Rödelmaier

Engagement: Wie in Rödelmaier Nächstenliebe gelebt wird

Die Ansprechpartner (von links) Elisabeth Schmitt, Carola Kroczek, Otto Lehmann, Anita Laudenbach und Dieter Wirsing bilden den engeren Kreis der "Nächstenhilfe Rödelmeier – Hände, die helfen". Foto: Eckhard Heise

Ein Bronzekunstwerk vor dem Kloster in der Dorfmitte stand ganz offensichtlich Pate für eine Initiative, die in Rödelmaier mit großem Erfolg aktiv ist. Das Werk zeigt zwei ausgestreckte offene Hände, die gleichzeitig Geben und Nehmen symbolisieren. In diesem Sinn arbeitet die "Nächstenhilfe Rödelmaier – Hände, die helfen".

Die Hände gehören inzwischen zu 20 Personen. Diese haben sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen, um Mitmenschen zu helfen, wenn sie Hilfe benötigen. Das kann durch das Erledigen von Einkäufen, Begleitung bei Arzt- oder Behördenterminen, Betreuung von Kindern oder Unterstützung im Haushalt oder einfach nur mit Gesprächen geschehen. 65 Einsätze bei 16 Personen hat Anita Laudenbach seit der Gründung zu Anfang des Jahres registriert.

Alle Fäden laufen bei Anita Laudenbach zusammen zusammen

Sie muss es wissen. Denn bei der agilen Seniorin laufen alle Fäden zusammen, weil sie meist das Gruppen-Handy trägt, mit dem die Kommunikation untereinander gewährleistet ist. "Über das Handy bekomme ich Anrufe von Mitbürgern, die Hilfe brauchen und ich kann Mitglieder verständigen, die für die entsprechende Hilfeleistung in Frage kommen", erklärt Anita Laudenbach.

"Nur auf Hilferufe warten, damit ist es aber nicht getan", beteuert Initiator und Behindertenbeauftragter der Gemeinde, Dieter Wirsing. Ältere Leute scheuten sich meist, um Unterstützung zu bitten. Daher müssten sie direkt angesprochen werden. In Rödelmaier sei das durch verschiedene Aktivitäten geschehen. Besonders erfolgreich sei beispielsweise die Osteraktion verlaufen, als die Gruppenmitglieder von Haus zu Haus liefen und an die Senioren des Dorfes kleine Ostergeschenke inklusive eines Gutscheins "für eine Stunde Zeit" verteilten.

Nur eigene Auslagen und Spritkosten werden berechnet

"Mit einer Stunde ist es aber meist nicht getan", bemerkt Elisabeth Schmitt, die auch den örtlichen Kindergarten leitet. Bei den Besuchen werde aber ohnehin nicht auf die Uhr geschaut, da könnten schon einmal auch drei Stunden drauf gehen, etwa wenn Arztbesuche erledigt werden. Berechnet werden nur eigene Auslagen und die Spritkosten.

"Die Leute sind auch unglaublich dankbar", ergänzt Carola Kroczek, die ebenfalls zum engeren Kreis der Ansprechpartner gehört. Gerade jetzt in den Corona-Zeiten seien ältere Personen noch stärker ans Haus gebunden, da "sind sie dankbar für jeden Kontakt". Und die Angebote helfen dabei, dass die Senioren auch selbst aktiver werden.

Mehr als ein Besuchsdienst

Dieter Wirsing möchte aber noch mehr als einen "Besuchsdienst" bieten. Die Initiative, die sich aus versicherungstechnischen Gründen unter dem Dach der Kirche gebildet hat, ziele auch auf eine Stärkung des Gemeinsinns. Er möchte daher die jüngere Generation zum Mitmachen ermuntern. Deshalb sei er besonders dankbar, dass die örtliche Pfadfindergruppe ihre Arbeit unterstütze und der Jugendclub sich ebenfalls schon an einer Aktion beteiligt habe.

Interesse könne aber nur geweckt werden, wenn immer wieder Neues geboten wird, was Aufmerksamkeit bei der gesamten Bevölkerung erzeugt. Daher gelte es stets, Ideen zu entwickeln. Erfolgreich waren in diesem Sinn das See- und Sommerfest, eine Muttertagsaktion, und geplant ist als nächstes eine Weihnachtsaktion. Durch enge Zusammenarbeit mit dem Seniorenkreis werden zudem regelmäßige gesellige Treffen gehalten.

Auch den Helfern wird etwas geboten

Und auch den Helfern muss etwas geboten, "ansonsten gehen sie irgendwann von der Stange". Ebenso muss für Nachwuchs gesorgt und jüngere Menschen eingebunden werden. Da sei zum Beispiel hilfreich, dass bereits eine Whats-App-Gruppe gebildet worden ist, deren Mitglieder sich gegenseitig über das Geschehen innerhalb der Initiative auf dem Laufenden halten.

"Man muss stets zeigen, dass man "lebendig" ist, dann erfährt man auch Akzeptanz in der Bevölkerung", meint Wirsing. "In Rödelmaier sind wir auf einem gute Weg".