Bad Neustadt

Michael Weiß: Ein Steuermann Bad Neustadts geht von Bord

Ein aufblasbares Boot für den Steuermann als Erinnerung. Das hat Nachfolger Christoph Neubauer (links) dem scheidenden geschäftsleitenden Beamten Bad Neustadts, Michael Weiß, überreicht. Foto: Christian Hüther

Im großen Sitzungssaal des Bad Neustädter Rathauses sind in der Vergangenheit schon etliche "Redeschlachten" geschlagen geworden. Die Klänge vom Piratenfilm "Fluch der Karibik" sind dort aber wohl noch nie abgespielt worden. Dafür brauchte es schon einen besonderen Anlass, wie es ihn am Donnerstagvormittag gab.

Nach 33 Jahren Tätigkeit ist Michael Weiß, geschäftsleitender Beamter der Stadt Bad Neustadt, in Anwesenheit vieler politischer Weggefährten in den Ruhestand verabschiedet worden. Verantwortlich für die dramatisch anmutenden Piratenklänge war Weiß' Nachfolger Christoph Neubauer, der gleich zu Beginn seiner Rede feststellte, dass das Wirken von Michael Weiß kein Fluch der Karibik, sondern ein Segen in Bad Neustadt gewesen sei.

Das Logbuch bekommt einen neuen Besitzer

Der erfahrene Steuermann habe mit Weitblick und Energie gehandelt und immer die richtige Ausrüstung an Bord gehabt, um die Stadt mit viel Vertrauen und Kraft auch einmal um Klippen herumzubringen. "Wir haben nun das Logbuch von Ihnen übernommen, was eine schwere Bürde ist, was wir aber gerne annehmen", sprach Neubauer zu Weiß, der ihn in den vergangenen Monaten ins Amt eingeführt hatte. Dessen Heimathafen bleibe jedoch stets Bad Neustadt. Als Erinnerung gab es für Weiß ein aufblasbares Boot mitsamt Türstopper, da die Tür zum Rathaus für ihn immer offen stehe.

Schon zu Beginn der offiziellen Verabschiedung sprach Bürgermeister Michael Werner von einem emotionalen Termin und adelte den scheidenden Geschäftsleiter als eine "Koryphäe Bad Neustadts". Auch in der kurzen gemeinsamen Zeit seit seinem Amtsantritt im März habe er Michael Weiß als loyalen Mann kennen und schätzen gelernt und versucht, so viel Erfahrung wie möglich von ihm "zu erhaschen".

Ein Kräuterkorb für die Würze im Ruhestand

Die Stadt sei in den vergangenen Jahren dank dessen Einstellung, Engagement und der klaren Meinung und Einstellung geprägt worden. "Bleiben Sie sich treu", rief der Rathauschef Michael Weiß zu und überreichte ihm im Namen der Stadt für die Würze im Ruhestand einen Kräuterkorb, garniert mit Stadtgutscheinen. 

Ein vertrauter Platz im Sitzungssaal des Bad Neustädter Rathauses für Michael Weiß. Daneben (von links) der neue geschäftsleitende Beamte Christoph Neubauer und Bürgermeister Michael Werner. Foto: Christian Hüther

Zum ersten Mal seit dem Ende seiner Amtszeit war auch Werners Vorgänger auf dem Chefsessel, Bruno Altrichter, der Einladung gefolgt und wieder einmal in seinem "zweiten Wohnzimmer", wie er den Rathaussaal selbst bezeichnete, zugegen. "Michael Weiß, nach 33 Jahren verlässt du die Bühne", eröffnete Altrichter seine Rede. Eine Bühne, die er vor und hinter dem Vorhang und den Kulissen "in ausgezeichneter Art und Weise" zu bespielen hatte.

Die gemeinsamen insgesamt 24 Jahre seien laut Altrichter sehr bewegend und erlebnisreich gewesen, auch mit der Bewältigung von einigen unvorhersehbaren Dingen. "Du hast stets gute Lösungswege und Empfehlungen vorgeschlagen, warst eine Stütze für mich und hast mir in vielen Dingen den Rücken freigehalten", lobte Altrichter. 

Ein angeblich überfüllter Wahlbriefkasten

Beispielhaft erzählte der langjährige Bürgermeister eine Anekdote über einen angeblich übergelaufenen Wahlbriefkasten, auf den ein besorgter Bürger am späten Abend aufmerksam machte. Michael Weiß kümmerte sich, sprang auch aufgrund des kürzeren Weges zum Rathaus für seinen Chef ein und stellte fest, dass der Briefkasten doch nicht überfüllt gewesen sei.

Nach dem Rückblick auf schöne wie auch schwierige Momente schloss Bruno Altrichter seine Ausführungen mit der Aussicht auf weitere Begegnungen, zum Beispiel gemeinsam ein Stück des Pilgerwegs "Via Romea" zu gehen.

Vom "Du" auch mal zum "Sie"

Personalratsvorsitzender Uto Schmitt sprach von einer Zusammenarbeit, die von Respekt und gegenseitiger Wertschätzung geprägt war. "Auch, wenn wir mal nicht einer Meinung waren", gab Schmitt zu. Dann sei es schon vorgekommen, dass man sich trotz entstandener Freundschaft gegenseitig wieder gesiezt habe. Alleine schon wegen der gemeinsamen musikalischen Interessen werde man sich, so Schmitt, nicht aus den Augen verlieren.

CSU-Fraktionssprecher Bastian Steinbach machte das Wirken und Leben von Michael Weiß an den drei Stichworten "Deine Stadt", "Dein Marktplatz" und "Dein Bier" fest. Weiß habe geschäftsleitend, aber auch geschäftsleidend für die Stadt "ungeheuerliches  geleistet". Der Marktplatz, auch als  Zuhause der Familie, sei ein großer Teil seines Lebens geworden. Sein Lieblingsbier könne der kommende Ruheständler fortan aus einem neuen Krug genießen, der für ihn im Café Avanti hinterlegt wird. 

Rüffel von Weiß für eine Klausurnote

Insgesamt 2100 Vorstellungsgespräche hat Michael Weiß in seiner Amtszeit für die Stadt geführt, eines davon mit Viola Neugebauer, wie sich die Sprecherin der Freien Wähler erinnerte. Drei Jahre lang habe sie in ihrer Ausbildung viel von ihm lernen dürfen, der eine oder andere Rüffel blieb dabei nicht aus, unter anderem wegen einer mäßigen Klausurnote. 

Karl Breitenbücher berichtete in seinen Ausführungen unter anderem von den gemeinsamen Interessen im Bereich Kunst und Kultur. "Deine Offenheit, vor allem für die Musik, hat der Stadt gut getan", so der Dritte Bürgermeister über Weiß, mit dem er gemeinsam nach einer jeden Feier im Rathaus immer die Türe abgeschlossen habe.

Mit einem Bibelzitat über Jesus, als dieser seine Jünger auf die Reise schickte, begann Janis Heller (SPD) seine Worte. Mit einem Wanderstock, einer zünftigen Brotzeit und einem Krug als Geschenk wolle man Michael Weiß ausstatten für neue Wege, die er zukünftig erkunden könne.  

Besonderes Schriftstück als Geschenk

Johannes Benkert, Sprecher der Fraktionsgemeinschaft Neuschter Liste/FDP,  grub für sein Abschiedsgeschenk tief im Familienarchiv und brachte eine Kopie der Abiturzeitungseite von Michael Weiß aus dem Jahr 1976 wieder zum Vorschein, die an einer Flasche Wein befestigt war. Benkert dankte Weiß zudem für die Unterstützung beim Aufbau des Jugendzentrums.

Bevor Michael Weiß selbst zu Wort kam, überreichte Petra Bieber, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft "Neustadt in Europa", ihm als Neustadt-Botschafter den entsprechenden Pass und einen Aufkleber. Sie dankte ihm zudem für die geleistete Pionierarbeit im Osten Deutschlands nach der Wiedervereinigung. 

Dankbar über hervorragende Chefs und Mitarbeiter

Von 820 Gremiumssitzungen und 240 Bürgerversammlungen während seiner Zeit sprach der scheidende Geschäftsleiter in seiner Rede, in der er auf die vergangenen 33 Jahre zurückblickte und sich einzelne, einschneidende Situationen und Köpfe herauspickte (ausführlicher Artikel darüber folgt). Er habe hervorragende Chefs gehabt und sei froh gewesen, hervorragende Mitarbeiter gehabt zu haben, "die mir selbst den Rücken freigehalten haben." Ohne die sei man sonst völlig aufgeschmissen, war ihm wichtig zu betonen. Genauso wichtig sei ihm immer auch ein lebendiger Marktplatz gewesen, auf dem sich die Menschen tummeln.

Der auch einmal emotionale Diskutant, wie Michael Weiß selbst zugab, dankte allen Weggefährten für das geschenkte Vertrauen und schloss mit den Worten: "Es war mir eine Ehre, für Bad Neustadt zu arbeiten."

Zur offiziellen Verabschiedung von Michael Weiß sprach neben den Fraktionssprechern der einzelnen Parteien auch Michael Werners Vorgänger auf dem Chefsessel der Stadt, Bruno Altrichter (links), einige Worte der Würdigung über die vergangenen gemeinsamen Jahre im Rathaus. Foto: Christian Hüther