Hollstadt

Hollstadt: Mehrheit gegen eine Abspaltung der Ortsteile

"Mei welle in Hollscht blei." Diese Zuhörerinnen taten ihre Meinung zur Ausgliederung der Ortsteile in der Sporthalle per Plakat kund. Foto: Stefan Kritzer

Die Gemeinde Hollstadt und vor allem die Ortsteile Wargolshausen und Junkershausen kommen nicht zur Ruhe. Vor der Sommerpause hatte sich der Gemeinderat mit einem Brief des Bürgermeisters an den Landtag beschäftigt, in dem Georg Menninger die Befürwortung der Gesamtgemeinde am Windpark Wülfershausen bestätigte.

Eine solche Zustimmung zu dem Projekt gab es aber von Seiten des Gemeinderates in der Vergangenheit nicht. Menninger musste seinen Fehler eingestehen und hat dies auch öffentlich kund getan. Ohne sich allerdings für diesen Fehler, wie aus den Ortsteilen einige Male gefordert, zu entschuldigen. In Folge dessen hatte Gemeinderätin Elsbeth Warmuth (Wargolshausen) am 3. Juli eine Petition an den Landtag gerichtet , um die Möglichkeit einer Ausgliederung der Ortsteile Junkershausen und Wargolshausen aus der Gemeinde Hollstadt zu erörtern.

Innenministerium fordert Stellungnahme

Jetzt war die Gemeinde vom Innenministerium über das Landratsamt Rhön-Grabfeld zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. Um diese Stellungnahme ging es in der Gemeinderatssitzung, nicht um die Ausgliederung der Ortsteile. Erneut waren mehr als zwei Dutzend Besucher bei der Gemeinderatssitzung in der Sporthalle zugegen. Sie sollten eine teilweise sachliche, aber teilweise auch hitzige und mehrstündige Diskussion erleben, in der Gründe für eine Ausgliederung der Ortsteile Wargolshausen und Junkershausen ebenso besprochen wurden wie Forderungen nach einem Ende der Streitereien im Gemeinderat und eine Rückkehr zur Sachpolitik.

Konsternierte Sitzungsbesucher

Sogar zwei Plakate mit der Aufschrift "Mei welle in Hollscht blei" (Wir wollen in Hollstadt bleiben) waren im Publikum zu sehen. Ebenso wie mehrere Zuhörerinnen und Zuhörer, die im Verlauf der Diskussion mehrfach ob der besprochenen Themen konsterniert die Hände vor das Gesicht schlugen.

Zu Beginn der Diskussion verlas Elsbeth Warmuth ihr Schreiben an den Landtag. Darin stellt sie die Stimmung in den Ortsteilen als "sehr brisant und angespannt" dar. "Die kleinen Ortsteile fühlen sich ausgenutzt", sagte Warmuth und führte unter anderem als Beispiel den Bau der Autobahn A71 an.

Stimmen für Austritt

Die aktuelle Arbeit im Gemeinderat beschrieb die Gemeinderätin, die bei der Kommunalwahl als Bürgermeisterkandidatin Amtsinhaber Georg Menninger unterlegen war, als problematisch: "Viele Vorgänge in der Gemeinde sind für mich als Gemeinderätin unfassbar", so Warmuth. Vor allem der Vertrauensbruch mit dem Bürgermeister in Sachen Windparkbrief belaste das Verhältnis maßgeblich. "Das ist auf Jahre nicht mehr zu kitten." Das Fazit von Elsbeth Warmuth: "Die Stimmen für einen Austritt werden in den Ortsteilen immer lauter."

Menninger: Trennung bringt nur Nachteile

Einem Ansinnen, dem Bürgermeister Georg Menninger vehement widersprach: "Eine Trennung bringt nur Nachteile", sagte Menninger. "Die finanzielle wie die wirtschaftliche Situation der bestehenden wie der dann entstehenden neuen Gemeinden würden sich massiv verschlechtern", so der Bürgermeister. Auch sprechen laut Menninger keine Gründe im Sinne des öffentlichen Wohles gegen eine Ausgliederung. Die Gesamtgemeinde hat derzeit 1465 Einwohner wovon 944 in Hollstadt, 422 in Wargolshausen und 99 in Junkershausen gemeldet sind.

Die Diskussion, ob dem öffentlichen Wohl mit oder ohne Ausgliederung mehr geholfen ist, zog sich wie ein roter Faden durch die anschließende Diskussion. Zunächst aber verlas Menninger die von ihm in Zusammenarbeit mit der Verwaltungsgemeinschaft vorbereitete Stellungnahme. Darin listete Menninger die Entwicklung der vergangenen Jahre innerhalb der Gesamtgemeinde auf und sprach von den zahlreichen Projekten, die erfolgreich verwirklicht werden konnten. Unter anderem erwähnte Menninger die derzeit laufende Dorferneuerung in Junkershausen.

Wechsel zur VG Mellrichstadt?

Für Gemeinderat Gerhard Zwierlein (Wählergemeinschaft Junkershausen) ist eine solche Auflistung aber nicht zielführend. "Die Dorferneuerung steht Junkershausen zu", sagte Zwierlein, der eine Ausgliederung der Ortsteile durchaus für möglich hält. Nicht unbedingt als dann selbständige Gemeinde, sondern als Teil einer anderen Verwaltungseinheit, beispielsweise Hendungen oder Mellrichstadt.

Bei solchen Vorschlägen kochte die Stimmung unter den Zuhörern in der Sporthalle immer wieder hoch. Gregor Warmuth aus Junkershausen ließ sich als Zuhörer das Wort nicht verbieten und warb vehement für einen Verbleib des Dorfes in der Gemeinde Hollstadt. Zudem betonte er, dass nur "einige wenige" eine Ausgliederung wünschen und legte eine Liste mit 68 Unterschriften von Bürgern aus Junkershausen vor, die für den Verbleib in der Gemeinde zeichnen.

Keine Zahlen zur Unterstützerstärke

"Wie viele Mitbürgerinnen und Mitbürger sind denn für diese Petition?", wollte auch 2. Bürgermeister Jürgen Gruß wissen. Eine Antwort bekam er von Gerhard Zwierlein und Elsbeth Warmuth hierauf nicht. Zwierlein unterstrich: "Es geht um das öffentliche Wohl und da ist eine Kostendiskussion, wie in der Stellungnahme aufgelistet, nicht zielführend", so Zwierlein. "Wichtiger ist die Ursache für die Einreichung der Petition", betonte der Gemeinderat und nannte hier den Windparkbrief des Bürgermeisters an die Landtagsabgeordneten. "Das ist das ganze Übel", so Zwierlein.

Im Verlauf der Diskussion um die Petition, deren Wucht Elsbeth Warmuth wohl selbst unterschätzt hatte, äußerte sie die Möglichkeit einer Rücknahme ihres Schreibens an den Landtag. "Aber nur, wenn der Bürgermeister sich für seinen Brief entschuldigt", so Warmuth, was Georg Menninger aber wohl nicht zu tun gedenkt. Jürgen Gruß warf Elsbeth Warmuth nach ihrem mit roten Herzen an den Dorfrändern geführten Wahlkampf im Frühjahr vor, heute die "größte Spalterin seit 20 Jahren" in Hollstadt zu sein.

Thema bleibt wohl noch lange auf dem Tisch

Da die Stellungnahme bis kommenden Montag im Landratsamt erwartet wird, wäre eine Rücknahme der Petition durch Elsbeth Warmuth nur gleichzeitig oder wenig zeitversetzt möglich. Nach langer Diskussion stellte der Bürgermeister die Stellungnahme nach einigen redaktionellen Änderungen zur Abstimmung im Gemeinderat. Die Mehrheit stimmte für den Entwurf der Stellungnahme, Elsbeth Warmuth, Hubert Warmuth (Wargolshausen) und Gerhard Zwierlein stimmten dagegen. Somit steht zu befürchten, dass das Thema noch lange nicht vom Tisch ist.

Dritte Bürgermeisterin Sabine Büttner (Wargolshausen) meldete sich in der Diskussion erst spät zu Wort und erklärte, dass sie nicht viele Menschen in ihrer Heimatgemeinde getroffen hätte, die für eine Ausgliederung stimmen würden. Büttner plädierte für ein Ende der Unstimmigkeiten zwischen Bürgermeister und einigen Gemeinderäten und für eine Rückkehr zur Sachpolitik. "Vor lauter Streitereien wurde von Mai bis heute keine neue Sache in der Gemeinde angepackt", beschwerte sich die 3. Bürgermeisterin. "So kommen wir in der Gemeinde nicht weiter", betonte auch Gemeinderat Andreas Reß. Marilena Trott brachte es auf ihre Weise auf den Punkt: "Wir könnten jetzt auch über einen neuen Spielplatz reden."