Bad Neustadt

Bad Neustädter Wirte erzählen im Video, wie es ihnen im Lockdown geht

So wie auf diesem Symbolbild bleiben auch bei den Bad Neustädter Wirten derzeit die Stühle ihrer Lokale leer. Darüber, wie es ihnen im Lockdown geht, sprechen sechs Bad Neustädter Gastronomen in einem emotionalen Video. Foto: Sebastian Gollnow, dpa

Stell dir vor, du gehst als Wirt auf dein Lokal zu - die Tür ist verschlossen. Du schließt sie auf und gehst hinein - alle Stühle sind leer. Du gehst weiter in die Küche - sie ist kalt. Eine traurige Vorstellung, doch auch für die Bad Neustädter wie für alle Gastronomen aufgrund des Lockdowns derzeit Realität. Ja, die Situation ist schwierig. Die Frage zu beantworten, wann und wie es weiter geht, ebenso. In einem nun von der Tourismus und Stadtmarketing Bad Neustadt GmbH veröffentlichten Video erzählen sechs Bad Neustädter Gastwirte, wie sie sich im Lockdown fühlen und was ihnen fehlt. Der Kurzfilm stellt ihre derzeitige Lage auf emotionale, aber nicht schwarzmalende Art dar. Es schimmert auch Hoffnung durch auf eine neue Normalität für die Wirte nach der Krise.

Franco Petraglia, der die Pizzeria O' Sole Mio betreibt, zieht seinen Mund-Nasen-Schutz ab. Rolf Brückner und seine Ehefrau sitzen ratlos im leeren Gastraum des Haus am Park. Peter Wlost vom El Moro stellt die Stühle hoch. Dazwischen eine Stimme, die aktuelle Nachrichten zur Corona-Pandemie vermeldet. Gleich die ersten Szenen im Video berühren den Betrachter und lassen zumindest bruchstückhaft miterleben, wie sich die Situation für Gastwirte derzeit darstellt. Die Probleme, die Corona für den Einzelhandel und die Gastronomie mit sich bringt, lassen auch die Stadt Bad Neustadt und die Tourismus und Stadtmarketing GmbH (TS) nicht kalt. Und die Rhön-Grabfelder offenbar ebenfalls nicht - das Video wurde auf Facebook bereits mehrere hundert Mal geteilt und häufig kommentiert.

Die Wirte nicht als Trauerklöße darstellen

"Die Gastronomie wurde von der Pandemie besonders hart getroffen, sie hat bereits am längsten geschlossen. Uns war klar, dass wir, die wir mit dem Projekt KaufLokal bereits den Einzelhandel unterstützen, unbedingt auch den Wirten helfen müssen", sagt TS-Geschäftsführer Michael Feiler auf Nachfrage. Seine Mitarbeiterin Anna-Lena Weber habe dann die Idee mit dem Video gehabt, wovon alle im Team sofort begeistert gewesen seien. Mit Leo Schäfer fand sich ein professioneller Videoproduzent, der beim Umsetzen des Projekts half. Finanziert wurde das Video aus dem Werbeetat des TS. 

Empathie soll laut Feiler im Video rüberkommen, der Betrachter mitfühlen können. "Ziel war es außerdem, etwas Zuversicht in der harten Situation zu vermitteln. Die Wirte wollen wir keineswegs als Trauerklöße präsentieren, das hilft ja auch keinem weiter", erklärt Michael Feiler. Im Video zu Wort kommen die Betreiber von Einfach wir, Pizzeria O' Sole Mio auf der Salzburg, Hotel Haus am Park, Waiki's Bar, El Moro und Gasthof am Markt. Studentin Johanna Link suchte sie zusammen mit einem Kameramann jeweils in ihren Lokalen auf und stellte ihnen Fragen. So etwa zur derzeitigen Situation oder ihren Erwartungen, wie es für sie weitergeht.

Peter Wlost, Betreiber des El Moro an der Bad Neustädter Salzpforte, stellt die Stühle in seinem Lokal hoch. Er und fünf weitere Bad Neustädter Gastronomen berichten in einem Video von ihrer derzeitigen Lage. Foto: Screenshot: Kristina Kunzmann

Wirte freuen sich über Aufmerksamkeit

"Es ist furchtbar, wenn man ins eigene Lokal kommt und es sind keine Gäste da", bringt es etwa Karl-Wilhelm "Kalli" Wehner, Betreiber des Gasthofes am Markt und Rhön-Grabfelder Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, im Video auf den Punkt. Rolf Brückner vom Haus am Park sagt, man hätte eigentlich gedacht, dass nach der Wiedereröffnung gleich wieder viele Gäste kommen, aber dem sei nicht so gewesen. Da sei man schon enttäuscht und frage sich, ob man etwas falsch gemacht habe. Von einem "sehr befremdlichen Gefühl, wenn von einem auf den anderen Tag kein Betrieb mehr ist, wo immer viel los war" spricht Peter Wlost, der an der Salzpforte das El Moro betreibt.

Bei der Stadt Bad Neustadt und der Tourismus und Stadtmarketing Bad Neustadt GmbH versteht man das Video als Sympathie-Bekundung für die Wirte, als Zeichen des Verständnisses. "Die Leidtragenden der Krise sollen nicht in Vergessenheit geraten. Unsere Aufgabe ist es normalerweise, Leute in die Stadt zu bringen. Im Lockdown versuchen wir, auf andere Art zu helfen", betont Michael Feiler.

Gastronomie ist mehr als Essen und Trinken

Über dieses Signal freuen sich auch die im Video porträtierten Gastronomen. Waios Dinudis, der Waiki's Bar in Herschfeld betreibt, sagt: "Es ist schön, dass wir zumindest auf diese Weise etwas Aufmerksamkeit bekommen und dass die Stadt sich hier etwas einfallen lässt und uns unterstützt". Denn man sei halt in gewisser Weise doch auf sich alleine gestellt und müsse das akzeptieren, was die Regierung beschließt.

Kalli Wehner vom Gasthof am Markt ist sich sicher, dass sich nach der Krise auch in der Gastronomie etwas ändern wird. Er findet es schwierig, sagt er, wenn man Leute sehe, die in der derzeitigen Situation beispielsweise noch zum Skifahren verreisen und sich nicht an die Empfehlungen halten. Für sie gehe es vielleicht auch nach Corona weiter, für so manchen Wirt aber möglicherweise nicht, gibt er zu bedenken.

Dass es für sie als Wirte um viel mehr geht als um das Servieren von Essen und Getränken, zeigen die Gastronomen gegen Ende des Videos mit Schlagworten berührend auf. Für Julia Matis und Florian Knobling vom Einfach wir etwa ist Gastronomie Handwerkskunst, für die Brückners Lebensqualität, für Kalli Wehner Leidenschaft, um nur einige Beispiele zu nennen. Dass Aufgeben keine Option ist, bringt Wehner auf den Punkt: "Die Moderatorin fragte mich, ob ich noch Hoffnung habe. Selbstverständlich! Denn die Hoffnung stirbt immer zuletzt".