Bad Neustadt

Covid-19: Warum die dritte Welle in der Rhön Sorgen bereitet

Medizinisches Personal legt auf einer Intensivstation einem Covid-19-Patienten einen Zugang für die künstliche Beatmung. Die Kliniken spüren das Infektionsgeschehen mit Zeitverzug an der Belegung der Intensivbetten. Foto: Sebastian Gollnow

Die Infektionszahlen in Deutschland steigen erneut drastisch an – und die Lage in den Krankenhäusern spitzt sich zu. In einer gemeinsamen Presseerklärung des Landratsamtes und des Rhön Klinikums heißt es, dass der Campus Bad Neustadt für die dritte Welle gerüstet sei. Man sehe aber auch große Herausforderungen auf das Gesundheitssystem allgemein und die Region zukommen. „Wir haben die Pandemie bisher durch unsere Erfahrungswerte und dem außerordentlich großen Engagement unserer Mitarbeitenden gut bewältigt. Dennoch beobachten wir die aktuelle Entwicklung  mit großer Sorge“, sagt Professor Bernd Griewing, Vorstand Medizin der Rhön-Klinikum AG.  

Prof. Dr. Bernd Griewing Foto: Daniel Peter

Rund 270 Covid-19-Patienten seien bisher am Campus Bad Neustadt behandelt worden, ein Fünftel von ihnen intensivmedizinisch über einen extrem langen Zeitraum hinweg. Derzeit befinden sich zehn Patienten stationär in Behandlung, Tendenz momentan noch gleichbleibend. „Wir Kliniken spüren das Infektionsgeschehen mit Zeitverzug. Was jetzt durch Lockerungen und Fehlverhalten des Einzelnen verursacht wird, zeigt sich in den kommenden zweieinhalb Wochen mit aller Wucht bei uns im Klinikalltag“, so Griewing.

Viele Kontakte, begrenztes Impfangebot

Der Anstieg der Infektionszahlen sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Kontaktbeschränkungen mittlerweile nicht mehr besonders gut greifen und das Impfangebot begrenzt ist. Darüber hinaus besteht erhöhte Ansteckungsgefahr durch die Virus-Mutationen wie die britische Variante B.1.1.7. Diese bestimme auch am Campus zunehmend das Geschehen. "Angesichts der steigenden Corona-Zahlen wird es mehr schwere Krankheitsverläufe bei jüngeren Menschen geben. Diese Entwicklung sehen wir bereits jetzt schon", bestätigt Griewing.    

Um die weitere Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen, seien schnelleres Impfen und regelmäßiges Testen vordringlich. " Wir müssen jetzt so rasch wie möglich gegen die dritte Welle animpfen , um das Ziel einer weitgehenden Herdenimmunität baldmöglichst zu erreichen", sagte Griewing.

Mit dieser Forderung ist er nicht allein, heißt es in der Pressemitteilung. Seit Beginn der Pandemie gebe es eine enge, partnerschaftliche Kooperation zwischen dem Campus und dem Landkreis Rhön-Grabfeld. Landrat Thomas Habermann  und Professor Bernd Griewing wenden sich regelmäßig an die Bundes- und Landespolitik, um die Impfstoffverfügbarkeit im Landkreis zu erhöhen und damit das Impfen zu beschleunigen.

Landrat Thomas Habermann. Foto: Stefan Kritzer

Bislang wurden über 9600 Erstimpfungen und rund 5000 Zweitimpfungen im Landkreis durchgeführt. Mehr als 26 600 Menschen haben sich für eine Impfung registriert. "Das Impfzentrum und die niedergelassenen Ärzte stehen in den Startlöchern und wollen, sobald uns die staatlichen Regelungen und Impfstoffzuteilungen in die Lage versetzen, schnellstmöglich allen Bürgerinnen und Bürgern eine Impfung ermöglichen", sagte Landrat Thomas Habermann.

Gemeinsamer Aufruf an alle Bürger

Besonders beobachte man die derzeit dynamisch ansteigenden Infektionszahlen im Landkreis Rhön-Grabfeld und in manchen angrenzenden Regionen. " Die Inzidenzen explodieren teilweise regelrecht und wir befürchten einen nicht mehr kontrollierbaren Anstieg ", so Habermann und Griewing. Demzufolge richten sie kurz vor Beginn der Osterfeiertage einen gemeinsamen Aufruf an alle: "Bitte beachten Sie die geltenden Corona-Regelungen genau, verzichten Sie auf Reisen jedweder Art und lassen Sie sich unbedingt impfen. Damit schützen Sie sich, Ihre Familien, Ihre Freunde und all Ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger."

Trotz der gegenwärtigen schwierigen Situation bestehe in Erwartung der stark ansteigenden Impfstoffmengen die begründete Aussicht, dass zum Ende des zweiten Jahresquartals die Hauptprobleme überwunden sein werden und die Beschränkungen weitgehend zurückgefahren werden können, heißt es abschließend. Und: "Gerade deshalb wünschen wir Ihnen ein frohes Osterfest im kleinen Kreis der Familie", so Professor Griewing und Landrat Habermann.