Bad Neustadt

Impfzentrum in Bad Neustadt ist nur fast startklar

Der Eingang in das ehemalige Krankenhaus von Bad Neustadt wird auch der Eingang in das Impfzentrum des Landkreises. Wann dieses den Betrieb aufnehmen kann, ist allerdings noch nicht klar. Foto: Björn Hein

Der 15. Dezember war der Stichtag, an dem jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt in Bayern ein betriebsbereites Impfzentrum vorweisen sollte. Diese Vorgabe der Landesregierung hat Rhön-Grabfeld pünktlich erfüllt. Das MVZ im ehemaligen Kreiskrankenhaus ist bereit. "Von unserer Seite aus könnten wir loslegen", stellt der ärztliche Leiter des neuen Impfzentrums, Dr. Helmut Klum, bei einem Rundgang vor Ort mit Landrat Thomas Habermann, Impfzentrum-Geschäftsführer Dominik Rost, Major Christian Moritz und Stefan Helfrich vom Landratsamt fest. Und auch Landrat Thomas Habermann betont, dass von Seiten des Landratsamtes alle nötigen Vorbereitungen getroffen und abgeschlossen wurden. Für das, was jetzt noch fehlt, sind andere zuständig. Das ist zum einen der lang ersehnte Impfstoff und zum anderen die Software, ohne die ein derart aufwändiges Impfprogramm nicht bewältigt werden kann. Die will der Freistaat zur Verfügung stellen. Nicht zuletzt daher bleiben manche wichtige Fragen zum Thema Impfen noch offen.

Wo kommt es hin?

Das Impfzentrum wird in den Räumen des MVZ im früheren Kreiskrankenhaus in der Goethestraße in Bad Neustadt eingerichtet und ist dort künftig über den früheren Haupteingang zu erreichen. Das weitgehend leerstehende Gebäude erweist sich nun laut Landrat Habermann, als "Glücksfall". Im Umfeld stehen rund 60 Parkplätze zur Verfügung, es ist barrierefrei zu erreichen und es wurden keine größeren Umbauten erforderlich. Trotzdem waren bis zur Inbetriebnahme aufwändige Vorarbeiten erforderlich.

Was wird im Impfzentrum gemacht?

Im Impfzentrum werden die gesamte Impfkampagne im Landkreis organisiert und die  Verwaltungsarbeiten erledigt. Hier ist auch die Basis für die mobilen Impfteams. Gleichzeitig entsteht dort ein zentraler Schwerpunkt für die Impfungen. Dazu werden im Erdgeschoss zeitlich versetzt zwei Impfstrecken eingerichtet. Bekanntlich erfolgt die Corona-Impfung in zwei Schritten, wobei zwischen beiden Impfungen etwa zwei bis drei Wochen liegen sollen. Entsprechend wurde je eine Impfstrecke für die jeweilige Impfung eingerichtet. 

Ein Schreibtisch, Stühle und ein Computer. Dominik Rost (von links) stellt Helmut Klum, Sandra Weber vom Presseteam des Landkreises und Landrat Thomas Habermann einen der Räume vor, in denen Impfwillige künftig von einem Arzt informiert und beraten werden sollen.  Foto: Björn Hein

Wer macht's?

Im Impfzentrum selbst werden etwa 20 Personen arbeiten. Ein Großteil im Bereich der Verwaltung. Dazu kommen Impfärzte und medizinisches Personal, auch soll eine Telefon-Hotline mit bis zu acht Stellen eingerichtet werden. Die medizinische Leitung hat Dr. Helmut Klum, der vom ehemaligen Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Horst Rusche, vertreten wird. Die Verwaltung wird von Dominik Rost, dem Geschäftsführer des MVZ, geleitet, vertreten von Stephan Dömling vom Gesundheitsamt.

Was macht die Bundeswehr?

Ähnlich wie beim Contact-Tracing, der Nachverfolgung des Corona-Geschehens durch das Gesundheitsamt, werden Soldaten der Bundeswehr auch im Impfzentrum unterstützend tätig. Wie Major Christian Moritz erläutert, werden sie in der Verwaltung, bei der Hotline und als Springer mitarbeiten. Ohne die Amtshilfe der am Computer fitten und und höchst engagierten Soldaten hätte man sich in dieser schwierigen Situation sehr viel schwerer getan, freut sich Habermann auf die weitere Zusammenarbeit mit der Truppe. Was die Soldaten nicht machen und rechtlich auch gar nicht dürfen, ist die Übernahme von Wachaufgaben. Für den Schutz des Gebäudes und auch des Impfstoffes rund um die Uhr sowie den Ablauf der Impfungen wurde ein Sicherheitskonzept entwickelt und eine Sicherheitsfirma engagiert.

Wie geht die Impfung vor sich?

Eine umfassende Beschilderung im Umfeld und Bodenlinien im Gebäude sollen es jedem Impfwilligen ermöglichen, sich unkompliziert zu orientieren. Nach einer ersten Kontrolle von Ausweis und Terminbestätigung am Eingang sowie einem Fieber-Test erfolgt dann am früheren Empfang des Krankenhauses die Anmeldung. Nun führt der Weg in einen Warteraum, wo man sich bis zum Aufruf ins Arztzimmer mittels Video über die Impfung informieren kann. In einem weiteren Raum wird der Impfwillige von einem der beiden hier tätigen Ärzte befragt, über die Impfung informiert und muss dann seine Einwilligung dazu schriftlich geben. Im nächsten Raum wird ihm anschließend der Impfstoff von einem Helfer, beispielsweise einer Krankenschwester oder einem Pfleger, in den Oberarm gespritzt. Nach fünf bis zehn Minuten in einem Ruhebereich kann der Geimpfte dann das Gebäude durch einen weiteren Ausgang verlassen. Falls es zu Problemen nach der Impfung kommen sollte, sind auch Liegen in dafür vorbereiteten Räumlichkeiten vorhanden.

Die zweite Impfung erfolgt nach einem ähnlich Schema auf einer zweiten Impfstrecke. Die wird Mitte Januar in Räumen eingerichtet, die jetzt noch vom  MVZ genutzt werden. Das zieht bekanntlich zum Jahreswechsel nach Bad Königshofen um. Die Strecke wurde so organisiert, da bei der zweiten Impfung das Arzt-Gespräch und damit das gesamte Procedere wesentlich kürzer ausfallen dürfte.

Wer geimpft wird, kann einen Parkplätze im Umfeld des früheren Kreiskankenhauses nutzen. Foto: Björn Hein

Wir arbeiten die mobilen Impfteams?

Zu Beginn der Impfungen dürfte die Hauptlast der Arbeiten bei den mobilen Impfteams liegen. Sie sollen größere Gruppen jeweils vor Ort impfen. Besonders betrifft das Alten- und Pflegeheime sowie Behinderteneinrichtungen. Deren Bewohner sowie das jeweilige Personal zählen bekanntlich zu den Gruppen, die zuerst geimpft werden sollen. Bis zu drei mobile Teams mit jeweils vier Mitarbeitern sollen im Landkreis unterwegs sein. Sie bestehen jeweils aus einem Arzt, zwei medizinischen Assistenten für die Vorbereitung des Impfstoffs und die Impfung selbst sowie einer Verwaltungskraft. Da die Zahl der zu Impfenden und damit das Aufgabenfeld für die mobilen Teams beschränkt ist, dürfte sich der Schwerpunkt des Impfgeschehens auf das Impfzentrum verlagern.

Wann und wie oft wird geimpft?

Im Impfzentrum selbst soll von Montag bis Samstag jeweils von 8 bis 16 Uhr geimpft werden. Um die gewünschte Impfquote von 60 bis 70 Prozent im Landkreis zu erreichen, müssten rund 50 000 Rhön-Grabfelder jeweils zwei Mal geimpft werden. Das entspricht also etwa 100 000 Impfungen. Angestrebt sind 300 Impfungen am Tag. Das ergäbe 330 Arbeitstage. Allerdings soll im Laufe der Zeit dazu übergegangen werden, dass auch niedergelassene Ärzte Impfungen vornehmen. Entsprechend rechnet der Landrat damit, dass das Impfzentrum bis zu einem Jahr in Betrieb bleiben muss.  

Gibt es genügend Personal?

Darüber, dass zunächst ausreichend Personal für den Betrieb der Impfstation gefunden ist, sind sich Landrat, Dominik Rost und Helmut Klum einig. Über den Ärztlichen Kreisverband habe es viele positive Rückmeldungen gegeben. Auch im Bereich der Assistenzfunktionen seien viele Bewerbungen eingegangen. Dazu komme die Unterstützung durch die Bundeswehr in der Verwaltung und das Rote Kreuz im Bereich der mobilen Teams. Andererseits seien durch die zwei Impflinien und drei ambulante Teams viele Schichten zu besetzen. Entsprechend könne man sich weiterhin gerne bewerben. Gerade im Bereich der medizinischen Assistenz könnte man noch "etwas mehr Puffer" gebrauchen.

Wie wird der Impfstoff gelagert?

Der Corona-Impfstoff von Pfizer und Biontech, der vermutlich zuerst zum Einsatz kommen dürfte, muss bei einer Temperatur von etwa Minus 70 Grad aufgewahrt werden. Nach der Auslieferung an das Impfzentrum muss der Mainzer Impfstoff zunächst aufbereitet werden. Dazu seien bereits "Trockenübungen" erfolgreich durchgeführt worden. Danach bleibt er bei Kühlschranktemperatur aber noch vier bis fünf Tage stabil, könne also einfach im Medikamenten-Kühlschrank aufbewahrt werden, erklärt Dominik Rost. Er muss also auch in dieser Zeit genutzt werden. Entscheidend, so Rost, werde hier eine gute Organisation hinsichtlich Bestellmenge sowie Koordination der Impftermine sein. 

Wer trägt die Kosten?

Der Landkreis, so Thomas Habermann, streckt zunächst alle Kosten für das Impfzentrum vor. Sie werden ihm dann vom Freistaat erstattet.

Wann kann es losgehen?

"Möglichst bald." So lautet die Antwort aller Verantwortlichen. Letztlich ist das aber noch unklar und die Frage lässt sich seriös nicht beantworten, so Landrat Habermann. Es  hängt vor allem von der Zulassung und Bereitstellung des Impfstoffes ab. Auch an der Entwicklung eines für ganz Bayern einheitlichen Computerprogramms, mit dessen Hilfe die Impfungen verwaltungstechnisch abgewickelt werden sollen, wird derzeit noch auf Hochtouren gearbeitet. Alle Beteiligten hoffen aber, dass die Impfungen zu Beginn des neuen Jahres starten können.

Wer wird wann geimpft?

Das ist die zweite Frage, die sich noch nicht genau beantworten lässt. Klar scheint, dass Bewohner von Alten-, Pflege-, Behinderteneinrichtungen und Pflegepersonal zuerst an der Reihe sind. Wie die weitere Priorisierung dann genau aussieht, wird hoffentlich in den kommenden Tagen bekannt gegeben, so Habermann.

Wie bekommt man einen Impftermin?

Jeder sollte sich bereits Gedanken machen, ob man sich impfen lassen möchte. Wie man dann seine Impfwilligkeit signalisieren kann, ist ebenfalls noch nicht geklärt und hängt unter anderem von der schon genannten, noch fehlenden Impf-Software ab. Zu erwarten ist, dass es die Möglichkeit einer Online-Registrierung geben wird. Ob dann aber zum Beispiel alle Haushalte im Landkreis ein entsprechendes Schreiben erhalten, sei noch nicht entschieden, so der Landrat. Entscheidend für den weiteren Erfolg wird dann ein präzises Einladungsmanagement sein, damit es nicht zu Staus kommt. Auch das soll über die Software gesteuert werden.

Wohin kann man sich bei Fragen wenden?

Es wird eine Hotline mit bis zu acht Mitarbeitern geschaltet, um die gängigsten Fragen beantworten zu können. Allerdings gilt es zu beachten, dass die Kollegen dort keine Auskunft darüber geben können, ob und wann genau der jeweilige Anrufer auf der Priorisierungsliste "oben" steht. Die Nummer wird rechtzeitig bekanntgegeben.

Wird es funktionieren?

Landrat Thomas Habermann zeigt sich sehr zuversichtlich, dass alle Hürden gemeistert werden. Nach den bisherigen Erfahrungen "gibt es nichts, was uns noch schrecken kann". Ungewohnt poetisch blickt Helmut Klum in die Zukunft und stellt fest: "Es wird wieder eine Zeit kommen, in der das einzig ansteckende ein Lächeln im Gesicht sein wird."