Bad Neustadt

Julian Morber muss während Corona stetig einen Spagat schaffen

Julian Morber ist im Landkreis Rhön-Grabfeld am Amt für Senioren und Menschen mit Behinderungen tätig. Die Corona-Maßnahmen bedeuteten auch für ihn viel Stress. Foto: Björn Hein

Der Ausbruch von Corona traf das Land mit so einer Wucht, dass in Bayern erstmals der landesweite Katastrophenfall ausgerufen werden musste. Doch zumindest die erste Welle wurde gut gemeistert. Dies ist einerseits dem umsichtigen Umgang der Bürger mit der Krise zu verdanken. Andererseits auch den Strukturen der Verwaltung, die in dieser Zeit auf den Katastrophenfall ausgerichtet wurden. Sie sorgten dafür, dass trotz der Pandemie keine Panik ausbrach.

Doch diese Strukturen mussten erst einmal geschaffen werden. Schließlich war auch das Landratsamt Rhön-Grabfeld auf eine solche Ausnahmesituation nicht vorbereitet. Mit vereinten Kräften, großem Einsatz und zahlreichen Überstunden konnten die Mitarbeiter dies meistern.

Julian Morber war in zweierlei Hinsicht betroffen

Der 33-jährige Diplom-Verwaltungswirt (FH) Julian Morber war von der Corona-Krise gleich doppelt betroffen. Zum einen als Verantwortlicher für das Amt für Senioren und Menschen mit Behinderung, zu dem auch die Heimaufsicht gehört. Zum anderen ist er auch zuständig für die rechtlichen Angelegenheiten des Gesundheitsamtes. "Letzteres ist eigentlich eher ein Anhängsel meiner Arbeit", erklärt Morber. Als die Krise jedoch losbrach, machte besonders diese Aufgabe einen großen Teil seiner Arbeit aus. "Natürlich schafft man so etwas nicht alleine. Ich hatte ein starkes Team", sagt er und nennt insbesondere die beiden Kolleginnen von der Heimaufsicht, Karolin Buchheim und Anne Wallishauser. Sowie Mirjam Eckert, die ihm zeitweise für die verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten unterstützend zur Seite gestellt wurde.

Den 12. März, einen Donnerstag, wird er wohl nicht so schnell vergessen. Ab da bekam die Corona-Krise eine Eigendynamik. Beginnend damit, dass erstmals Veranstaltungen untersagt werden mussten. "In den folgenden Wochen ging es dann Schlag auf Schlag", erinnert sich Morber an diese arbeitsreiche Zeit zurück. Denn von der Bayerischen Staatsregierung seien jeden Tag neue Vorgaben gekommen, die umgesetzt werden mussten. Die Anforderungen änderten sich fast täglich. "Hier ging es unter anderem um die Fragen: Wer muss wie lange in Quarantäne? Wie ist mit medizinischem Personal umzugehen? Welches Geschäft darf unter welchen Voraussetzungen öffnen? Welche Veranstaltungen dürfen stattfinden? Oder wie man mit Einreisenden umgehen soll und vieles andere", erklärt er.

Ein stetiger Spagat war und ist notwendig

Viele der Rechtsverordnungen und Allgemeinverfügungen bedurften und bedürfen weiter einer Auslegung, der Ermessensspielraum war und ist relativ groß. "Es war ein stetiger Spagat zwischen dem Schutz der Bevölkerung auf der einen Seite und unserem Bestreben, das Leben nicht mehr einzuschränken als unbedingt notwendig", erläutert Morber die schwierige Situation.

Bescheide formulieren und in großer Zahl herausgeben, war das eine. Das andere war, dass das Telefon nicht mehr stillstand. Zahlreiche Anfragen besorgter Bürger und Geschäftsleute mussten beantwortet werden, das E-Mail-Postfach wurde immer voller. Wenn Morber nach einem langen Arbeitstag nach Hause kam, konnte er oft nicht abschalten. "Auch emotional war die Sache schwierig. Wir hatten oft Anrufe von verzweifelten Selbständigen, die sich in ihrer Existenz bedroht sahen. Und da fragte man sich natürlich, ob man alles richtig gemacht hat", erinnert er sich zurück. Besonders zu Beginn der Pandemie war dies sehr emotional, schließlich ging es um Existenzen. "Glücklicherweise wurde zeitnah ein Hilfsprogramm vom bayerischen Staat aufgelegt, das hier einiges abfederte", erklärt er.

Bescheide und Schreiben mussten stetig angepasst werden

Die Verwaltungsarbeit durfte darüber hinaus natürlich nicht vernachlässigt werden. Bescheide, Bescheinigungen und Schreiben mussten aufgesetzt werden, die formuliert und stetig angepasst werden mussten. "Seit März haben wir Schreiben deutlich im vierstelligen Bereich versandt", so Morber. Besonders zu Beginn von Corona war die exponentiell wachsende Zahl von Bescheiden ein Stressfaktor, die passende Software zur Bewältigung des Papierbergs gab es noch nicht. "Wir arbeiteten mit Tabellenkalkulationslisten, in denen wir vermerkten, wer beispielsweise in Quarantäne ist oder wer arbeiten darf", berichtet er.

Wie gerufen kam die Hilfe der Firma Tree-IT aus Sandberg. Diese unterstützte das Landratsamt ehrenamtlich und entwickelte ein System, mit dem die Schriftstücke vollautomatisch erstellt werden konnten. "Das ging sehr zügig. Die Programmierer arbeiteten auch an den Wochenenden und nach Feierabend am System", erläutert Morber. Mittlerweile läuft das System nahezu perfekt und erleichtert die tägliche Arbeit sehr.

Teilweise fühlte er sich von der Regierung alleingelassen

Insgesamt sei die Bayerische Regierung mit der Krise recht souverän umgegangen, meint Morber. Doch er übt auch Kritik: "Manchmal würde man sich an der Basis wünschen, man würde die Dinge in München zu Ende denken, ehe man vor die Presse tritt." Als Beispiel nennt er die Allgemeinverfügung über den generellen Aufnahmestopp in Pflegeheimen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, mit der man die Verwaltungen und Einrichtungen über Wochen hinweg alleingelassen habe. "Wohin sollen die Leute, die zuhause nicht mehr gepflegt werden können oder aus den Kliniken ab- oder zurückverlegt werden mussten", fragt er.

Zielführender wäre es gewesen, die Bedingungen für Aufnahmen festzulegen. "Glücklicherweise konnten wir mit einigen Einrichtungen Absprachen treffen, diese zeitweise von gesetzlichen Vorgaben entbinden, Personal über den Pflegepool vermitteln und so Ausnahmegenehmigungen für Aufnahmen erteilen", informiert er. Dabei hatte man natürlich Angst, dass Fälle wie in Würzburger Pflegeheimen auftreten könnten. "Dies war aber glücklicherweise nicht der Fall", sagt Morber.

Morber kann nun wieder etwas mehr durchschnaufen

Aktuell gibt es nicht mehr so viele Anfragen. Anrufer wollen derzeit beispielsweise wissen, mit wie vielen Leuten man unter welchen Voraussetzungen feiern darf. "Aber auch Beratungen zu Hygienekonzepten aus den verschiedensten Bereichen werden weiter nachgefragt. Auch Fragen beispielsweise zu Besuchsregeln im Heim schlagen hier immer noch auf", berichtet er. Zumindest bleibt jetzt auch Zeit zum Durchschnaufen. "Ich bedanke mich für das starke Team, auf das ich mich verlassen konnte und das mir den Rücken freigehalten hat", lobt Morber die Gemeinschaftsarbeit.

Es sei eine sehr heftige Zeit gewesen, in der man aber sehr viel dazulernen konnte. Für ihn steht heuer noch ein freudiges Ereignis an: er heiratet. Das lässt er sich von der Pandemie nicht nehmen. "Coronabedingt allerdings im kleinsten Familienkreis und selbstverständlich unter Beachtung der Hygienebestimmungen", sagt er mit einem Schmunzeln.