Bad Neustadt

Griffel, Kaulquappen, Tränen: Rhöner Redakteure erzählen von ihrem Schulstart

Bunte, noch neu glänzende Büchertasche, ein stolzes Lächeln im Gesicht oder auch ein ängstlicher Blick. Die Hand von Mama oder Papa oder Oma oder Opa gibt Halt und Sicherheit. So werden am Mittwoch, 14. September, viele Mädchen und Jungen zum ersten Mal zur Schule gehen. Die Einschulung ist ein Tag, der vielen oft noch etliche Jahre oder gar Jahrzehnte später im Gedächtnis ist. Wie sie ihren Start in den "Ernst des Lebens", wie man so schön sagt, erlebt haben, erzählen hier Redakteurinnen und Redakteure dieser Zeitung. Ihre Aufgabe, liebe Leserinnen und Leser, ist es nun, die Einschulungsfotos den Redaktionsmitgliedern zuzuordnen. Die Lösung finden Sie online.

Gleich zwei Katastrophen bei Thomas Pfeuffer

Der erste Schultag war für den kleinen Thomas Pfeuffer geprägt von gleich zwei Katastrophen. Mit der Schultüte in und der Mutter an der Hand startete er 1966 in der Volksschule des beschaulichen Dörfleins Oberwerrn in diesen neuen Lebensabschnitt. Weil er Süßigkeiten noch nie mochte, kann er sich auch nicht mehr an den Inhalt der Schultüte erinnern, an zwei andere Vorkommnisse sehr wohl.

Die erste Katastrophe folgte schon wenige Minuten nach der offiziellen Begrüßung im Schulhof. Man mag es sich heute kaum mehr vorstellen, aber die Zahl der Grundschülerinnen und Grundschüler war damals so hoch, dass sie die Kapazitäten der kleinen Dorfschule sprengte. So wurden die Erstklässer aufgeteilt. In eine Klasse, der vor Ort Lesen und Rechnen beigebracht wurde, und eine Gruppe, die künftig tagtäglich mit einem oft knurrigen Fahrer per Bus zur Schule ins benachbarte Kützberg gekarrt wurde und zu der auch er zählte. Wenn es wenigstens nicht Kützberg gewesen wäre. Allerdings erwies sich der vermeintliche Schicksalsschlag nach einigen Wochen – nicht zuletzt dank einer Kützberger Mitschülerin namens Annette ­- als dann doch nicht so tragisch.

Woran er sich auch noch ganz genau erinnert ist, dass er an jenem Tag mit einer neuen Schiefertafel samt Schwämmchen und Griffeln ausgestattet war. Fräulein Schramm, so hieß die erste berufsmäßige Pädagogin seines Lebens, verkündete nämlich am Ende des ersten Schultags, dass eine neue Epoche angebrochen sei. Tafel samt Zubehör seien passé, geschrieben werde künftig ausschließlich mit Bleistift und Füller im Heft.

Solche umwälzenden Neuerungen alleine wären im traditionsbewussten Schweinfurter Gäu schon schlimm genug gewesen. Dass man aber Investitionen umsonst getätigt hatte und nun auch noch nicht unerhebliche neue fällig wurden - so ein Füller, ob Geha oder Pelikan, war zu dieser Zeit nicht gerade billig - weil die Eltern im Vorfeld nicht informiert waren, sorgte für erhebliche Unruhe im ganzen Dorf und manch unfeines Wort über die später sehr geschätzte Lehrerin. Und für eine bleibende Erinnerung beim jungen Schüler.

Keine Sesamstraße mehr für Sigrid Brunner

Meinem ersten Schultag konnte ich beruhigt entgegensehen. Ich war nicht allein, mein Sandkastenfreund Thomas war bei mir. Thomas wurde nur zwei Wochen vor mir geboren und wohnte mit seiner Familie direkt neben uns. Wir waren unzertrennlich. Und das blieb auch auf der Schulbank so.

Zu der Zeit war Mini gerade voll in. Der Blick auf das Erinnerungsfoto vom ersten Schultag ist beruhigend. Ich ging mit der Mode. Weitere Fotos zeigen, dass an dem Tag wir alle im Kreis standen und Kennenlernspiele veranstaltet wurden – und die Miniröcke der anderen Mädchen auch ganz schön mini waren. Wir wurden in zwei Klassen eingeteilt. Die Gersfelder Kinder, zu denen ich gehörte, kamen in die A-Klasse und die auswärtigen Kinder, die Fahrschüler, landeten in der B-Klasse. Das gefiel mir nicht so gut, da meine Verwandten nicht in Gersfeld, sondern in Rengersfeld wohnten.

Sehr gerne denke ich noch an unsere erste Klassenlehrerin: Frau Berger war eine fantastische Lehrerin und ein ganz lieber Mensch. Vor Augen habe ich auch noch ein Aquarium, das unser Mathelehrer hinten im Klassenzimmer aufstellte. Darin waren Kaulquappen. Jeden Tag beobachteten wir deren Entwicklung. Wann die kleinen Lebewesen wieder in die freie Natur kamen, weiß ich nicht mehr. Aber wenn der Mathelehrer deren Froschwerdung abgewartet hätte, dann würde ich mich bestimmt daran erinnern.

Mit Beginn der Schulzeit musste ich von einem liebgewordenen Ritual Abschied nehmen. Künftig konnte ich nicht mehr um 9.30 Uhr die Sesamstraße schauen. Keine schönen Geschichten mehr rund um Ernie, Bert und Quietscheentchen, Krümelmonster und Kekse, den liebenswerten Grobi und den Griesgram Oskar. Eine zweite Gewohnheit habe ich, so erzählt es meine Mutter, beibehalten. Auch nach der Einschulung verabschiedete ich mich nachmittags für eine halbe Stunde und hielt meinen geheiligten Mittagsschlaf.

Christian Hüther und sein kurzer Schulweg

Ich müsste meinen Eltern heute noch dankbar sein für unseren äußerst günstig gelegenen Wohnsitz quasi am Fuße des Bad Neustädter Schulberges. Denn so konnte ich behaupten, die wahrscheinlich kürzeste "Anreise" aller meiner neuen Mitschülerinnen und Mitschüler am ersten Schultag und in den kommenden Schuljahren zu haben. Ich konnte mir also immer schön viel Zeit morgens im Bad und am Frühstückstisch lassen und das Weckerklingeln zeitlich recht schön nach hinten schieben. 

Auch das Einüben des Schulweges gestaltete sich daher recht einfach. Über unseren Garten musste ich lediglich durch eine Holztüre (die es heute so noch gibt) schreiten, nur einen kleinen Teil des Schulberges überwinden und schon war ich gefühlt mittendrin in meiner neuen schulischen Heimat in der Grundschule.

An meinem ersten Schultag - und das war in den kommenden Schuljahren auch meistens der Fall - war es im Gegensatz zu heute noch sommerlich warm mit teilweise um die 30 Grad. Darüber habe ich mich auch deshalb immer gefreut, da der erste Schultag eines neuen Schuljahres manchmal sogar mit meinem Geburtstag zusammenfiel.

Die Erinnerungen an den Start meines Schullebens in den 90er-Jahren sind mittlerweile etwas verblasst. Ich kann mich aber noch recht gut an den ersten Gang - oder besser gesagt Spurt - in unser Klassenzimmer erinnern. Denn blitzschnell begann der Kampf um die besten Plätze dort. Keine Überraschung war die Wahl meiner neuen Sitznachbarin. Wir kannten uns, wie andere meiner Mitschülerinnen und Mitschüler auch, noch aus dem Kindergarten und hatten daher schon vorab die wichtigen "Deals" abgeschlossen.

Wie es letztlich zur Auswahl meines Schuloutfits und der Gestaltung der Schultüte kam, davon können sich auch meine Eltern heute keinen Reim mehr machen. Außer, dass bei Letzterem Moosgummi eine ganz große Rolle bei der Verzierung spielte. Klar ist aber, dass mir beim Ansehen der Bilder wieder sehr positive Erinnerungen an eine schöne Zeit in der Grundschule ins Gedächtnis gekommen sind. 

Die "Buben-Schultüte" von Kristina Kunzmann

Puppen! Nein, die grinsten nicht von meiner im Kindergarten selbstgebastelten Schultüte. Da war ich damals wohl eher untypisch eingestellt für ein siebenjähriges Mädchen. Denn alle meine Freundinnen klebten rosa Püppchen oder Feen auf ihre Schultüten, ich nicht. Der ein oder andere hätte meine Tüte wohl als "Buben-Schultüte" bezeichnet - war mir aber egal. Warum es ausgerechnet so ein Exemplar sein musste, weiß ich aber bis heute selbst nicht. Ich habe mit den Gestalten auf meiner Schultüte nichts am Hut und hatte es auch nie, nicht mal zur Faschingszeit.

Vielleicht aus Trotz? Denn das letzte Jahr im Kindergarten war mir teilweise schon zu langweilig geworden. Entsprechend groß war die Vorfreude darauf, endlich ein Schulkind zu sein. Schon lange vor dem großen Tag wurde zusammen mit meiner Patin Silvia die Büchertasche ausgesucht – sie war fast größer als ich. Aber Hauptsache rot-blau und mit Felix, dem Hasen, drauf. Zwei Mitschülerinnen aus Niederlauer hatten den selben Ranzen, mehr als einmal verwechselten wir die Taschen an der Bushaltestelle fast miteinander.

Richtig stolz war ich, als ich im September 2002 mit meiner – wahnsinnig originellen – Hasenbüchertasche und meiner bunten Rennfahrerbrille von meinem Lehrer Herrn Hornung in der Klasse 1a der Volksschule Salz begrüßt wurde. Ein anderes Mädchen heulte Rotz und Wasser, weil es so Angst hatte. Ich war da eher entspannt und freute mich einfach nur. Vor allem, als ich nach Schulschluss endlich meine seltsame "Buben-Schultüte" aufmachen durfte. Darin fand ich Stifte, ein Lineal, einen Spitzer und natürlich Süßigkeiten.

An meinem ersten Schuljahr habe ich vor allem in Erinnerung, dass es gefühlt nie vorbeiging – im positiven Sinn. „Ochs am Berg“ und Verstecken frühs an der Bushaltestelle. Gummitwist, „Bei Müllers hat gebrannt, brannt, brannt“ und Fangen in der Pause. Dazwischen Lesen, Schreiben, Rechnen, Bohnen pflanzen und mehr. Es gab immer etwas Neues zu erleben. Und die seltsame Schultüte, die lag noch viele Jahre auf meinem Kleiderschrank und erinnerte mich an meinen schönen ersten Schultag.

Franziska Sauer und das verlorene Igelauge

An meine Grundschulzeit erinnere ich mich gerne zurück, denn es war eine wirklich schöne Zeit. Von meiner Einschulung weiß ich allerdings nicht mehr ganz so viel. Das Wetter war eher trüb und kühl, nachmittags gab es Kuchen und die erste Hausaufgabe ­– am Küchentisch erledigt ­­­­­­– bestand darin, ein Bild von meiner Schultüte zu malen. Eine Sache ist da aber noch, die mir von diesem Tag - sogar sehr bildlich - in Erinnerung geblieben ist. Während sich die anderen Kinder freudestrahlend zum Erinnerungsfoto aufstellten, vergoss meine beste Freundin bitterliche Tränen. An ihrer Schultüte hatte sich das Auge eines Igelmotivs gelöst, was sie völlig aus der Bahn warf. Zum Glück hatten unsere Mütter, natürlich auf unseren Wunsch hin, die gleichen Schultüten gebastelt, sodass ich ihr für das Foto (sie kam damals in meine Parallelklasse) kurzerhand einfach meine Schultüte überließ.

Und damit sind die Erinnerungen an meine Einschulung auch schon nahezu erschöpft. Schade eigentlich. Anders als Kinder erinnern sich Eltern aber zum Glück viel besser an solche Tage. Ich frage also meine Eltern, wie meine Einschulung war. Und schwupps sind wir auch schon im September 1996. Zusammen mit meiner Mutter mache ich mich auf den Weg zur Kirche. Die Schultüte darf ich zwar schon tragen, sie bleibt aber noch geschlossen. So sind die Regeln. Nach dem Gottesdienst laufen wir nach nebenan zur Schule. Dort gehen wir alle gemeinsam in unser erstes Klassenzimmer. Wir Kinder nehmen unsere Plätze ein, die Familien stehen hinten im Raum. Ein paar freundliche Worte meiner Klassenlehrerin Frau Wald und dann muss die Familie raus.

Wir bleiben noch im Klassenzimmer – ein erstes Warmwerden mit der neuen Umgebung und den neuen Schulkameraden, von denen ich aber die meisten schon kenne. Alles Fladunger. Für zu Hause gibt es den ersten Hausaufgabenzettel ­– das war’s. Noch ein gemeinsames Foto für die Presse und der erste Schultag ist Geschichte. Zu Hause darf ich meine Schultüte öffnen. Ein bisschen Süßes, Obst und Malstifte erwarten mich. Eine große Feier, wie heute bei vielen üblich, steigt dann nicht. Das war zu der Zeit einfach noch anders.

Steffen Sauers Kampf mit "Uli, dem Fehlerteufel"

Bevor ich mich überhaupt zu meinem ersten Schultag aufmachen durfte, musste ich der Grundschule in Brendlorenzen schon Wochen vorher einen Besuch abstatten. Denn es galt, beim Schuleignungstest zu beweisen, dass ich, der erst im September sechs Jahre alt wurde, überhaupt schon "reif" genug für die Grundschule bin. Nachdem ich diesen Test, der mir nicht schwerfiel, erfolgreich absolviert hatte, war ich dann also bereit für den großen Tag. An den ich mich zugegebenermaßen aber auch nicht mehr so recht erinnere.

Zwei Sachen haben sich dann allerdings doch eingeprägt. Zum einen ein Freund von mir, den, als die Eltern die Klasse verlassen mussten, die absolute Wehmut überkam und der daraufhin in Tränen ausbrach und hemmungslos weinte. Unsere Klassenlehrerin Frau Lorenz zeigte aber bereits da ihr großes Herz und so gelang es ihr auch schnell, den gar nicht so kleinen Pimpf zu beruhigen. Und dann war da noch der neue Mitschüler, der in Sachen Platzwahl gleich eine ganz pragmatische Lösung parat hatte. Auch wenn ich den genauen Wortlaut im Lebenhaner Dialekt nicht mehr hinbekomme, am Ende lautete der Vorschlag ungefähr so: "Die Kerle sitzen rechts, die Weiber links!" Umgesetzt wurde seine Idee allerdings nicht.

Übrigens - das mit der Schulreife sollte sich im ersten Schuljahr dann doch noch als etwas schwierig erweisen. Waren die Vormittage in der Schule aus meiner Sicht ja durchaus eine ganz unterhaltsame und interessante Sache, so schwand das Interesse am Lernen am Nachmittag doch immer wieder rapide. Vor allem, wenn ich während der Hausaufgaben aus dem Fenster blickte und meine Freunde, die noch nicht eingeschult waren, beim Spielen sah. Aber es half ja nichts, mit einem wehmütigen Blick wandte ich mich dann halt doch wieder "Uli, dem Fehlerteufel" zu - der begleitete mich dann auch noch eine geraume Zeit und wir fochten viele Gefechte aus, wie die deutsche Rechtschreibung denn nun wirklich richtig angewandt wird.


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