Oberelsbach

Den Boden als Grundlage begreifen

Christoph Felgentreu führte vor, wie mit Hilfe einer Röhre die Infiltrationsrate des Bodens gemessen werden kann. Das Wasser versickerte schnell, was auf eine gute Infiltrationsrate schließen lässt. Ansonsten wäre der Boden erosionsgefährdet. Rechts im Bild Stefan Junge, der am z... Foto: Corinna Ullrich

Den Boden als Grundlage begreifen im übertragenen und wörtlichen Sinne, das war das Thema des Betriebsentwicklungsseminars "Bodenfruchtbarkeit", zu dem die Öko-Modellregion Rhön-Grabfeld gemeinsam mit dem FIBL (Forschungsinstitut biologischer Landbau) Anfang September eingeladen hatte.

Das Seminar war laut einer Mitteilung Teil des Bundesprogrammes "Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft". Die Veranstaltung fand in der Umweltbildungsstätte Oberelsbach und auf Flächen des Bio-Betriebes Abe in Urspringen statt. Mit 30 Teilnehmern - konventionell und ökologisch sowie in Haupt- und Nebenerwerb wirtschaftende Landwirte - war das Seminar ausgebucht.

Vorbereitung auf Klimawandel

Das Wissen darum, wie Bodenfruchtbarkeit erhalten und Humus (wieder-)aufgebaut werden kann, ist die Grundlage für landwirtschaftliche Betriebe. Der Klimawandel fordert eine intensive Beschäftigung mit dem Thema ein, denn ein fruchtbarer und humusreicher Boden hat nicht nur eine gute Klimabilanz, sondern zeigt auch die größte Resilienz gegenüber Klimastress. Welche Bewirtschaftungsmethoden sollen Landwirte wählen? Und wie können sie ihre Ackerböden besser verstehen und deren Zustand richtig einschätzen, um Maßnahmen zu ergreifen, die den Boden optimal auf die Herausforderungen der nachhaltigen Ertragsstabilität und den Klimawandel vorbereiten?

Das Seminar versuchte Antworten zu geben. Klar wurde, dass diese allerdings nur mit den Landwirten gemeinsam gefunden werden können. "Denn beim Boden gibt es alles nur einmal", wie Christoph Felgentreu, IG Boden, der Referent des ersten Seminartages erklärte. Es sind viele Faktoren, die im Zusammenspiel darüber entscheiden, ob ein Boden fruchtbar ist und die Pflanzen gut ernähren kann. 

Bodenbedeckung ist entscheidend

Mit Vorträgen zur Bodenfruchtbarkeit führte Felgentreu umfangreich in die Thematik ein. Zum Aufbau der Bodenfruchtbarkeit ist eine möglichst ständige Bodenbedeckung, beispielsweise durch Zwischenfrüchte, entscheidend. Dagegen sind anorganische Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel nicht empfehlenswert für die Bodenfruchtbarkeit. Ein gesunder Boden wiederum schafft gesunde Pflanzen, die weitaus weniger anfällig für Schädlinge und Krankheiten sind. 

An einem extra ausgehobenen Bodenprofil konnten die Teilnehmer den Aufbau der Bodenstruktur studieren und mit unterschiedlichen Tests konnte der Boden bewertet werden. Unter anderem zeigte Felgentreu (siehe Foto), wie mit einer einfachen Röhre ein Infiltrationstest gemacht werden kann, der Aufschluss darüber gibt, wie gut der Boden das Wasser aufnimmt.

Am zweiten Seminartag stellte Stefan Junge, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Kassel, alternative Bewirtschaftungsformen mit Direktsaat und Mulch vor. Auch hier wurde deutlich, dass Pflanzen, die optimal versorgt sind, zum Beispiel durch Zwischenfrüchte und Mulch, sogar weit weniger am Kartoffelkäfer leiden.

Pflügen möglichst reduzieren

Beide Referenten empfehlen, das Pflügen möglichst zu reduzieren, da bei jeder tiefen Erdbewegung nicht nur Wasser verdunstet, sondern auch der Boden zu Ungunsten der Bodenlebewesen durchmischt wird. Andererseits sollte möglichst auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet werden.

Eine Teilnehmerin, die schon öfter an Bodenseminaren teilgenommen hatte, sagte: "Je mehr ich über den Boden dazulerne, desto mehr wird mir klar, wie wenig ich weiß." Andererseits machte das Seminar auch deutlich, dass es sich lohnt, vom Trecker zu steigen und den Boden wieder in die Hand zu nehmen. Denn mit dem Verständnis für die biologischen Zusammenhänge wächst auch die Möglichkeit zu gestalten, heißt es in der Mitteilung abschließend.