Salz

Lieblingsrezepte: Karthäuser Klöße müssen in Vanille-Soße schwimmen

Andreas Sietz isst sehr gern Karthäuser Klöße, am liebsten mit viel Vanillesoße. Sie erinnern ihn an seine Kindheit, das Rezept hat er von seiner Mutter übernommen und diese wiederum von ihrer. Foto: Andreas Sietz

Zu meinen großen Leidenschaften zählen meine Familie, mein Beruf, Musik, die noch mit der Hand gemacht wurde, die Fotografie, über die ich auch vor vielen Jahren als Freiberuflicher zur Zeitung kam und natürlich leckere Gaumenfreuden. Ich lernte schon als Kind die Vielfalt an Gewürzen kennen. Wenn meine Mutter für meinen Vater, meine Schwester und für mich den Rührlöffel am Herd im Gartenstädter Nelkenweg schwang, stand ich ihr neugierig zur Seite. Durfte vor allem die Soßen des Sonntagsbratens probieren und sagen, welches Gewürz dem Ganzen noch die Krone aufsetzen würde.

Ich öffnete schon als kleiner Knirps jede Gewürzdose und probierte mit dem Finger die verschiedenen Geschmäcker und dies brannte sich in mein Langzeitgedächtnis geradezu ein. Ein besonderes Erlebnis war, als ich vor einigen Jahren den mit Sternen dotierten Fernsehkoch Frank Rosin persönlich kennen lernen durfte. Seine kulinarischen Köstlichkeiten katapultierten mich geradezu in einer gedanklichen Zeitreise in die Vergangenheit.

Der Speck als die "guten Vitamine"

Auf den aufgefahrenen Verköstigungstellern war nicht viel, alles eher überschaulich, ich versuchte Geschmacksrichtungen zu definieren und gedanklich stand ich wieder, wie einst, am Herd bei meiner Mutter. So manch Gewürz konnte ich aus den Kreationen herausfiltern. Mein Vater arbeitete damals auch samstags. Die Sechs-Tage-Arbeitswoche war noch normal. Nur meine Schwester und ich hatten keine Schule und somit frei. Für meine Mutter stand wie jeden Tag Hausarbeit und auf mich aufpassen auf dem Plan.

Andreas Sietz ist seit vielen Jahren Freier Mitarbeiter und echter Karthäuser-Klöße-Fan. Foto: Andreas Sietz

Meine Schwester war sehr ruhig und das Gegenteil von mir. Um mich in ihrer Nähe zu haben, fragte sie mich schon bei meinen morgendlichen „Honey-Smacks“, was sie kochen soll und ob ich ihr helfe. Hatte meine Mutter Zeit, dann gab es Samstags panierte Koteletts mit frischem Kartoffelsalat. Den Speck darin nannte ich immer die „guten Vitamine“, oder wenn es schnell gehen musste, wurde eine Dose Ravioli heiß gemacht.

Alte Brötchen kamen zu neuer Ehre

Letzteres war nicht so mein Fall und ich stand eher auf eine gute Süßspeise. Am liebsten waren mir da die „Karthäuser Klöße“ mit viel, ganz viel Vanille-Soße. Die konnte es aber nur geben, wenn von den Tagen zuvor noch ein paar Brötchen übrig gewesen waren. Ich schaute schnell in den Brotkasten und signalisierte „Es geht“. Das Rezept hatte meine Mutter schon von ihrer Mutter und danach übernahm ich es.

So kommen alte Brötchen noch zu einer echten Bereicherung auf den Tisch. Karthäuser Klöß, andere kennen diese vielleicht unter dem Namen „Arme Ritter“, waren in ähnlicher Form schon im Römischen Reich bekannt. In einem antiken römischen Kochbuch findet sich dieses Rezept „Zerbrich abgeriebene Siligenen, mache größere Häppchen, tauche sie in Milch, röste sie in Öl, übergieße sie mit Honig und serviere sie“.

Eine Süßspeise, die um die Welt ging

Es ist auf jeden Fall eine Süßspeise, die in manchmal abgewandelter Form um die Welt ging und nicht nur Kinderherzen höher schlagen lässt. Einfach und schnell. Und da schließt sich wieder mein persönlicher Kreis des Kulinarischen und vor allem der Gewürze, die ich zuhause, auf Basar-Besuchen in Indien, Ägypten, Marokko oder Tunesien sowie auf Rhöner Bauernmärkten kennen lernen durfte.

Andreas Sietz. Foto: Andreas Sietz

„So is(s)t man in Bad Neustadt – Rezepte mit Herz“. Meine Mutter und ihre legendären „Karthäuser Klöße“ fanden Raum im besonderen „Neuschter-Kochbuch“ und bei uns immer wieder auf dem Teller. Danke Mama für dieses leckere Rezept und die besondere Schule des Lebens.

In einer kleinen Serie stellen Mitarbeiter dieser Zeitung in losen Abständen ihr Lieblingsgericht vor und erzählen ihre ganz eigene Geschichte dazu. In diesem Bericht verrät Andreas Sietz sein Lieblingsrezept. Er arbeitet seit vielen Jahren als freier Mitarbeiter für die Lokalredaktion der Heimatzeitung und lebt in Salz.

Karthäuser Klöße

Vier bis sechs Brötchen vom Vortag werden jeweils in sechs Teile geschnitten. Drei Eier, 50 Gramm Zucker - es kann auch Vanille-Zucker mit untergemischt werden - mit gut einem halben Liter Milch verrühren. Dann über die Semmelstücke verteilen. Je mehr Flüssigkeit diese aufnehmen, umso leckerer wird es. Danach werden diese in Semmelbrösel „gewelchert“ und in heißem Fett heraus gebraten. Die Vanillesoße nach Anweisung aufkochen und zu den Karthäuser Klößen servieren. Über das Ganze abschließend vor dem Servieren etwas Zucker und Zimt nach Geschmack streuen. Bei mir müssen die Klöße immer richtig in Vanillesoße schwimmen.
Quelle:  etz