Bad Neustadt

Umstritten: Stadt lässt Ginkgobäume in Herschfeld fällen

Drei Jahrzehnte standen Ginkgobäume in der Falltorstraße. Nun wurden sie, um Parkraum zu schaffen, gefällt und sollen durch neu zu pflanzende Ginkgos ersetzt werden. Foto: Stefan Kritzer

Wenige Tage nach der Entscheidung im Stadtrat haben Mitarbeiter des städtischen Bauhofs am Freitag die sieben Ginkgobäume in der Falltorstraße gefällt. Das habe aus Naturschutzgründen noch vor dem 1. März erledigt werden müssen, da eine spätere Fällung eventuell nistende Vögel vertrieben hätte. Zuvor hatten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger bei der Stadt wie in Leserbriefen an diese Zeitung über die geplante Baumfällaktion beschwert und versucht, die Bäume zu retten. Nach mehrmaligen Diskussionen im Stadtrat und einer knappen Mehrheitsentscheidung wollte Bürgermeister Michael Werner die Aktion nun schlussendlich umgesetzt wissen.

Rund 30 Jahre standen die Bäume in der Falltorstraße

Leicht sei ihm der Auftrag an den Bauhof nicht gefallen, antwortete Michael Werner auf Nachfrage dieser Zeitung. "Ich bin mit diesen Bäumen aufgewachsen", sagte der Bürgermeister, der aus Herschfeld stammt und dort wohnt. Am Freitagvormittag rückten die Mitarbeiter des Bauhofes an und wenige Stunden später war von den sieben Ginkgobäumen in der Falltorstraße nur noch der Wurzelstumpf zu sehen. Rund 30 Jahre standen die Ginkgos an dieser Stelle und waren zum Teil haushoch gewachsen.

Mitarbeiter des städtischen Bauhofs fällten am Freitagvormittag die sieben Ginkgobäume in der Falltorstraße. Foto: Stefan Kritzer

In der vergangenen Woche hatte der Stadtrat in einer sehr knappen Entscheidung für den Bau von sieben Parkplätzen entlang der unlängst generalsanierten Falltorstraße und gegen den Erhalt der Bäume gestimmt. Geplant war das so ursprünglich nicht. Eigentlich sollten die Ginkgobäume erhalten bleiben und die Parkplätze zwischen den Bäumen entstehen.

Das ließ sich so aber nicht umsetzen, da das Wurzelwerk der Bäume zu hochgewachsen war und viel mehr Platz benötigte, als im Straßenbauplan vorgesehen. Die Parkplätze hätten nur 1,3 Meter breit gebaut werden können, was zur Folge gehabt hätte, dass die Autos zur Hälfte auf der Straße gestanden wären. Das wollte die Stadt aber nicht.

Knappe Mehrheit für Fällen der Bäume

Im November letzten Jahres diskutierte der Stadtrat bereits, ob stattdessen das Parken des ganzen Autos auf der Falltorstraße erlaubt werden sollte. Dann hätten die Bäume stehen bleiben können. Letztlich sprach sich die Mehrheit jedoch gegen das Parken auf der Straße und somit gegen den Erhalt der Ginkgos aus. So blieb schlussendlich nur die Entfernung der sieben Bäume, um die Parkmöglichkeiten zu realisieren. Einen großen Aufwand in dem bereits fertig sanierten Straßenabschnitt bedeuten die nun folgenden Baumaßnahmen aber nicht, unterstrich Michael Werner.

Bürgermeister kann Beschwerden von Bürgern nicht wirklich verstehen

Die in den vergangenen Tagen mehrfach geäußerten Beschwerden von Bürgern bezüglich der Baumfällaktion kann der Bürgermeister nicht wirklich verstehen: "Die Konsequenz stand schon seit November im Raum", sagt er.

In den kommenden Wochen sollen nun die Parkplätze entlang der Falltorstraße gebaut werden. "Es werden dazwischen auch wieder sieben neue Ginkgobäume gepflanzt", betonte Michael Werner.