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Spilk im Corona-Blues: Wer spielt das laute Hoffnungs-Lied für die Wirte?

Bühne, Quetsche, Bass und Gitarre: Alles wie gehabt? Nein, den das bissige Volksmusik-Trio Spilk hat keine Auftrittsmöglichkeit. Für das Online-Derbläggn haben sie ihre Stücke in einem Schweinfurter Tonstudio eingespielt. Foto: Spilk

Es war wieder mal ein großartiger Auftritt von Spilk, dem Rhöner Mundart-Trio mit den bissigen Texten. 1000 Zuschauer hörten sich Ende März das neueste Werk von Franky Schmitt, Joachim Bühner und Martin Reinhard an. Allein, der Applaus blieb aus. Zumindest hörten die drei Musiker nichts. Denn vor der Bühne johlte kein begeistertes Publikum. Alles war nur eine Video-Konserve.

In einem Schweinfurter Studio hatte Spilk seinen Corona-Posch eingespielt, ein Stück nach einer Steirischen Tradition, wo zwischen den Strophen geposcht wird, also rhythmisch in die Hände geklatscht. Das Stück und noch einige mehr wurden beim Burgläurer Online-Derbläggn mit Fredi Breunig als Video ausgespielt. Die rund 1000 Zuschauer dürften ihre Freude an dem Stück gehabt haben. Doch für Spilk, das vom nahen Kontakt zu seinem Publikum lebt, bleibt die Reaktion der Zuhörer erst einmal ein Geheimnis. So ist das, wenn Corona wohl noch bis auf Weiteres Geselligkeit einen fernen Traum sein lässt.

Für die Gastronomen schwierig

"Es ist wirklich schwierig. Und vor allem ist es für die Gastronomen schwierig. Die dürfen nicht vergessen werden. Und auch wir als Musiker müssen schauen, wie wir die unterstützen, die eigentlich unsere Auftraggeber sind", sagt Franky Schmitt aus Steinach. 2020 hatten Spilk ganze zwei Auftritte, einen in Bad Neustadt, einen in Bad Kissingen. Seitdem sind die drei scharfzüngigen Volksmusikanten, die ein größeres Publikum auch von der Närrischen Weinprobe kennt , mehr oder weniger verstummt.

"Es ist für uns Hobbymusiker natürlich nicht so existenziell wie für Profimusiker und die Veranstaltungstechnik, wenn man es finanziell betrachtet. Aber es geht eben auch um die Kultur, um die Wirtshauskultur, das Zusammensitzen und das zusammen Singen", klagt Frank Schmitt. Erst 2019 hatte er mit dem Trio Dolce Vita zusammen mit Tomas Rockenzahn aus Wegfurt und Sebastian Paesold aus Poppenroth angefangen, vor allem in Gasthäusern oder Biergärten aufzutreten, zum Programm gehören neben Volksmusik und deutschen Schlagern hier auch Ohrwürmer der Italo-Musik.

Was ist mit der Rhöner Lebensart?

2020 hatte Frank Schmitt im Mai einen "Musikalischen Gruß in einer ungewöhnlichen Zeit" verschickt. In diesem Brief an Wirte hatte er geklagt, dass mit der heimischen Gastronomie "auch die ideellen Werte unserer Gesellschaft und unsere Lebensart beeinflusst und eingeschränkt" seien. In seinem Appell an die Gastronomen schrieb er: "Ohne Sie als Gastleute und Kulturträger wäre unsere Gesellschaft arm und wir als Musikanten stille Eigenbrötler, ohne Resonanz und Anerkennung". Geändert hat sich an diesem Zustand bis heute mehr oder weniger nichts, der Brief ist ungewollt aktuell. 

Kommen die Musikanten wieder zurück?

Kompagnon Joachim Bühner möchte ebenfalls bald ein Licht am Ende des Tunnels sehen. "Bei der Bundesliga meint man, dass es Corona nicht gäbe. Warum lässt man unsere Amateur-Vereine nicht spielen unter Einhaltung aller Hygieneregeln?", stellt sich Bühner eine Frage. Auch das Musikleben macht ihm Sorge. "Manche in den Musikvereinen haben schon Angst, dass die Leute nicht mehr wieder kommen nach der Pandemie, dass sie sich mit dem Leben ohne Treffen und Proben schon arrangiert haben und bequem geworden sind", weiß Bühner aus Gesprächen.

Ins gleiche Horn stößt Martin Reinhard. Beruflich und familiär hat es ihn in den Landkreis Aschaffenburg verschlagen, seiner Großwenkheimer Musikkapelle hält er als Dirigent aber die Treue. "Das alles fehlt. Und das spielerische Niveau sinkt, das macht auch keine Online-Probe wett", befürchtet Reinhard.

Während der entspannteren Sommermonate nutzte Frank Schmitt die Zeit dazu, um in Österreich musikalische Kontakte zu knüpfen und um zu musikalischen Ursprüngen und sich selbst zu kommen, wie er es schon bei musikalischen Trips nach Irland gehalten hat. Im Ausseerland in der Steiermark hat er das Poschen kennengelernt, so nennen die Steirer das rhythmische Klatschen zwischen humoristisch-traditionellen Gesangsstrophen, die mit einem bayerischen Gstanzl vergleichbar sind. Und das passt gut zum Trio Spilk, wo man sich gerne seine deftig-satirischen Reime macht auf Rhöner Eigenarten oder das große Ganze.

Die Welt im musikalischen Koma

So geht es auch im neuesten Spilk-Lied "Covid-Posch 2021" mit Rhöner Deutlichkeit zu: "Die Kultur is beim Deifel, die Gselligkeit verreckt/im musikalischen Koma, mit dem Corona-Scheißdreck" heißt es schon deutlich in der ersten Strophe. Dass die Pandemie das Sterben der Dorfgaststätten noch beschleunigt, kritisiert der Liedtext ebenso: "Und der Staat unterstützt, aber nur den, der ihm nützt/Die Durfwirtschoft geht drauf, ower der MäcDonalds lebt auf", heißt es giftelnd weiter.

"Seit Österreich hat gsträät, macht dar Covid uns bang/Und für 'Made in China' hält der Dreeg ganz schö lang", spottet der Covid-Posch ohne Rücksicht. Am Ende werden versöhnliche Töne angeschlagen, wenn sich die drei Musiker auf die gesellige Zeit nach Corona freuen: "Denn mir bleibe Musikanten, und frei, wie mer worn/Wos Ihr brängt vonanner, bränge mir wieder zom".

Zehn Jahre Spilk im Oktober

Gerade zum zehnten Bestehensjahr von Spilk 2021 wünschen sich nicht nur die drei Musiker dann doch die eine oder andere Gelegenheit zum Musizieren vor echtem Publikum. "Die Neuschter Stadthalle hat uns schon mit Fredi Breunig gebucht, einmal hatten wir das Haus 2018 ja schon voll bekommen".

In erster Linie geht es Frank Schmitt und seinen Trio-Partnern aber um die Dorfvereine, für die Einnahmen aus Veranstaltungen lebenswichtig sind.  Und es geht eben um die Betreiber von Hütten, Biergärten und Wirtshäusern, die Orte der Gemeinschaft sind. Der Name Spilk bedeutet ja nichts anderes als sich treffen, zum Nachbar gehen, etwas plauschen, etwas zusammensitzen, fröhlich sein. Die drei Musikanten wollen also nichts anderes, als Menschen zusammenbringen. Sie appellieren: "Lasst die Leut zamm komm! Lasst Wirte und Vereine überleben. Lasst Musik (be)leben!".

Spilk hat seine Homepage auf den neuesten Stand gebracht und auch einige Videos eingepflegt:
www.spilk.eu