Bad Neustadt

Skilifte in der Rhön: Viel Schnee und kein Geschäft

So ein Bild, wie dieses Archivfoto vom Doppellift am Arnsberg, würden sich momentan die Liftbetreiber wünschen: Schnee, blauer Himmel und gut gefüllte Lifte.  Foto: Archiv Marion Eckert

In der Rhön ist so viel Schnee gefallen, wie schon lange nicht mehr, und die Menschen zieht es derzeit in Scharen in die Natur. Das wären normalerweise traumhafte Bedingungen für die Skiliftbetreiber. Endlich einmal wieder hätten sie einige lukrative Tage. Aber es darf nicht sein. Corona hat einen langen Arm bis in den Wintersport. Mindestens bis Ende Januar wird es in Deutschland keinen Skibetrieb geben. Was sagen dazu die Rhöner Liftbetreiber?

Ein derartiges Bild sieht man in diesem Winter nicht allzu oft. Es sei denn die Wintersportler erklimmen die Hänge mit Muskelkraft. Denn die Skilifte stehen wegen Corona still. Das ist nun schon die zweite schlechte Saison, die die Rhöner Liftbetreiber verkraften müssen. Mit dem Unterschied, dass heuer Schnee da wäre. Foto: Archiv Gerhard Fischer

Thomas Fuß betreibt seit 34 Jahren die Skilifte am Kreuzberg und erlebt nach all der Zeit eine Premiere: Der Schnee ist da und die Lifte stehen still. "Das ist schwerer zu ertragen, als wenn man wegen Schneemangel nicht öffnen kann." Die Rhöner Liftbetreiber müssen bereits mit dem letzten Winter eine schlechte Saison verkraften. 2019/2020 liefen die Kreuzberg-Lifte gerade einmal eineinhalb Tage. "Man kann einen Winter überbrücken, aber bei einem zweiten wird es schwierig." Fuß würde es nicht wundern, wenn der ein oder andere kleinere Liftbetrieb auf der Strecke bleibt. "Auch wir müssen schauen, wie wir über die Runden kommen", sagt Fuß, der noch eine Landwirtschaft bearbeitet. "Das Geld fehlt. Das kann nicht mehr nachgeholt werden." Auf Unverständnis stößt bei Thomas Fuß, dass Rodeln erlaubt ist, aber der Liftbetrieb nicht. "Rodeln ist doch angesichts der Menschenmengen viel gefährlicher als Skifahren. Der Skiliftbetrieb wäre in geordneten Bahnen gelaufen", ist er überzeugt. 

Regelmäßige Instandhaltungskosten und Investitionen

Bedauern auch bei Matthias Adrian, Skiliftbetreiber am Arnsberg. "Ich versuche, nicht weiter daran zu denken, aber wenn ich nach draußen schaue, habe ich schon vor Augen, was möglich wäre." Viel Schnee und relativ niedrige Temperaturen - das wären beste Pistenverhältnisse gewesen. 

Wie Fuß so hat auch Adrian eine niederschmetternde vorhergehende Saison hinter sich. "Wir hatten mangels Schnee keinen einzigen Tag geöffnet." Adrian hat mit seiner Familie vor zehn Jahren den Arnsberglift vom Schwiegervater übernommen. In dem Skibetrieb sieht er eher ein Hobby - ein Hobby, das allerdings die letzten Jahre nur Geld gekostet hat. "Wenn wir davon leben müssten, hätten wir schon längst geschlossen", betont er, der noch den Campingplatz und ein Elektrogeschäft in Bischofsheim führt. Schließlich würden jedes Jahr Instandhaltungskosten und auch größere Investitionen anstehen. Im vergangenen Jahr wurde die Bergstation am A1 erneuert und im Jahr davor musste nach einem Blitzschaden dessen Zugseil komplett ersetzt werden.

Blick nach Baden-Württemberg

Matthias Adrian blickt interessiert nach Baden-Württemberg. Dort können Skilifte stundenweise von einem Haushalt gemietet werden. Das hört sich auf den ersten Blick von den Einnahmen her nicht sehr ergiebig an, es kann aber ganz schön was zusammen kommen. Ein Blick ins Internet verrät, dass zum Beispiel der Skilift Donnstetten bei Reutlingen seine vier Lifte jeweils für 150 Euro die Stunde anbietet. Das Angebot gilt für einen Haushalt plus eine weitere Person, die nicht zum Haushalt gehört. Deren Kinder bis einschließlich 14 Jahre werden nicht mitgezählt. Das werde sehr gut angenommen, weiß Adrian. So etwas sei seiner Meinung nach auch in der Rhön denkbar. Vorerst könne man aber nur eines tun: "ausharren und auf die nächste Saison hoffen."

Da geht es den Bayern wie den Hessen. Auf der Wasserkuppe könnten derzeit alle Anlagen laufen. Sogar der Abtsroda-Lift, bei dem keine Beschneiung möglich ist. "Da blutet einem das Herz. Einen so schönen Schnee hatten wir seit fast zehn Jahren nicht mehr", sagt Betriebsleiter Florian Heitmann. Neben den üblichen jährlichen Kosten, habe man in eine weitere Raupe investiert und gehofft, dass die Kosten nun wieder reinkommen. "So etwas gab es noch nicht", so Heitmann. Die kürzeste Saison, an die er sich erinnern könne, sei über 16 Tage gegangen. Im letzten Winter habe man 24 Betriebstage  (Förderband Zauberteppich 42 Tage) gehabt. "Es kann nur noch besser werden", bemüht er sich um Zuversicht.

Der Skilift Zuckerfeld besteht seit 50 Jahren

Am Fuße der Wasserkuppe in Obernhausen steht der Skilift Zuckerfeld. Dieser wird heuer 50 Jahre alt. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr steht der Lift still. Der Geburtstag sollte groß gefeiert werden. Das fällt nun vorerst flach, wird aber nachgeholt, versichert Harald Jörges, der spürbar deprimiert ist. "Es ist unwahrscheinlich schmerzlich. Ich bin von klein auf dabei und habe schon viel erlebt, aber das nicht. Das wäre der beste Winter seit etlichen Jahren gewesen." Jörges betont, dass er Verständnis für die politischen Entscheidungsträger habe, derzeit keinen Liftbetrieb zuzulassen. Dennoch fühle er sich von der Politik allein gelassen. "Ich weiß von keinen staatlichen Hilfen, die uns angeboten werden." Der Liftbetreiber zählt die jährlichen Ausgaben auf: TÜV, Versicherung, Pacht etc. In den letzten Jahren habe man in eine neue Schneekanone und einen Kinderlift investiert. Er dürfe gar nicht daran denken, welche Einnahmen nun verloren gehen. Dringend nötige Einnahmen zur Deckung der Kosten.

Hunderte von Rodlern am Skihang

"Am meisten tut uns jedoch weh, wenn wir die Ansammlung von Hunderten von Rodlern auf unserem Skihang sehen, während unser Lift geschlossen ist", erklärt Jörges. Man habe die Piste zwar mit einem Flatterband abgesperrt, um deutlich zu machen, dass es sich um ein Privatgelände handelt. Das habe jedoch nicht so wirklich interessiert. Am Ende des Tages müssten sie noch den Müll entsorgen und Reparaturen vornehmen. "Wir verstehen nicht", äußert er sich ähnlich wie sein Kollege vom Kreuzberg, "dass Rodeln in Massen zugelassen wird und die verhältnismäßig kleinen Liftbetriebe nicht".

Harald Jörges kann sich noch an den Tag erinnern, als der Skilift Zuckerfeld erstmals in Betrieb ging. An dem Tag sei er nicht zur Schule gegangen, um unbedingt bei dem Ereignis dabei sein zu können. Heute, genau 50 Jahre später, gehen die Kinder auch nicht in die Schule, aber aus gänzlich anderen Gründen.