Bad Neustadt

Rhön-Grabfeld: Wiederentdeckung der Heimat und Natur

Die Menschen entdecken wieder die Natur und die eigene Heimat. Dies hat Susanne Volkheimer vom Tourismusverband Haßberge festgestellt. Foto: Hanns Friedrich

Als die Flaggschiffe im Tourismus hat Susanne Volkheimer, Geschäftsführerin im Tourismusverband Haßberge e.V., Bad Königshofen und Sulzfeld bezeichnet. Vor dem Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr, Kultur und Tourismus gab sie Einblicke in die Arbeit des Fremdenverkehrs in Zeiten der Corona-Pandemie. Mit dem Monat März sei die Tourismusbranche eingebrochen, aber die politischen Entscheidungen seien korrekt gewesen. Pendelten sich die Zahlen im April noch bei knapp 30 000 ein, sanken sie abrupt auf  unter 2500. Noch im ersten Vierteljahr sei Bad Königshofens Kurdirektor optimistisch gewesen, als 11 600 Übernachtungen gezählt wurden, eine Steigerung um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dann der Einbruch um 96 Prozent. Diese betrifft sowohl Bad Königshofen als auch Sulzfeld im Grabfeld.

Tourismus, Gastronomie sowie Kunst und Unterhaltung waren am stärksten betroffen. Das zeigte eine Umfrage bei den Selbständigen. Die Einbußen pendelten sich bei rund 90 Prozent ein, rund 80 Prozent der Befragten fürchteten um ihre Existenz. In der Frankentherme Bad Königshofen brachen die Buchungen auch beim Wohnmobilstellplatz ein, Einrichtungen der Frankentherme mussten geschlossen werden. Eintrittsgelder fielen weg, Kuranwendungen und vieles mehr. In Anbetracht dieser Situation gab es Gespräche mit der Stadt Bad Königshofen und dem Landkreis Rhön-Grabfeld. Den Start zu Pfingsten bezeichnete Susanne Volkheimer als "auf sehr niedrigen Niveau, aber durchaus positiv". Für 2020 werde es wohl kein darstellbares wirtschaftliches Ergebnis geben. Im Juni konnte der Heilwassersee geöffnet werden, dann auch das Hallenbad mit Innenbecken, natürlich mit den entsprechenden Hygieneauflagen.

Auch Ferienhäuser und -wohnungen betroffen

Auch bei den Ferienhäusern und -wohnungen im Grabfeld gab es zwischen März und Mai diesen Jahres eine Welle der Stornierungen. Die Neubuchungen laufen sehr schleppend an. Ein Hygienekonzept wurde erstellt und nun gelte es, das Vertrauen der Gäste wieder zu gewinnen. In den Hotels und Gasthöfen sowie Rehaeinrichtungen im Grabfeld setzte ebenfalls ab Mitte März eine Stornierungswelle ein. Es gab Einbrüche im Gruppengeschäft und Geschäftsreisetourismus, der Start Ende Mai hielt sich in Grenzen. Erfreulich seien die Eigeninitiativen gewesen, so beim Schäferwagenhotel mit Grill und Kaffeelounge, oder im Landgasthof Bärental, ebenfalls in Sulzfeld durch das Angebot "Schlemmen für zu Hause". Hier konnten gekochte Speisen im Automaten abgeholt werden. Weite To-Go-Angebote kamen hinzu. Allerdings fehlten Urlaubsgäste, Familienfeiern, Hochzeiten und Geschäftsessen. Nicht mehr geöffnet ist in diesem Jahr der Märchenwald Sambachshof, da die Auflagen zu hoch waren.

Der Wohnmobilstellplatz an der FrankenTherme in Bad Königshofen. In den vergangenen Tagen wurde er wieder vermehrt angenommen. Foto: Hanns Friedrich

Die Menschen entdeckten aber wieder die Natur, nutzen die Wander- und Radangebote. Landurlaub, Kurz- und Naturreisen waren gefragt. Entsprechend wurden die Angebote auf den Internetseiten umgestellt. Themen wie "Stille Wälder und einsame Pfade" kamen an, ebenso weitere Angebote wie "Natur erleben & Weitblicke genießen". Das Tourenportal Haßberge wurde mehr und mehr angenommen, man startete eine Werbekooperation mit dem Naturpark Haßberge. TV-Berichte unterstützten dies ebenso wie regionale und überregionale Medien.

Ganz im Zeichen des bewussten Genusses

Hinzu kamen Reiseberichte über den Naturpark Haßberge, eine Kooperation mit Radmagazinen oder dem Magazin "aktiv radfahren" Für den Herbst sind "Gönn Dir Wochen" geplant. Sie stehen ganz im Zeichen von bewusstem Genuss mit regionalen Produkten. Wichtig sei es, die Stammgäste wieder zu motivieren.

Kreisrat Egon Sturm sagte dazu, dass dies alles gute Ansätze seien, vor allem, dass die Menschen die Heimat wieder entdecken. Das habe aber, durch einen Massenansturm, zum Beispiel in der Rhön auch negative Auswirkungen auf die Natur. Dies sei vor allem an den Wochenenden der Fall. Landrat Thomas Habermann dankte abschließend Susanne Volkheimer für die detaillierten Ausführungen, die zeigen, wie sich die Corona-Pandemie im Naturpark und Tourismusbereich Haßberge ausgewirkt habe. Wichtig sei, dass man nun langsam wieder aus der Krise in die Normalität zurückkehrt.