Mellrichstadt

Fällt der Fasching 2020/2021 in Rhön-Grabfeld wegen Corona aus?

Solche Bilder wie beim Wargolshäuser Rosenmontagszug im Jahr 2019 (Archivbild) sind in Zeiten der Corona-Pandemie für viele Menschen kaum vorstellbar. Wie gehen Faschingsveranstalter in Rhön-Grabfeld mit der Planungsunsicherheit für die kommende Faschingssession um? Foto: Ansgar Büttner

Kein dicht an dicht gedrängtes Säumen der Straße beim Faschingsumzug. Kein gemeinsames Schunkeln zu Gassenhauern bei der Prunksitzung. Kein Faschingstanz in einer vollen Halle, bei welchem es zwar eng, dafür aber stimmungsvoll zugeht. Solche Szenarien sind für viele Faschingsfreunde sicher eine traurige Vorstellung. Wie und ob in der Session 2020/2021 die närrischen Tage gefeiert werden können, ist derzeit aufgrund der Corona-Pandemie noch völlig unklar. Wie gehen Vereine beziehungsweise Gemeinden, die rund um die fünfte Jahreszeit Feiern, Sitzungen und Umzüge planen, mit der unsicheren Prognose für den kommenden Fasching um? Die Redaktion hat sich exemplarisch bei einigen Faschings-Veranstaltern in Rhön-Grabfeld umgehört.

Garden der MKG trainieren bereits

"Es ist momentan alles sehr unsicher. Praktisch jeden Tag kommen neue Vorgaben und Vorschriften", sagt Thomas Dietz. Er ist Vizepräsident der Mellrichstädter Karnevalsgesellschaft (MKG) und betont die Wichtigkeit, sich nach dem zu richten, was die Politik vorgibt.  Dietz: "Unsere Garden haben zwar schon wieder mit dem Training begonnen, allerdings in Kleingruppen und vorwiegend draußen, um die Vorgaben einzuhalten und die Risiken zu minimieren". Dies sei vor allem wichtig, damit die Tänzerinnen bei der Stange, sprich im Verein, bleiben und nicht die Lust verlieren.

In die Planungen für die Sitzungen und den Umzug sei man aber noch nicht eingestiegen, hier wolle man sich bei einem gemeinsamen Gespräch mit Vertretern aller Faschingsveranstalter im Landkreis abstimmen. Gemeinsam möchte man dann - je nach Stand der Richtlinien (Dietz: "Manches geht dann vielleicht, manches doch nicht") - erste Überlegungen anstellen, ob und wie zu Fasching 2020/2021 Veranstaltungen stattfinden könnten.

Unsicherheit in Heustreu

Auf dieses gemeinsame Treffen der Veranstalter verweist auch Heustreus Bürgermeister Ansgar Zimmer. Er als Vertreter der Gemeinde Heustreu und sein Organisations-Team zeichnen für den Heustreuer Faschingsumzug verantwortlich, bei welchem die Heustreuer Vereine mithelfen. Das gemeinsame Treffen gebe es jedes Jahr, es finde nun aufgrund der schwierigen Situation durch Corona aber statt im November/Dezember bereits im September statt.

"Wir Veranstalter streben bei allem, was wir im Bereich Fasching tun, eine einheitliche Linie an. Das haben wir all die Jahre so gemacht und so wird es auch dieses Mal sein", erklärt Ansgar Zimmer. Ob er sich einen Faschingsumzug in Pandemie-Zeiten vorstellen kann? "Es ist extrem schwer, hier eine Aussage zu treffen. In der herkömmlichen Form aber eher nicht."

Wa-Ka-Ge-Näherinnen hängen in der Luft

"Unsere Vorstandschaft hat zwar mit den Planungen begonnen, als würde der Fasching stattfinden. Was genau dann letztlich durchführbar ist oder auch nicht, wollen wir in etwa in der Woche vor dem 11. November entscheiden, je nach dem aktuellen Stand der gültigen Corona-Vorschriften", sagt Jochen Gans, der 1. Sitzungspräsident der Wargolshäuser Karnevalsgesellschaft (Wa-Ka-Ge). Generell sieht er für den Rosenmontagszug und die Partynacht eher schwarz. Zumindest in der bisherigen Größenordnung sind diese für ihn nicht vorstellbar. Ob in dieser Session Prunksitzungen stattfinden können, hängt für die Wa-Ka-Ge neben den Vorschriften auch von wirtschaftlichen Überlegungen ab: "Wenn wir nur 100 Personen in den Saal lassen dürfen, sind die Kosten höher als das, was dabei herausspringt. Normalerweise sind es bei den Sitzungen etwa 300 Besucher. 200 bis 220 müssten wir schon rein lassen dürfen, damit es sich rentiert".

Er persönlich hält es ohnehin für schwer vorstellbar, wenn bis Ende des Jahres noch keine Großveranstaltungen erlaubt seien und man dann im Januar Prunksitzungen in einem voll besetzten Saal durchführen würde. Die Garden der Wa-Ka-Ge sind bereits voll im Training, gegebenenfalls müsse man die einstudierten Tänze dann eben in der nächsten Session aufführen. Allerdings würden die Näherinnen der Kostüme für die Showtänze derzeit in der Luft hängen. "Eigentlich müssten die nämlich jetzt schon damit anfangen. Bei den Kostümen ist dies aber schwierig, man weiß ja nicht, ob es im nächsten Jahr noch die selben Tänzerinnen sind, ob die Kostüme noch passen", gibt er zu bedenken.

Platzprobleme bei den Böschemer Maumern

Eine konsequente, wenn auch "blöde" Entscheidung, wie die Vorsitzende Sandra Hellmuth den Schritt bezeichnet, hat man bei den Böschemer Maumern getroffen. Die Büttenabende wurden bereits abgesagt. Als Grund dafür nennt Hellmuth auch, dass die Frankenheimer Rhönhalle noch nicht fertig ist und somit ohnehin Platzprobleme bestehen. Durch die coronabedingten Abstandsregeln vergrößert sich dieses Problem noch. Unter anderem deshalb trainieren auch die Garden derzeit nicht: "Die Gesundheit steht für uns ganz klar im Fokus. Mit den Hygienerichtlinien, beispielsweise Desinfizieren des Raumes nach jedem Training, möchte ich die Trainerinnen nicht belasten. Für uns als Ehrenamtliche ist der Aufwand der Vorgaben schlicht nicht durchführbar".

Freilich habe man auch über alternative Trainingsorte nachgedacht, zum Beispiel darüber, aufs Feld zu gehen. Man sei aber überein gekommen, dass das Verletzungsrisiko hier einfach zu hoch sei, so Hellmuth. Auch für Faschingsveranstaltungen plane man noch gar nicht. Sandra Hellmuth persönlich ist überzeugt, dass dieses Jahr faschingsmäßig "gar nichts läuft". Den Böschemer Straßenfasching mit Umzug und lauten "Halex-Rufen" aber, den möchte sie trotzdem noch nicht ganz abschreiben. Hier wolle man spontan entscheiden und agieren. "Wir sind alte Hasen im Faschingsgeschäft. Wir wissen, wie es läuft. Wir überlegen hin und her. Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, den Straßenfasching abzuhalten, dann sind wir dabei."