holzbildhauer, die ihre Frühstückspause vor lauter Engagement beinahe verpassten, begeistert.

Bürgermeister Georg Seiffert freute sich, dass diese Kooperation zwischen Stadtwald und Holzbildhauerschule sich so gut bewährt. "In zwei, drei Jahren können Sie nachschauen, was Sie gepflanzt haben", dankte er den Schülerinnen und Schülern. Die Verbindung von Theorie und Praxis werde an der Schule ohnehin groß geschrieben, so sei es auch für die Forstarbeiter Georg Kirchner und Louis Sitzmann eine Selbstverständlichkeit, die handwerklichen Tipps und Kniffe weiter zu geben. Dass die Stadt die Brotzeit spendiert, war für Seiffert eine Selbstverständlichkeit.